Ikaria sagt Nein!

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    foto: apa

Die Mär vom Anschluss der griechischen Insel ist geplatzt. Über die Reproduktion von Blödsinn in den Medien

Österreich wird also kein zehntes Bundesland in der Ägäis bekommen. Ikaria sagt Nein. Könnte schon wieder die Schlagzeile sein für das U-Bahn-Blatt "Heute". Das hatte zu Wochenbeginn mit dem Blödsinn begonnen und einen Artikel der italienischen Tageszeitung "Libero", eines kleinen konservativen Blatts aus Mailand mit deutlichem Hang zur Theatralik, frei weiterentwickelt. Die "Kleine Zeitung" und das Nachrichtenportal vom Staatssender ORF hoppelten gleich nach. Dann kamen noch viele mehr ...

"Libero"-Journalist Alvise Liso hat die Insel Ikaria heimgesucht, einen Finger breit weg von Samos und zwei von Mykonos, vielleicht war er auf Urlaub, vielleicht hat ihn die in der Tat bemerkenswerte Geschichte der Insel in neuerer Zeit fasziniert: Am 17. Juli 1912 war der große Aufstand der Ikarier gegen die türkischen Herrscher. Die 30 Mann der Garnison wurden gefangen genommen, der Freistaat Ikaria ausgerufen. Vorsichtshalber. Denn Italien hatte sich gerade den Dodekanes unter den Nagel gerissen, und aus dem Osmanischen Reich hinaus nach 400 Jahren und gleich hinein in die nächste Kolonialherrschaft - das wollten die wackeren Ikarier nun nicht. Der Freistaat hielt knapp dreieinhalb Monate. Anfang November 1912 rückte die griechische Armee an, die formelle Angliederung an Griechenland war im folgenden Jahr.

Jetzt ist große Krise, auf dem Festland wie auf den Inseln (obwohl: die Insulaner kommen noch ganz gut über die Runden dank des Tourismus im Sommer). Alvise Liso zitiert zum Ende seines Artikels einen unnamentlichen "Jemand“, der den Festveranstaltungen zum 100. Jahrestag der Rebellion beiwohnt. Wieder unabhängig zu bleiben, würde schwierig sein, denkt der Jemand laut nach, dann kommt der fatale Satz: Wir könnten aber die Annexion an einen anderen Staat versuchen - sicherlich nicht an die Türkei, höchstens an Österreich ("di certo non alla Turchia, al massimo all'Austria“).

All massimo all'Austria: Dänemark also nicht so gern, oder Monaco, Polen oder Belgien. Allenfalls Österreich. Praktisch das intellektuelle Gegenstück zur fürchterlichen Türkei und ihren Osmanen. Oder nur einmal so dahingesagt. Wie kann man daraus folgern, dass Ikaria den Anschluss an Österreich will? Schludernde Journalisten und das Sommerloch, heißt die eine Antwort, aber zumindest das nachrichtenarme Sommerloch ist eine Erfindung urlaubender Redaktionsstuben. Irgendwas ist immer los. Plausibler ist: Mehr als alles andere sind die griechischen Inseln in den Zeiten der Finanzkrise und Milliardenkredite zu einer Obsession der anderen Europäer geworden. Ausdruck des angeblichen Nichtstuns der Griechen und ihres so unverdient-unverschämten Glücks mit der Naturschönheit. Die Griechen sollen ihre Inseln verkaufen, war gleich der erste Vorschlag, den Giorgos Papandreou, glückloser Regierungschef von 2009 bis 2011, zu hören bekam.

Christodoulos Stravinadis, Bürgermeister von Ikaria, hat sich mittlerweile auch im griechischen Fernsehen zu Wort gemeldet: "Es gibt keine Unabhängigkeitsbewegung. Das ist alles Unsinn." Aus der Traum vom Anschluss. (Markus Bey, derStandard.at, 19.7.2012)

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sie haben da vergessen zu erwähnen

dass derstandard.at genauso wie die anderen, über die Sie sich da unverständlicher weise erheben, sensationsgeil dieser nachricht hinterhergehoppelt ist, bevor man sie dann relativiert hat.

Verdammt!

wird anscheinend doch nichts mit dem häuschen auf der insel. ich hätte mein sparschwein wohl noch nicht plündern sollen...

Die grundlose Überheblichkeit von Standard-Journalisten ist echt unbeschreiblich.

Praktisch das intellektuelle Gegenstück zur fürchterlichen Türkei und ihren Osmanen...

Na so fürchterlich können die Türken ja nicht gewesen sein,wenn man nach 400 Jahren Osmanisch-Türkische Herrschaft immer noch als eine winzige Inselbevölkerung existiert !!!

Da kennt man ganz andere Geschichten von Eroberungen zb.in Süd-Amerika durch die Spanier,die dortige Inka,s und Maja,s fast ausgerottet haben..

[doubleStandard] [derStandard] @ "Über die Reproduktion von Blödsinn in den Medien [...] Könnte schon wieder die Schlagzeile sein für das U-Bahn-Blatt 'Heute'. Das hatte zu Wochenbeginn mit dem Blödsinn begonnen und einen Artikel der italienischen

Tageszeitung 'Libero', eines kleinen konservativen Blatts aus Mailand mit deutlichem Hang zur Theatralik, frei weiterentwickelt. Die 'Kleine Zeitung' und das Nachrichtenportal vom Staatssender ORF hoppelten gleich nach. Dann kamen noch viele mehr ..."

... ZUM
BEISPIEL
DER
STANDARD
!!!!!!!!!!!

LOL. aber das wird merkwürdigerweise vom Standard nicht groß hinausposaunt ...

Ägäis-Insel: Völkerrechtler sieht "kein Problem" in Beitritt zu Österreich
www.derstandard.at/134213934... esterreich

Ägäis-Insel will angeblich zu Österreich
www.derstandard.at/134213930... esterreich

IKARIA, Teil 1:

wir sind gestern von unserem 3-wöchigen Urlaub zurück gekommen. Und, wo waren wir? Auf Ikaria! Wir lieben diese so wildromantische Insel und ihre zwar reservierten und stolzen, aber - wenn man sie näher kennt - im Grunde genommen sehr herzlichen Einwohner. Herrliche, unberührte Natur, tolle geologische Formationen und nicht von Pauschaltouristen überlaufen, weil nach wie vor nicht einfach erreichbar. Die Thematik des Auslaufens dieses angeblichen Vertrages war bereits einige Tage vor dem 17. Juli ein großes Thema bei den Leuten dort. Da gibt´s ja auch das eh sehr bekannte T-Shirt mit "Ikaria 1912".

IKARIA, Teil 2:

Scherzhaft hab´ ich bei solchen Diskussionen immer vorgeschlagen, Ikaria soll sich doch - sofern es möglich wäre - Österreich anschließen! Alle unsere Freunde (nach fünf Aufenthalten kennt man schon einige Leute) da unten waren dieser Idee gar nicht abgeneigt, aber im Grunde genommen wären sie gern unabhängig, weg von Athen! Denn eines stimmt ganz sicher: Alle bisherigen Griechischen Regierungen haben sie bisher eher stiefmütterlich behandelt. Beispielsweise liegen Infrastruktur und gesundheitliche Versorgung ziemlich im Argen, es gibt nur eine klein strukturierte Landwirtschaft und die paar Gewerbebetriebe, aber ansonsten hängt das Wohl der Leute am Tourismus.

sie sind also der ursprung der geschichte!
ausgezeichnet :-D

mit einem wort, die wären also gar nicht abgeneigt, österreicher zu werden? na dann - fahren's zurück und sagen's denen, nach den posts zu urteilen, wären die das lieblingsbundesland der österreicher, ein krankenhaus wär da sicher kein problem, und nicht nur das.... :-)

Also, das mit dem ...

... Krankenhaus wird nicht richtig wieder gegeben. Sie wollen nur eine Art Ambulanz - bzw. Erstversorgungs-KH, in dem die dringendsten Fälle (z.B. Geburten, schwerere Verletzungen bzw. Vorsorgeuntersuchungen), weil dadurch nicht diese endlos langen Transporte nach Athen (mit der Fähre, weil Flüge sind deutlich teurer) nötig wären. Ansonsten wollen sie eigentlich die Unabhängigkeit, auch wenn der Bürgermeister das nicht so sieht!

hach, warum so bescheiden? wir würden ihnen eh ein ordentliches Krankenhaus bauen.
vielleicht sollten sie dem bürgermeister mal erzählen, was die landeskaiser a la häupl und pröll z'reden haben, er wird seine meinung dann sicher ändern und seinen schäfchen die sache gschmackig machen ;-)

@ marx: warum wollens dann nicht zu Ö sondern bei GR bleiben ?

IKARIA, Teil 3:

Dieses rege Medien-Interesse finden sie nicht so schlecht, denn gerade heuer haben sie mit ernsthaften Einbußen zu kämpfen. Zu hoffen wär allerdings, dass diese herrliche Ruhe-Oase nicht von heute auf morgen vom Massentourismus überfallen wird. Wäre so schade um die Natur in dieser rauen Gegend. Es müsste halt ein sensibler Mittelweg gefunden werden. Einer, der den Leuten halbwegs gutes Einkommen sichert, aber die herrliche Landschaft nicht zusätzlich verschandelt, denn die gerade nicht so umweltfreundlichen Griechen tragen da selbst einiges dazu bei. Aber; Ikaria, wir kommen sicher wieder!

>Die Griechen sollen ihre Inseln verkaufen<

eigentlich haben wir sie schon bezahlt

Die GRiechen sollen überhaupt nichts verkaufen ihr tollen Pazifisten

die sollen aus dem EURO aussteigen das hätten sie sofort machen sollen dann hätten einige vertrottelten deutschen und französischen banken ihre Unabhängigkeit verloren und das wärs gewesen, je länger sie damit warten um so harscher wird die Katastrophe.

Diese "Richtigstellung" ist lächerlich, weil die Zeitungsmeldung vom Beitritt der Insel von vornherein als Spaßmeldung gedacht und auch so rübergebracht wurde.

Wenn der Standard als mahnendes Qualitätsmedium auftreten will, sollte er diese Haltung an passenderer Stelle einnehmen.

Von Zausl, eigentlich betörendem Rauch:

irgendwie schade. wäre gerne mal zum nö-verkehrsverbundpreis rübergejettet. hätte mir dann auch ein paar quadratmeter felsigen geländes zum hausbau erworben und gleich ein paar hubschrauberladungen erde geordert, um mir paradeiser, zucchini und konsorten anzubauen. irgendwie schade.
bin nach wie vor überzeugt davon, daß man daraus was gescheites hätte machen können...

Was machen wir nun mit Kärnten? Vielleicht hätte Deutschland ja Interesse...gerüchterweise wünschten sich manche Kärnter ja, dass sie wieder...

Klar doch, Kärnten an die BRD

Tirol schießt sich mit Südtirol Ladinien undTentino zur Europa Region zusammen

Salzburg wird ein unabhängiger Staat , die Steiermark so und so und den rest kann das Kaspertheater dann von Wien aus regieren

und dann sind wir aufgewacht

um nix in der welt würd ich die kärntner seen missen wollen. einige meiner besten freunde sind kärntner - alles keine orange/blau-wähler.

sollte tatsächlich in wien der blauäugige hampelmann 30% einfahren, würd ich auch nicht wollen, dass deswegen alle wienerInnen in seinen topf geworfen werden. man bedenke, mehr als die hälfte der kärntnerInnen haben die würschtln NICHT gewählt!

also bitte endlich aufhören mit dem bledsinn, es ist nicht mehr lustig.

brüderliches Teilen

die einen nach Germania, die anderen nach Slovenija ;-)

Wie originell!

Jetzt haben wir schon alle uns mit der Idee angefreundet und jetzt soll nichts draus werden?
Ich bin dafür das unsere Fallschirmspringer gleich morgen die Insel annektieren. Griechenland wird sich nicht erlauben deshalb einen Krieg anzuzetteln weil sie immer noch auf Geld von Österreich hoffen. Und die paar Einwohner werden sich schon noch an Schnitzel und Apfelstrudel gewöhnen.

wie sollen die fallschirmspringer bitte dorthin? mit der aua? oder hat österreich neuerdings gutes fluggerät das auch so weit fliegt?

Das wäre in Anbetracht, dass unsere Fallschirmspringer

das im Auftrag der Wehrmacht vor 60 Jahren taten ein wenig kritisch.

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