Taus-Gruppe übernimmt deutsche IhrPlatz-Filialen

19. Juli 2012, 16:20
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Bis zu 109 an der Zahl, der Vertrag wird am Freitag unterzeichnet. Heimische Filialen werden derweil immer leerer und harren eines Käufers

Stuttgart/Wien - Die MTH-Gruppe um den österreichischen Industriellen Josef Taus sichert sich 109 Filialen von IhrPlatz, der Tochtergesellschaft der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker. "Wir werden am Freitag den Vertrag mit der österreichischen Handelsgruppe MTH Retail Group unterzeichnen", sagte Werner Schneider, Insolvenzverwalter von IhrPlatz, dem deutschen "Handelsblatt. MTH-Gründer und Aufsichtsrat Josef Taus bestätigte das gegenüber der Zeitung. "Es geht um bis zu 109 Filialen", erklärte er. Es seien vor allem Filialen mittlerer Größe, zwischen 250 und 350 Quadratmetern.

Integration in Mäc Geiz

MTH ist in Deutschland bereits mit den Discount-Ketten PfennigPfeiffer und Mäc Geiz im Einzelhandel vertreten. In Österreich gehören die Bürobedarfshändler Libro und Pagro zu der Gruppe. Nach der Übernahme will MTH die IhrPlatz-Filialen in den Haushaltsdiscounter Mäc Geiz integrieren und dabei möglichst viele Arbeitsplätze erhalten.

Am Mittwoch hatte sich der Insolvenzverwalter Werner Schneider mit dem Drogerie-Filialisten Rossmann auf die Übernahme von anderen rund 100 IhrPlatz-Filialen geeinigt. Er will die umsatzstarken Standorte mit rund 800 Beschäftigten und dem kompletten Warenbestand in sein rund 1.600 Filialen umfassendes Netz integrieren. Dazu sind aber noch die Freigabe des Bundeskartellamts und die Genehmigung der Immobilienvermieter nötig. Wenn beide Deals durchgehen, bleibt noch die Zukunft von rund 300 Filialen der Schlecker-Tochter ungewiss.

Österreich-Tochter vor Insolvenz

Ob das heimische geschäft weiterexistiert, das soll bis Ende Juli feststehen. Bis dahin herrscht Stillstand, was man auch in den Filialen beobachten kann. Bei einem Lokalaugenschein in Wiener-Filialen zeigte sich, dass bei beliebten Produktgruppen wie zum Beispiel Zahnpflege, Shampoos oder Deos von vielen Marken nur zwei bis drei Stück erhältlich sind. Vor allem Warenbestände in den Wiener Außenbezirken sind im Vergleich zu jenen in den inneren Bezirken auffallend niedrig. Der Finanzinvestor Josef Stumpf sagte kürzlich, dass der Warenbestand pro Schlecker-Filiale im Schnitt nur mehr 50.000 Euro, in manchen sogar nur mehr 20.000 Euro betragen soll.

Eigenmarken weg

Einzig Regale für Spezialartikel wie Babynahrung, Haarfärbemittel oder Katzenfutter waren halbwegs gut gefüllt. Wichtige Produktgruppen wie Spülmittel- und Reinigungsmittel sowie Waschpulver sind fast zur Gänze ausverkauft. Verkäuferinnen in vier besuchten Filialen sprachen von deutlichen Lieferschwierigkeiten. Die Eigenmarke "Schlecker" ist, laut einer Verkäuferin, gar nicht mehr erhältlich.

In einer Filiale in einem Wiener Außenbezirk erklärte eine Schlecker-Mitarbeiterin, dass fehlende Produkte sofort von der Zentrale bestellt werden, Lieferungen kämen jedoch nur unregelmäßig und man könne nicht sagen welche Produkte und wie viel Stück angeliefert werden. Die Mitarbeiter fühlen sich auch vom Management schlecht informiert. Über die Zukunft der Mitarbeiter werde nur per Fax kommuniziert, sagte eine Filialmitarbeiterin.

Nach der Insolvenz von Schlecker-Deutschland im Jänner, konnte das operative Geschäft der Österreich-Tochter mit rund 900 Filialen und 3.000 Mitarbeitern bis jetzt aufrechterhalten werden.

Gläubigerforderungen steigen über eine Milliarde Euro

Insgesamt fordern rund 22.000 Gläubiger der insolventen Drogeriekette Schlecker mehr als eine Milliarde Euro. Das sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Donnerstag im Anschluss an einen Prüfungstermin am Landgericht Ulm. "Das sind die bislang angemeldeten Forderungen", sagte Geiwitz. Er erwarte aber noch viele weitere Forderungen, die von Arbeitnehmern noch nachgereicht würden. Die größten Posten bei den Schulden machten neben Verbindlichkeiten aus Warenlieferungen Ausstände gegenüber dem Personal aus.

Große Hoffnung machte der Insolvenzverwalter den Gläubigern weiterhin nicht. "Es bleibt dabei", sagte er über die Quote, die wahrscheinlich eher gering ausfallen könnte. Davon ausgenommen sind Forderungen mit Eigentumsvorbehalten, diese werden mit als erstes bedient. (APA, 19.7.2012)

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