Indigene überrennen kolumbianischen Militärposten

Ansichtssache19. Juli 2012, 15:44
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Bewohner von Toribio verlangen Abzug von Armee und Guerilla

In der kolumbianischen Provinz Cauca haben am Mittwoch Dorfbewohner einen Armeeposten überrannt und mit Stöcken und Macheten etwa hundert Soldaten vertrieben. Beim darauffolgenden Polizeieinsatz wurden 26 Menschen verletzt, der 22-jährige Fabian Güetio starb an einer Schussverletzung, nachdem er eine Straßensperre der Armee missachtet hatte.

Die Bewohner der Ortschaft Toribio verlangen den Abzug der Militärs, die auf dem Hügel "Alto de Berlín" außerhalb des Dorfes Kommunikationseinrichtungen bewachen. Die Dorfbewohner argumentieren, dass durch die Präsenz der Soldaten die FARC-Guerilla angelockt werde. Im Jahr 2012 versuchte die FARC bereits vierzehnmal, den Hügel zu erobern.

Auch Guerilla soll abziehen

Die Indigenen vom Volk der Nasa schickten in der Vorwoche eine Kommission in die Guerilla-Lager in der Umgebung des Dorfes, um den Aufständischen mitzuteilen, dass sie zwei Wochen Zeit hätten, die Region zu verlassen. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge behaupten Anführer der Dorfbewohner, vier FARC-Kämpfer und dreißig Soldaten in ihrer Gewalt zu haben.

Präsident Juan Manuel Santos gab sich zwar kompromissbereit und kündigte Verhandlungen mit den Nasa an, verkündete aber gleichzeitig über Twitter, er wolle "keinen einzigen Indigenen auf einer Militärbasis" sehen. Außerdem ordnete er an, "keinen Zentimeter kolumbianischen Bodens" zu entmilitarisieren.

Santos hatte erst in der Vorwoche Toribio besucht. Vor seiner Visite ließ er die umliegenden Hügel, auf denen sich die Guerilla versteckt hält, aus Hubschraubern beschießen. Für Gespräche mit den Indigenen hatten der Staatschef und seine Minister keine Zeit. (bed/derStandard.at, 19.7.2012)

Soldaten bewachen die Sendeanlagen auf dem "Alto de Berlín"

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foto: epa/str

Bereits vor einer Woche demontierten Dorfbewohner eine Armeestellung

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foto: epa/christian escobar mora

Am Mittwoch wurden die Soldaten zum Abzug gezwungen

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Auch FARC-Kämpfer sind unterwünscht

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Dorfbewohner führen einen mutmaßlichen Guerillakämpfer ab

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Präsident Santos besuchte am 11. Juli Toribio

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