Gute Ernte bringt Bauern höhere Einkommen

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    grafik: apa

Realeinkommen je Arbeitskraft stieg um 34 Prozent auf 23.485 Euro, Vorkrisenniveau wurde noch nicht erreicht

Wien - Österreichs Bauern und Bäuerinnen können auf ein erfolgreiches Jahr 2011 zurückblicken. Das durchschnittliche Einkommen einer nicht entlohnten Arbeitskraft - das sind überwiegend Familienangehörige - ist im Vorjahr auf 23.485 Euro gestiegen, ein Plus von 34,1 Prozent. Österreichs Bauern würden allerdings weiterhin am unteren Ende der Einkommensskala liegen, so der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski, am Donnerstag in einer Aussendung. Die Bauern gehörten noch immer zu den schwächsten Verdienern, so auch Bauernbundpräsident Jakob Auer in einer Stellungnahme.

Gute Ernte, höhere Preise

Der Einkommenszuwachs 2011 ist jedenfalls stärker, als die Statistik Austria zu Jahresende 2011 vorausgeschätzt hatte. Sie rechnete damals mit einem Plus von 12,2 Prozent. Der Zuwachs sei einerseits auf die gute Ernte bei wesentlichen agrarischen Produkten und anderseits auf die gute Preisentwicklung im Jahr 2011 zurückzuführen, teilte das Landwirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Trotz dieses Einkommenszuwachses sei es aber nicht bei allen Betrieben gelungen ist, die Einkommensrückgänge des Jahres 2009 auszugleichen.

Basis der Daten sind die Ergebnisse von 2.209 freiwillig buchführenden land- und forstwirtschaftlichen Betrieben. Diese weisen für 2011 je Betrieb eine durchschnittliche Einkommenssteigerung von real 28 Prozent auf 25.679 Euro auf.

Höhere Preise und Ertragsmengen

Verantwortlich für den Einkommenszuwachs im Jahr 2011 waren vor allem die höheren Preise und Ertragsmengen für Getreide, Öl- und Eiweißfrüchte sowie Stärkekartoffeln und Zuckerrüben, so das Ministerium. Die gestiegenen Erträge im tierischen Bereich seien vorwiegend auf den höheren Milchpreis und die vergleichsweise gute Preislage für Rinder und Schweine zurückzuführen. Die öffentlichen Gelder dagegen verringerten sich gegenüber 2010 geringfügig. Im Obstbau sei eine gute Ernte mit guten Preisen verkauft worden, auch im Weinbau habe gegenüber 2010 eine höhere Erntemenge mit guten Preisen zu höheren Einnahmen geführt. Und auch in der Forstwirtschaft habe der im Vergleich zum Vorjahr höhere Holzeinschlag im Zusammenhang mit höheren Preisen zu einer deutlichen Ertragssteigerung geführt. Im Durchschnitt aller Betriebe sei der Ertrag gegenüber 2010 um 15 Prozent gestiegen.

Der Aufwand lag im Durchschnitt aller Betriebe um acht Prozent über dem Vorjahreswert. Maßgeblichen Anteil an den gestiegenen Aufwendungen hatten Düngemittel, Futtermittel und Energie. Geringere Ausgaben gab es für Fremdkapitalzinsen. 

Dürre treibt Weizen- und Maispreise

Die anhaltende Dürre in den USA hat die Weizen- und Maispreise seit Ende Juni in die Höhe schießen lassen. Seit 22. Juni ist der Weizen-Future an der Pariser Warenterminbörse um 27 Prozent auf 261 Euro pro Tonne gestiegen. Der Maiskontrakt schnellte im gleichen Zeitraum um rund 36 Prozent auf knapp acht Dollar (6,51 Euro) je Bushel (rund 25 kg). Laut Wettervorhersagen ist ein Ende der Trockenheit im Mittleren Westen der USA nicht abzusehen. Analysten rechnen angesichts des Wetters mit Ernteschäden.

Starke Schwankungen zuletzt

In den letzten Jahren ist es bei den bäuerlichen Betrieben aufgrund der steigenden Volatilität bei den Preisen auf den Agrarmärkten zu starken Einkommensschwankungen gekommen. Eine Gegenüberstellung der Dreijahresmittel 2009 bis 2011 mit 2006 bis 2008 zeigt laut Ministerium deutlich, dass es trotz der gestiegen Einkommen in den Jahren 2010 und 2011 noch nicht gelungen ist, dass Einkommensniveau des Vergleichszeitraumes 2006 bis 2008 zu erreichen.

Die Agrarpolitik sei daher bestrebt, die Rahmenbedingungen für die bäuerlichen Familienbetriebe mit dem neuen EU-Finanzrahmen 2014 bis 2020 so zu gestalten, dass die Existenz der Betriebe und die nachhaltige Bewirtschaftung der land- und forstwirtschaftlichen Flächen auch für die Zukunft gesichert bleiben. (APA, 19.7.2012)

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