"Lieber anonym bleiben"

Barbara Wallner
19. Juli 2012, 17:12
  • Die Ärztin Eva Masel (re.) mit ihrer Familie.
    foto: orf/nina horowitz

    Die Ärztin Eva Masel (re.) mit ihrer Familie.

Porträts lesbischer Frauen in "Am Schauplatz" - Die Reportage ist eine der wenigen aus rein weiblicher Perspektive, zu sehen am Freitag um 21.15 Uhr in ORF 2

Wien - Rosmarin Frauendorfer hat kein Problem, über ihre Liebe zu Frauen zu sprechen. Heute. In ihrem Beruf hat die 70-jährige das Thema sexuelle Orientierung lieber vermieden - obwohl es jeder wusste. "Die Leut' wollen's nicht gesagt bekommen. Die Leut' wollen's erraten und dann heimlich darüber reden, aber sie wollen sich nicht konfrontieren damit."

Lesbisch ist man eher heimlich - auch heute noch. Das musste Nina Horowitz bei ihren Recherchen zu "Am Schauplatz - Wenn Frauen Frauen lieben" (Freitag, 21.15, ORF 2) feststellen: "Die ersten Gespräche habe ich im Dezember geführt und mich dann ganz langsam vorgetastet. Damit hatte ich nicht gerechnet, immerhin haben wir 2012!", sagt sie im Rückblick. Es habe viel Vertrauensarbeit gebraucht, bis die Frauen - die schließlich so beeindruckend selbstbewusst wirken - sich vor die Kamera gewagt haben.

Rein weibliche Perspektive

Die Reportage ist eine der wenigen aus rein weiblicher Perspektive. Horowitz wollte die Geschlechter bewusst auseinanderhalten, weil sie im Umgang mit der eigenen Homosexualität an ganz unterschiedlichen Punkten stehen. Schwule Männer agieren selbstbewusster in der Öffentlichkeit. Auch bei lesbischen Frauen gibt es ein Bedürfnis nach Veränderung, aber wenige haben den Mut, selbst aktiv zu werden, erzählt Nina Horowitz: "Alle, mit denen ich gesprochen habe, waren begeistert von der Sendung, die meisten wollten aber lieber anonym bleiben."

Sehr intim erzählt "Am Schauplatz" die Geschichten ganz unterschiedlicher Frauen aus verschiedenen Generationen. Es sind ganz normale Lebensgeschichten, von Beziehung, Familie und Kinderwunsch, die oft durch gesetzliche Hürden und lächerliche Vorurteile erschwert werden. Wie absurd die Sichtweise auf Homosexuelle teilweise immer noch ist, zeigen nicht nur Straßenumfragen, die Horowitz zwischenschaltet.

Auch Tess Hermann, 16-jährige Schülerin in Bregenz, weiß auf die Frage nach Vorurteilen Kurioses zu berichten: "Lesben spielen alle Golf. Und das hat jemand ernst gemeint. Wie das denn ginge, dass ich nicht Golf spiele, wenn ich doch lesbisch bin?!" (Barbara Wallner, DER STANDARD, 20.7.2012)

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6 Postings
Eine ernüchterne Realität

Die "sexuelle Befreiung" hat eigenartige Ergebnisse hervorgebracht.
Ein positive Beobachtung: Interessanterweise leben die meisten lesbischen Paare welche ich kenne in ländlichen Gebieten und haben dort mit ihrer Lebensweise eine wesentlich höhere Aktzeptanz wie homosexuelle Paare.

lesbische Paare SIND homosexuelle Paare.
Nur mal so eben der kleine, unwichtige Hinweis.

"Lesbische Paare haben eine höhere Akzeptanz als homosexuelle Paare"?? Jetzt erklären sie mir aber bitte mal den Unterschied zwischen den beiden. Und die Behauptung es gäbe mehr Lesben am Land als in der Stadt halte ich für komplett aus der Luft gegriffen....

we live together ;-)

Gääähn....

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