Der krachlose "Holländer"

  • Dirigiert "Fliegenden Holländer": Christian Thielemann.
    foto: norbert millauer/ddp

    Dirigiert "Fliegenden Holländer": Christian Thielemann.

Gute Bayreuther Laune bei Christian Thielemann und Sängern vor Festspielbeginn

Bayreuth - Er wird ab 2013 für die Salzburger Osterfestspiele verantwortlich sein. Es ist jedoch zu vermuten, dass sich an Christian Thielemanns besonderer Sympathie für Bayreuth nichts ändern wird, wo sich der deutsche Dirigent gerade aufhält, um für die Neuheit, Wagners Fliegenden Holländer, zu proben (Premiere ist am Mittwoch). Wobei: Auch wenn Thielemann längst große Bayreuth-Erfahrungen aufzuweisen hat, ist noch immer einiger Respekt im Spiel:

"Manchmal habe ich das Gefühl, das Haus lebt. Und wenn man es nicht gut behandelt, rächt es sich", so Thielemann. Wegen der Akustik sei jedenfalls bei der Erarbeitung eines Stücks höchste Sensibilität nötig. " Wenn ein Regisseur darauf keine Rücksicht nimmt, kann es zu akustischen Unfällen kommen." Der aktuelle Holländer-Regisseur, Jan Philipp Gloger, habe sich aber gut mit ihm abgesprochen, so Thielemann, der Bayreuth Rosen streut. "Das ist das tollste Theater, das es auf der Welt gibt. Die Faszination des Ortes ist ungebrochen. Diese Tradition muss man mit allen Fasern bewahren." Neben dem Fliegenden Holländer wird Thielemann, der nun Chefdirigent der Dresdner Staatskapelle ist, in diesem Jahr bei den Festspielen auch den Tannhäuser dirigieren, nachdem 2011 noch Thomas Hengelbrock am Pult gestanden war.

Wirbel um Regie belustigt

Die Inszenierung des Vorjahrs von Sebastian Baumgarten hatte ja einige Kritik geerntet, Thielemann sieht solche Wirbel um die Regie aber eher gelassen. "Man muss das mit Humor nehmen. Ich springe ja ein, das ist ein besonderer Spaß."

Komplizierter lief es jetzt beim anstehenden Holländer: "Das ist das schwerste Stück, das ich hier bisher gemacht habe", so der Maestro. "Es ist nicht für den Bayreuther Graben bestimmt." Es habe schon seinen Sinn, dass Richard Wagner seinerzeit selbst die Aufführung seiner Jugendwerke im Bayreuther Festspielhaus abgelehnt hatte. Wie auch immer. Die Proben zum Holländer hätten Vergnügen bereitet. "Wir haben noch keinen Krach gehabt - es ist noch kein böses Wort gefallen", betont Herr Thielemann, der eigentlich über eine markante Impulsivität verfügen kann, wenn es ihm angebracht scheint.

Jedenfalls gibt es ein paar Tage vor der Premiere auch von Sängerseite Lob für ihn, etwa von Adrianne Pieczonka, die die Partie der Senta singt: "Ich knie zu seinen Füßen, ich finde ihn genial", schwärmte sie. Er nehme Rücksicht auf die Stimmen der Sänger, "er schaut auf uns - und das ist toll", da in der Opernwelt ja nicht so selbstverständlich. (APA, tos, DER STANDARD, 20.7.2012)

Bayreuther Festspiele, 25. Juli bis 28. August

www.bayreuther.festspiele.de

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