Nach weiterem Ausbruch: Sieben Geparden werden übersiedelt

19. Juli 2012, 13:49
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Das Gehege wird über den Sommer neu gebaut. Die Tiere kehren in zwei bis drei Monaten zurück

Salzburg - Nachdem es bereits zweimal in diesem Jahr im Tiergarten Salzburg zu einem Geparden-Ausbruch gekommen ist, wird das Geparden-Gehege über den Sommer neu errichtet. Die sieben Bewohner werden während der Bauphase in anderen Zoos untergebracht. "Wir hoffen, dass sie in zwei bis drei Monaten wieder da sind", sagte Zoo-Geschäftsführerin Sabine Grebner. Aus heutiger Sicht sei es eine falsche Entscheidung gewesen, dass der Tiergarten den zweiten Ausbruch am 1. Juli der Öffentlichkeit und der Polizei nicht mitgeteilt habe, gestand Grebner einen Fehler ein.

Bis zum 7. August soll der Abtransport der Geparden über die Bühne gegangen sein. "Sie dürfen auf Urlaub nach Frankreich, Italien und Holland", sagte die Tiergartenleiterin. "Der Zuchtbuchkoordinator entscheidet, wo sie hinkommen. Die Gepardin bleibt mit ihren Jungtieren zusammen." Bis zur Übersiedelung seien noch einige Formalitäten zu erledigen. Es müssten Transportunterlagen ausgestellt werden, einige Geparden benötigten noch CITES-Papiere, eine Art Reisepass für Tiere. Manche Zoos verlangten auch Gesundheitsüberprüfungen.

Sicherheitsvorkehrungen und Unterkünfte erneuert

Während die Raubkatzen im Ausland weilen, wird der Wildzaun entfernt und ein Gitterzaun samt neuerlicher Stromsicherung und Überhang gebaut. Neu errichtet werden auch die Unterkünfte der Tiere. Die Investitionskosten betragen rund 190.000 Euro. Der Zoo hat bis zur Abreise der Tiere weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen. "Die sieben Geparden werden in der Nacht in versperrten Holzhäusern untergebracht und zusätzlich von einem Sicherheitsdienst bewacht. Für die Bevölkerung steht die Geparden-Hotline 0664 88 65 38 46 rund um die Uhr 24 Stunden von Montag bis Sonntag bis zur Übersiedelung der Geparden zur Verfügung", teilte der Zoo mit.

Scharfe Kritik an Tiergarten-Leitung

Die Tiergarten-Leitung war zunehmend in Kritik geraten. Aufsichtsratsmitglied Bernhard Carl (Bürgerliste) hatte das Krisenmanagement als "katastrophal" bezeichnet. Grebner gab an, dass externe Sicherheitsexperten dem Tiergarten dazu geraten hätten, den zweiten Ausbruch nicht zu melden, damit keine Hysterie ausgelöst werde: "Wir haben uns auf das Urteil der Berater verlassen. Aus heutiger Sicht haben wir falsch entschieden."

Auch sie selbst habe daraus gelernt, sagte Grebner. Täglich müsse man sich selbst und auch dem Zoo gegenüber kritisch sein. "Sonst kann ich nicht gut arbeiten und mich nicht verbessern, um Fortschritte zu machen." Bürgermeister Heinz Schaden habe angerufen und gesagt, er stehe zum Zoo und hinter dem Team, betonte die Geschäftsführerin.

Zwei Ausbrüche in kurzer Zeit

Am 5. Juni waren zwei junge Geparden zum ersten Mal ausgerissen. Die Zoo-Chefin meinte damals, Jugendliche aus der Nachbarschaft könnten in der Nacht als Mutprobe über den Zaun geklettert sein und die Türe zum Gehege geöffnet haben. Die Polizei ging eher von Materialermüdung beim Schloss oder von unzureichender Sicherung aus. Am 1. Juli entwischte dann eines der Jungtiere durch ein Loch im Zaun. Der Draht könnte gewaltsam aufgerissen worden sein, mutmaßte Zoo-Betriebsleiter Rupert Eckkrammer. Verletzt wurde beide Male niemand.

Das Tiergartenmanagement zog in Erwägung, dass man es offenbar mit kritischen Gegnern zu tun habe, die jegliche Zoo-Tierhaltung ablehnen. Seit dem ersten Vorfall im Juni habe es mehrere Drohanrufe und SMS-Drohungen gegeben. "Momentan ist Ruhe", sagte Grebner. "Wir ziehen aber sicher nicht die Köpfe ein wie Schildkröten."

EndZOO: "Behinderung der Justiz"

Die Tierschutzorganisation "EndZOO" hatte gestern gegenüber der Zooführung den Vorwurf der "Vortäuschung von Straftätern" und "Behinderung der Justiz" erhoben. Dazu Grebner: Über eine fahrlässige Gemeingefährdung entscheide die Staatsanwaltschaft, dieser Vorwurf sei von den Behörden aber bisher nicht gegenüber dem Zoo erhoben worden. Es sei ja auch niemanden etwas passiert.

Seitens der Polizei-Pressestelle hieß es heute, dass Spuren ausgewertet werden. "Ermittelt wird wegen vorsätzlicher oder fahrlässiger Gemeingefährdung, es werden noch Beweise gesichert." Falls jemand den Zaun mutwillig aufgebrochen habe, sei das ein vorsätzliches Delikt. Falls Sicherheitsmängel an der Absperrung des Geheges vorliegen würden, dann könnte der Zoo fahrlässig gehandelt haben. "Die Polizei wird nach Ende der Erhebungen einen Abschlussbericht an die Staatsanwaltschaft zur rechtlichen Beurteilung übermitteln", sagte eine Polizei-Sprecherin. (APA, 19.7.2012)

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    Die freiheitsliebenden Geparden aus dem Zoo Salzburg werden nun für bis zu drei Monate ins Ausland gebracht.

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