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Wien - Bereits zum 16. Mal startet der Biologe Günter Köck (Universität Innsbruck bzw. Akademie der Wissenschaften) im Sommer zu Forschungszwecken in die Arktis. Im Rahmen des Langzeitprojekts "High-Arctic" erforscht ein österreichisch-kanadisches Team die Anreicherung von Schwermetallen und organischen Schadstoffen bzw. die Einflüsse von Klimaveränderungen auf Seesaiblinge in der kanadischen Arktis. Aufgrund der Ähnlichkeit der Ökosysteme sind diese Ergebnisse auch auf alpine Hochgebirgsseen übertragbar.
Ausgangsprojekt für "High-Arctic" war eine in den 1990er Jahren an Seesaiblingen aus Tiroler Hochgebirgsseen durchgeführte Studie, die einen Zusammenhang zwischen Metallanreicherung und Klimaänderungen erkennen ließ. Seit 1997 werden deshalb an etwa 30 vom Menschen praktisch unberührten Seen im äußersten Norden Kanadas umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Köck und sein Team entnehmen für ihre Analysen vor allem Fische, Sedimentbohrkerne und Wasserproben.
Zu einem der Forschungsschwerpunkte kristallisierte sich in den vergangenen Jahren die Untersuchung der Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Quecksilberanreicherung in den Seen heraus. Das giftige Schwermetall gelangt aus den Industriegebieten im Süden über die Atmosphäre in die Gewässer.
Methylquecksilber gelangt in die Nahrungskette
"Aufgrund der Klimaerwärmung wird das Quecksilber durch Bakterien von der metallischen Form in noch giftigeres organisches Quecksilber umgewandelt. Dieses Methylquecksilber reichert sich enorm leicht in der Nahrungskette an", so Köck. Je früher die Eisdecke schmilzt, desto eher sind die Fische den einsickernden Metallkonzentrationen ausgesetzt und desto schneller erfolgt ihr Stoffwechsel. Deshalb ist auch die Schwermetall-Belastung der Saiblinge in den vergangenen Jahren gestiegen.
Weiteres Ergebnis der Arbeit der Biologen: Während in den arktischen Seen die Konzentrationen von persistenten organischen Schadstoffen wie PCB (Polychlorierte Biphenyle) und DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) aufgrund der Reduktion der globalen Emissionen sinken, steigen jene der als krebserregend und vor allem hormonwirksam eingestuften "polybromierten Flammschutzmittel (PBDEs)" signifikant an. "Die sind in vielen Alltagsprodukten wie Handys und Computern drin", so Köck. Er plädiert deshalb dafür, die Einstellung der Gesellschaft gegenüber Quecksilber und anderen Schadstoffen zu ändern: "Deren Einsatz ist in der Industrie massiv zurückzufahren."
Ergebnisse übertragbar auf heimische Ökosysteme
Die Ergebnisse der Forschungen in Kanada seien auf das österreichische Hochgebirge direkt umlegbar, betonte Köck. "Die Wasserqualität und die Dauer der Eisfreiheit sind in beiden Ökosystemen ähnlich. Im Unterschied zur Arktis sind die Schwermetall-Konzentrationen im Hochgebirge aber weit niedriger. Es gibt zwar den gleichen Trend, aber in Tirol ist die Konzentration noch weit davon entfernt toxisch zu sein. Ansonsten sind die Abläufe aber eins zu eins."
Generell ortet Köck schwierige Bedingungen für die Finanzierung von wissenschaftlichen Langzeitprojekten: "Es werden immer wieder rasche Ergebnisse gefordert. Jeder, der Geld gibt, will auch bald Resultate haben, das ist in der Forschung nicht anders als in der Wirtschaft. Bei Langzeitstudien ist es aber natürlich schwierig, gleich etwas Sensationelles zu liefern." Oft könne man nicht sagen, ob jüngst erhobene Daten nur einen Ausreißer darstellten oder bereits erste Indikatoren einer künftigen Entwicklung. Bei Themen wie dem Klimawandel könne man eben "nur Aussagen treffen, wenn man sich das über 20,30, 40 Jahre anschaut".
Die ÖAW ist laut Köck deshalb gerade dabei, ihre nationalen Programme umzustrukturieren. Dabei wird vermutlich die Förderung von Langzeitprojekten und Risikoforschung stärker in den Mittelpunkt gerückt. (APA, 19.7.2012)
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