Nokia kann Megaverluste nicht stoppen: 1,41 Mrd. Euro Miese

  • Vorstandschef Stephen Elop blieb bei der Präsentation der Zahlen vorsichtig. Das laufende Quartal werde wegen Produktumstellungen schwierig, kündigte der Manager an. Die Sanierung des Konzerns werde weiter mit Hochdruck vorangetrieben.
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    Vorstandschef Stephen Elop blieb bei der Präsentation der Zahlen vorsichtig. Das laufende Quartal werde wegen Produktumstellungen schwierig, kündigte der Manager an. Die Sanierung des Konzerns werde weiter mit Hochdruck vorangetrieben.

Konzernchef Stephen Elop dämpfte die Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch

Der kriselnde Handy-Riese Nokia kann die Kette von Megaverlusten nicht stoppen. Im vergangenen Quartal gab es ein Minus von 1,41 Mrd. Euro, wie dasUnternehmen am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz im vergangenen Quartal lag mit 7,54 Mrd. Euro leicht über dem des Vorquartals, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der einst größte Handyhersteller der Welt bleibt aber tief in der Verlustzone stecken. Der operative Fehlbetrag erreichte 826 Mio. Euro nach 487 Mio. Euro im Vierteljahr davor. Durch eine hohe Steuerlast vervielfachte sich der Nettoverlust. Die Verkaufszahlen stabilisierten sich indes bei 83,7 Millionen Geräten.

Barschaft von 4,2 Mrd. Euro

Experten nahmen mit Erleichterung auf, dass die Finnen durch einen einschneidenden Sparkurs ihr Geld zuletzt zusammen hielten. Mit einer Barschaft von 4,2 Mrd. Euro hatten die meisten nicht mehr gerechnet. "Es gab einen kleinen Hoffnungsschimmer, der Barmittelbestand war besser als erwartet und das war eine wichtige Nachricht, die die Märkte beruhigt hat", sagte Analyst Mikael Rautanen von Inderes. An der Börse legten die Nokia-Titel, die gerade noch 1,58 Euro wert sind, um fast 16 Prozent zu.

Lumia und Symbian Restbestände

Konzernchef Stephen Elop dämpfte die Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch. Das laufende Quartal werde wegen der anstehenden Produktumstellungen schwierig, kündigte der Manager an. Die Sanierung des Konzerns werde weiter mit Hochdruck vorangetrieben. Nokia muss über den Sommer seine verbliebenen Geräte mit dem veralteten Symbian-Betriebssystem loswerden und zudem die Restbestände seines Smartphones Lumia losschlagen, dessen überholtes Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 7.5 nicht mit der neueren Version der Software aktualisiert werden kann. Seine Ausgaben für Entwicklung, Werbung und Verwaltung hat Nokia zuletzt weiter stark gedrosselt.

"Der Renditeschwund ist alarmierend, aber immerhin konnte Nokia seinen Handy-Absatz verteidigen und hat weitere Umsatzrückgänge vermieden"

Der finnische Traditionskonzern verschaffte den Experten dennoch den einen oder anderen Lichtblick: "Der Renditeschwund ist alarmierend, aber immerhin konnte Nokia seinen Handy-Absatz verteidigen und hat weitere Umsatzrückgänge vermieden", urteilte Analyst Geoff Blaber von CCS Insight. "Nach einer scheinbar endlosen Reihe von schlechten Nachrichten geben diese Nachrichten ein Fünkchen Hoffnung", sagte Nick Dillon von Ovum. "Das Unternehmen hat es geschafft, die Lumia-Verkaufszahlen seit dem vergangenen Quartal zu verdoppeln. Wenn sie diesen Schwung beibehalten, könnte das den Weg zur Erholung bereiten."

Schwach

Kollege Janardan Menun von Liberium Capital blieb dagegen skeptisch: "Der Ausblick für das dritte Quartal ist schwach. Die Hauptfrage bleibt, was im vierten Quartal geschehen wird, wenn sie ihre neuen Geräte mit Windows Phone 8 auf den Markt bringen."

Der einst dominierende Mobiltelefonhersteller hat in den vergangenen Jahren rapide Marktanteile an seine Konkurrenten Apple und Samsung verloren. Der Börsenkurs stürzte seit dem Frühjahr 2010 um fast 90 Prozent ab.

Nokia Siemens Networks

Schwer zu schaffen macht Nokia auch die glücklose Gemeinschaftstochter Nokia Siemens Networks (NSN), die seit ihrer Gründung 2007 nur Verluste schreibt. Auch im vergangenen Vierteljahr blieb der Netzwerkbauer 227 Mio. Euro von der operativen Gewinnschwelle entfernt. Der Umsatz ging allerdings nicht so stark zurück wie nach den trüben Aussagen des Rivalen Ericsson zu befürchten war und lag bei 3,3 Mrd. Euro. Über die laufende dritte Sanierungsrunde bei NSN, die weltweit fast 20.000 Arbeitsplätze fordert, äußerte sich Elop zufrieden. (APA, 19.07. 2012)

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