Grazer Forscher entwickeln Immuntherapie gegen Hautkrebs

19. Juli 2012, 12:52
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Med-Uni Graz koordiniert EU-Projekt zur Therapie mit Antikörper und Immunbotenstoff

Das Merkelzell-Karzinom (MCC) ist zwar ein seltener, aber sehr aggressiver Hauttumor. Europaweit gehen Experten nun daran, eine spezielle Immuntherapie gegen diesen Hautkrebs, der vor allem Menschen über 70 Jahre betrifft, zu entwickeln. Koordiniert wird das Forschungsprojekt mit dem Titel "Immune modulating strategies for treatment of Merkel Cell Carcinom" (IMMOMEC) von der Uniklinik für Dermatologie und Venerologie an der Medizinischen Universität Graz.

Seltene Krankheit mit hoher Sterblichkeitsrate

Das von den sogenannten Merkelzellen der Oberhaut ausgehende Merkelzell-Karzinom tritt mit 0,4 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern und Jahr zwar sehr selten auf, die Erkrankung ist jedoch mit einer sehr hohen Sterblichkeitsrate verbunden. Menschen, die an einer Schwäche des Immunsystems leiden, sind deutlich häufiger und auch schon in jüngerem Alter von diesem bösartigen Tumor betroffen. Keine der derzeit verfügbaren Therapien ist in der Lage Patienten mit fortgeschrittenem MCC zu heilen.

Neuer Ansatz mit Antikörper und Immunbotenstoff

"Wir versuchen eine neue, effektive Immuntherapie für das Merkelzell-Karzinom zu finden", sagt Jürgen Becker, Projektleiter und Leiter der Klinischen Abteilung für allgemeine Dermatologie an der Medizinischen Universität Graz. Der Forschungsansatz basiert auf der spezifischen Anreicherung des Immunbotenstoffes Interleukin-2 (IL-2) im Tumorgewebe. "Zu diesem Zweck nutzen wir einen Antikörper, der spezifisch die Blutgefäße des Tumors erkennt und daher dorthin wandert. An diesen Antikörper wurde nun das Interleukin-2 gekoppelt", erklärt Becker. Damit wollen die Forscher erreichen, dass sich die Wirkung des immunstimulierenden Zellwachstumsfaktors IL-2 gezielt am Tumor entfaltet und diesen bekämpft.

Geringere Nebenwirkungen durch gezielte Dosierung

Interleukin-2 gilt seit Jahren als mögliches neues Behandlungsprinzip für verschiedene Krebserkrankungen, hat aber bei früheren Behandlungsversuchen zum Teil sehr starke Nebenwirkungen verursacht. Bei dem von IMMOMEC gewählten Ansatz würden geringere Mengen des IL-2 benötigt als bei der konventionellen Anwendung, da sich der Immunbotenstoff gezielt im Tumor anreichert. Auf diese Weise soll die Behandlung generell besser verträglich werden.

In dem auf vier Jahre angesetzten EU-Projekt wird der klinische Erfolg einer gezielten IL-2-Therapie für Patienten mit Metastasen, die sich nicht in der Nähe des Primärtumors befinden, untersucht und die Immunantwort charakterisiert. Insgesamt sind sieben akademische Einrichtungen, darunter auch die Berliner Charite sowie die Universität Tübingen, an der Umsetzung des Forschungsprojekts beteiligt. (APA/red, derStandard.at, 19.7.2012)

 

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