"Die Reform Chinas ist im Gange"

Interview | Lukas Sustala
19. Juli 2012, 17:28
  • "Technologien bringen die Volkswirtschaften Afrikas in Schwung", meint 
Fondsmanager Mark Mobius.
    foto: corn

    "Technologien bringen die Volkswirtschaften Afrikas in Schwung", meint Fondsmanager Mark Mobius.

China kann zwar nicht die globale Konjunktur retten, wird aber sein Wirtschaftssystem reformieren, so Fondsmanager Mark Mobius

STANDARD: In Europa und den USA kühlt sich die Wirtschaft ab. Auch für China erwarten viele Ökonomen niedrigeres Wachstum. Wird die Landung hart oder sanft sein?

Mobius: Keines von beiden. China wird weiter fliegen. Fragen Sie den negativsten Ökonomen zu China, und er wird Ihnen sagen, dass er fünf Prozent Wachstum in China erwartet. Das ist fünfmal so viel wie in Europa oder Amerika. Wir müssen China ins rechte Licht setzen. Das Land ist über Jahre zweistellig gewachsen, weil es eine relativ kleine Volkswirtschaft war. Nun wird die wirtschaftliche Basis des Landes größer, also wird das Wachstum geringer ausfallen.

STANDARD: Aber muss sich China nicht grundlegend ändern? Die Wirtschaft wird von Investitionen hochgehalten, die Einkommen und der Konsum halten nicht mit.

Mobius: Die Reform des chinesischen Wachstumsmodells ist im Gange. Der aktuelle Fünf-Jahres-Plan zielt darauf ab, von einer exportgetriebenen Wirtschaft zu einer konsumgetriebenen Wirtschaft zu kommen. Die Chinesen haben nur einen Weg, das zu schaffen. Sie müssen den Leuten Geld in die Hand geben. Das bedeutet Lohnerhöhungen von zehn Prozent und mehr, jährlich.

STANDARD: Aber wird China dann noch die Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft sein können?

Mobius: Es steht fest, dass das Land weiterhin wachsen wird. Aber wir können nicht von China erwarten, dass es Retter der globalen Konjunktur ist. Europa, die USA und Japan sind ökonomisch riesig, und eine Wachstumsschwäche dort ist weltweit zu spüren.

STANDARD: In den vergangenen 20 Jahren ist Asien ökonomisch aufgestiegen. Wer wird die nächsten 20 Jahre am stärksten wachsen?

Mobius: Afrikanische Staaten. Bereits im vergangenen Jahrzehnt gehörten sechs Länder des Kontinents zu den zehn am schnellsten wachsenden Länder weltweit.

STANDARD: Wieso soll Afrika nun nachhaltig wachsen?

Mobius: Das hat zwei Gründe: Zuerst die Investitionen von anderen Schwellenländern. Die Schwellenländer sind im letzten Jahrzehnt vom globalen Schuldner zum Gläubiger geworden. Länder wie China oder Brasilien investieren gerne in Afrika, weil sie die Wirtschaftsstrukturen selbst kennen. Brasilianische Unternehmen etwa investieren verstärkt in den ehemaligen portugiesischen Kolonien wie Angola oder Mosambik. Dazu kommen Technologien wie die Mobiltelefonie.

STANDARD: Aber die Technologien verschaffen Afrika ja keinen Vorteil, die gibt es auch anderswo.

Mobius: Alles, was woanders viele Zwischenschritte gebraucht hat, geschieht in Afrika viel schneller. Mobiltelefone verbreiten sich in Afrika rasant, ohne dass es zuvor weit verbreitete Festnetztelefonie gegeben hätte. Diese Dinge bringen die Volkswirtschaften in Schwung und revolutionieren gleichzeitig das Postwesen oder die Finanzbranche.

STANDARD: Aber die Entwicklung verläuft selten geradlinig. In Indien etwa versinkt die Politik in einem Korruptionsskandal.

Mobius: In Indien hat die Politik die Wirtschaft schlecht verwaltet. Die Zentralregierung und der politische Prozess in Indien sind leider vollkommen korrumpiert. Und der jüngste Skandal hat nun die Entscheidungsfindung in Indien vollends zum Erliegen gebracht. Eine stabile Demokratie braucht gebildete Wähler. Das ist das Problem in vielen Schwellenländern. Sie müssen ein demokratisches System in wirtschaftlicher Armut entwickeln. Das verleitet zum Stimmenkauf, was völlig logisch ist. Solange man kein Essen auf dem Tisch hat, ist man dafür natürlich auch empfänglich.

STANDARD: Korruption bleibt zentrales Thema in Schwellenländern?

Mobius: Korruption ist ein Problem, aber global. Warum haben die USA nicht eine viel strengere Bankenregulierung vorgenommen, etwa die Universalbanken zerschlagen? Weil sie über Lobbying enormen Einfluss haben. Wenn JPMorgan-Chef Jamie Dimon vor dem Ausschuss im US-Kongress aussagt, wird er von Abgeordneten mit Samthandschuhen angefasst. Wieso? Weil sie alle Geld von ihm erhalten haben. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 20.7.2012)

Mark Mobius (75) ist Portfoliomanager und Geschäftsführer des Templeton Emerging Markets Team, das über 45 Milliarden Dollar an Vermögen verwaltet.

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Eine verbale Beruhigungspille für den Westen.

Denn die VR China ist immer noch keine Demokratie und ob die Führung dort nicht einen Kollaps der Weltwirtschaft in Kauf nimmt, um ein bisserl Grossmacht zu spielen, kann keiner sicher vorhersagen.

Andererseits, die andere Grossmacht führt seit Jahren Krieg, unterstützt und/oder stürzt die schlimmsten Menschenverächter und Mörder und lässt die Druckerpresse ihrer Währung fröhlich laufen.

Und es scheint der Weltwirtschaft bislang auch nicht (mehr) zu schaden.

(Von der Umwelt aber und der Zukunft unserer Spezies an sich sprechen wir dabei aber lieber nicht.)

Wir reden hier schon über das gleiche China oder?

Das China das ..
- ein gewaltiges demographisches Problem hat mit Überalterung und einem Übermaß an Männern?
- verschiedenste Volksgruppierungen (Uiguren, Tibeter ...) vereint, ohne diesen Minderheiten Rechte zu geben?
- das über keine Nennenswerte Mittelschicht verfügt?
- das ohne entsprechendes Wachstum (siehe 2008) wohl schneller zerfallen würde als sonst was?
- das autokratisch von einer Partei regiert wird?
- das ein überbordendes Korruptionsproblem hat, wogegen die der USA oder auch Österreichs lächerlich wirken?
- militärisch gesehen immer noch weit hinter Russland, den USA und Europa hinterherhängen?
- kaum tertiären Sektor hat?

China ist groß, China ist mächtig. Aber China wird maßlos überschätzt.

genauso ist es!!

der hype und das ammenmärchen der arbeitsplätze, welche durch china verloren gehen, werden nur von unseren unternehmern gemacht, welche in china investieren und produzieren lassen um personalkosten zu sparen.
@corv
gratulation, endlich einer, der ahnung hat. der rest ist nur geschwafel hier von stammtischrunden, welche keine ahnung haben.
china wird von indien in den nächsten jahren überholt und auf einmal wieder zusammenbrechen.
scheut euch nur japan an, die sind pleite!!!

dass die aktuelle Demographie für China ein riesiges Problem darstellt ist Theorie, nicht Fakt,

fehlende Minderheitenrechte und fehlende Mittelschicht ist Demagogie, kein Fakt,

und der Zerfall Chinas bei geringem Wirtschaftswachstum ist nicht mehr als ein Wunschtraum

Na dann lassen wir halt Fakten sprechen:

Bezüglich Demographie:
http://www.spiegel.de/politik/a... 59457.html

Anteil der unter 14 Jährigen: Gefallen von 22,89% auf 16,6%.

Älter als 60: 13,26%. 3% mehr als im Jahr 2000. Tendenz bei unter 14 fallend, über 60 steigend.

Mittelschicht:
http://www.dbresearch.de/PROD/DBR_... 251957.PDF

Diese ist zwar stark im Wachsen, jedoch auch gefährdet durch die aktuell abschwächende Weltkonjunktur.

Bezüglich Zerfall Chinas: Man braucht sich nur die Uiguren anschauen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Uigu... en#Unruhen

Dass diese bei abschwächender Konjunktur genauso ein Problem darstellen, ist klar oder?

dass die Überalterung der Bevölkerung ein Problem darstellt behauptet auch der Spiegel nicht.

Tatsächlich liegt China mit seiner Fruchtbarkeitsrate von 1,55 zwischen Thailand (1,65) und Georgien (1,46) - zwei Länder, die nie mit dem Problem der Überalterung in Verbindung gebracht werden. Das Thema scheint für China reserviert.

Die chinesische Mittelschicht haben Sie inzwischen zur Kenntnis genommen.

Dass Wirtschaftswachstum und Unabhängigkeitsstreben der Uiguren in irgendeiner Weise korrelieren ist eine originelle Ansicht, die ich hier erstmals lese.

China und Südafrika - Big Partner!

Zurzeit findet in Peking die 5. Ministerkonferenz des China-Afrika-Kooperationsforums (FOCAC) statt, aus welcher hervorgeht, dass die Chinesen verstärkt auf Südafrika setzen. Ein einmaliger außenpolitischer Vorgang ist zu beobachten: http://2010sdafrika.wordpress.com/2012/07/2... er-mitte/.

...der "gute" Mobius und seine Theorien!

... also ehrlich mal - was wird er den anderes sagen als jene Theorien, die er euch seinen Investoren erzählt. Der "gute" Mann (der Name klingt wie ein selbstgewählter mystischer Kunstname) setzt auf Afrika - in Realität ist das natürlich ein Lotteriespiel. Diese Investitions/Wachstums-Strategie ist z.B. in Russland und Indien so wie erwünscht nicht aufgegangen.

Gut! Ich geb´s zu in China ist die Sache am ehesten aufgegangen - liegt aber nicht an den hellseherischen Fähigkeiten der Investoren sondern an und für sich am "chinesischen Charakter" oder nennt es Grundhaltung, Einstellung etc. UND der Existenz eines Zentralkomitees.

Klar, das Investoren immer nach neuen Möglichkeiten Ausschau halten - in Afrika werden die sich aber "anschauen"

was schlagen sie als alternative vor

europa etwa? eigentlich bleibt schon allein von der logik mittlerweile NUR mehr afrika über.

Ganz ehrlich? JA! Wäre cool, wenn sich solche Personenkreise mal ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst wären. Aber mir ist schon klar, daß sowas "naiv" ist. Wir haben es schließlich noch nie hinbekommen ein anhaltend stabiles Wirtschaftssystem zu erlangen.

Globales auf und ab von gewissen Zonen/Regionen war immer schon "Programm" inkl. Kriege. Argentinien war z.B. mal das reichste Land der Erde. Der Vorteil des eine ist der Nachteil des anderen.

So machen jene halt bewusst weiter denselben Mist und sogar noch mit Nachdruck. In Europa wird nämlich schon "investiert" - und zwar in die Schulden nicht in den Wachstum. "Schuldenübernahme" ist zwar riskanter aber noch ein wesentlich besseres Geschäft als in Wachstum zu investieren...

das größte problem europas sind nicht der euro und die schulden sondern die altersstruktur. wenn einmal 2/3 der europäischen bevölkerung älter als 60 jahre sind werden wir froh sein müssen wenn wir nicht HINTER afrika zurückfallen!

...ein Nachstz noch dazu:

aus "kranker" Großinvestoren Sicht (wohlgemerkt: nicht alle Großinvestoren sind "krank" in der Birne) ist Afrika natürlich schon ein Paradies. Kauf dir die Regierung und du kaufst das Volk inkl. Rohstoffe gleich mit. Ich bin mir aber sicher, daß die Bevölkerung nicht so leicht zu "steuern" oder "anreizen" ist wie die Chinesen. Die Sache wird in blutigen Unruhen enden...

Na passt eh wunderbar in's Konzept, hat er doch im Film gemeint (sinngemäß): The best time to buy is when there's blood on the streets.

ja, da hast du leider Recht! Das Zitat soll aber angeblich von Baron Guy de Rothschild stammen (hat beide Weltkriege mitbekommen - daher der Spruch)

das problem ist aber nicht die bevoelkerung in afrika, sondern eine andere elite, die halt auch an die regierung kommen moechte, damit sie auch bestochen werden kann.
sonst stimme ich ihrem posting zu. der mann macht macht hochriskante investitionen, das kann gut gehen oder nicht.
und das der artikel eine wahrscheinlich bezahlte werbung ist, ja, vor 10 jahren haett ich noch gesagt, das ist skandaloes, heut ist das der standard.

Es ist doch immer wieder spannend, dass Menschen wie der Herr Soros oder dieser Typ ihre "Expertenmeinung" abgeben dürfen - völlig abgekoppelt von Ihrer sonstigen Rolle, ihren Interessen und der verheerende Wirkung, die ihre Tätigkeit abseits heerer Worte für sehr viele Menschen hat. Das ist ungefähr so, wie wenn man Hypo-Manager zum Thema "Verantwortung", Dichand zum Thema "Seriosität in den Medien" oder einen Effen zum Thema "Korruption" befragen würde. Solange solche "Experten" mit ihrem "Fachwissen" die Diskussion prägen (und nebenbei Politik beraten, siehe Ackermann oder Goldman-Sachs) können, dürfen wir uns über Dinge wie Finanzkrisen, Spekulationsblasen und die damit einhergehende menschlichen Katastrophen nicht wundern.

Guter Artikel

sehr viel wichtige Informationen, anders als in leider oft aktivistischen Artikeln, wo nur nach Ideologie gehandelt wird.

Aber eines muss ich in einem Studium noch lernen, ob das Wirtschaftssystem wie wir es betreiben, wirklich das richtige ist.?

Auch wenn China wirtschaftlich wächst

bleibt ein massives Problem: die Ressourcenarmut des Landes und die große Bevölkerung. Indien hat zwar auch massive Überbevölkerung aber immerhin die Möglichkeit Nahrungsmittel selbst herzustellen.

China verfügt über 20 % der Weltbevölkerung und hat aber nur 7 % der globalen landwirtschaftlichen Flächen zur Verfügung, dazu kommt die Desertifikation die trotz vieler Bemühungen jedes Jahr zigtausende Ha Agrarfläche vernichtet. Dafür engagiert sich jetzt China vor allem in Afrika um die Versorgung zu gewährleisten.

Konkret gesagt: in einem Konfliktfall hat China mit dieser Ausgangsituation ein massives Problem, es wurden schon andere Reiche (Ö-Ungarn, Russisches Zarenreich) von einer hungernden Bevölkerung gestürzt...

bloedsinn.
nennen sie irgendein relevantes landwirtschaftliches produkt, bei dem indien mehr herstellt als china.

ackerland china: 14,86% von 9,57 mio km²
entspricht 1,42 mio km²

ackerland indien: 48,83% von 2,97 mio km²
entspricht 1,45 mio km²

quelle cia factbook:
https://www.cia.gov/library/p... -factbook/

nur sagt das überhaupt nichts über die Produktivität der Böden aus - die ist in Indien sicher höher

http://de.wikipedia.org/wiki/List... roduzenten

http://de.wikipedia.org/wiki/Baum... 008.2F2009

http://de.wikipedia.org/wiki/Tee#... roduzenten

In fast allen Bereichen von Landwirtschaftlichen Gütern produzieren die Chinesen mehr als Indien, und das trotz der etwas geringeren Ackerflächen.

China wird sein eigenes System weiterhin reformieren,

das macht es seit Jahrzehnten.
Aber vor allem wird China das globale Saystem reformieren.
Die erdrückende Dominanz und Vorherrschaft eines einzelnen Staates und seiner Kapitalinteressen kann angesichts verändertet Kräfteverhältnisse nicht mehr aufrecht erhalten werden.
Es ist zwar keine globale Demokratie in Sicht, doch mehrere künftige Machtzentren erfordern einen Interessensausgleich.

Ein hervorragender Mann! In fünf Jahren hat es sein Fonds zu keinem Zeitpunkt geschafft, den Index zu schlagen:
http://www.franklintempleton.de/pdf/unser... _de_de.pdf

Noch ein paar Jahre und es kracht im chinesischen Gebälk. Die demografischen Daten sprechen eine eindeutige Sprache. Ähnlich wie Japan.

Keine Ahnung, warum man sich immer zu solchen Jubelmeldungen verleiten lässt...

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