"Das System kann einen krank machen"

Interview | Rosa Winkler-Hermaden
19. Juli 2012, 13:59
  • Bernd Semrad arbeitet am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft: "Es ist kein 08/15-Job, ich würde es auch nie bloß als Beruf bezeichnen, es ist eine Berufung."
    foto: derstandard.at/pumberger

    Bernd Semrad arbeitet am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft: "Es ist kein 08/15-Job, ich würde es auch nie bloß als Beruf bezeichnen, es ist eine Berufung."

  • Über die Vorteile eines Massenstudiums: "Das ist Brainpower und nicht das technokratisch konnotierte Humankapital."
    foto: derstandard.at/pumberger

    Über die Vorteile eines Massenstudiums: "Das ist Brainpower und nicht das technokratisch konnotierte Humankapital."

  • Semrad über seine Lehrtätigkeit: "Wenn ich in der Lehre nicht tätig sein könnte, würde Wissenschaft für mich sehr viel an Wert verlieren."
    foto: derstandard.at/pumberger

    Semrad über seine Lehrtätigkeit: "Wenn ich in der Lehre nicht tätig sein könnte, würde Wissenschaft für mich sehr viel an Wert verlieren."

Universitätslektor Bernd Semrad über prekäre Arbeitsbedingungen, Willkür-Personalentscheidungen und Wissenschaft als Mehrwert

"Eine größere Diskrepanz zwischen gesellschaftlichem Ansehen und Verdienst gibt es wohl in keinem anderen Beruf", sagt Bernd Semrad. Er ist externer Lehrbeauftragter und Projektassistent am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Uni Wien. In dieser Situation, sagt Semrad, müsse man damit rechnen, zwischenzeitlich auch als "Working Poor" zu gelten. Für eine Lehrveranstaltung erhält man pro Monat gerade einmal 350 Euro netto. Dennoch brennt er für die Wissenschaft. Sein Schwerpunkt liegt auf der Kommunikationsgeschichte.

Warum er manche Uni-Netzwerke als menschenverachtend bezeichnet, ein Massenstudium riesige Vorteile bringt und es für ihn Forschung ohne Lehre nicht gibt, sagt Semrad im Interview mit derStandard.at.

derStandard.at: Wie sieht Ihre aktuelle Arbeitssituation aus?

Semrad: Ich bin externer Lehrbeauftragter seit 2005 und parallel dazu Projektassistent. Meine Arbeitssituation ist dennoch prekär. Bei meinem Forschungsprojekt handelt es sich um die Institutsgeschichte, die inhaltliche, strukturelle, personelle Geschichte des Instituts und eine Absolventenbefragung. Angedockt daran ist meine Dissertation, die sich mit Karl Kurth, dem ersten Professor für Zeitungswissenschaft in Wien, beschäftigt.

derStandard.at: Warum bezeichnen Sie Ihre Arbeitssituation als prekär?

Semrad: Es betrifft natürlich nicht nur mich, weil die Idealsituation für den wissenschaftlichen Nachwuchs nur einen recht engen Korridor darstellt: Man macht das Diplom, arbeitet als Lehrbeauftragter und in Forschungsprojekten mit. Im besten Fall hat man eine Vertragsassistentenstelle. Nach vier Jahren promoviert man, und vielleicht hat man dann eine Post-Doc-Stelle hier oder an einer anderen Uni. Dann geht man vielleicht in Richtung Habilitation. Von dieser Idealsituation sind wir aber weit entfernt. Denn es gibt natürlich viele Faktoren, die auch das normale, private Leben betreffen, Dinge, die man nicht so planen kann, die nicht dazupassen.

Zudem wurde meine Projektassistenten-Stelle über Drittmittel finanziert. Das stellt insofern eine prekäre Situation dar, als man ständig um die Mittel kämpft, anstatt dass man bei der Dissertation weitermacht. Man beherrscht die Antragsprosa, aber muss immer damit rechnen, dass der Antrag nicht durchgeht, weil die Forschungsförderung in den letzten Jahren massiv zurückgegangen ist. Das Problem ist, dass man in einer Work-Life-Balance um die 30 das alles integrieren muss. Dissertation, Lehre, Lebensplanung - alles kommt zusammen.

derStandard.at: Haben Sie immer schon eine Uni-Karriere angestrebt?

Semrad: Nein. Eigentlich wollte ich immer Werbung und PR machen. Ich habe schon vor dem Studium begonnen, journalistisch zu arbeiten. Insgesamt habe ich das dann sieben, acht Jahre lang gemacht. Ab dem zweiten Semester war ich aber schon Tutor bei Fritz Hausjell am Institut. Mich hat die Wissenschaft dann immer mehr interessiert. Ich habe Lehrveranstaltungen mitbegleitet, vorbereitet, auch beurteilt. So bin ich da hineingeschlittert.

derStandard.at: Und jetzt erleben Sie, dass junge Wissenschaftler durch die finanzielle Situation der Unis massiv gebremst werden.

Semrad: Nicht nur! Es gibt eine gläserne Decke, sie betrifft nicht nur Frauen, sondern den gesamten Nachwuchs. Durch das UG 2002 und das neue Dienstrecht sind die Laufbahnmöglichkeiten für Junge nicht besser geworden. Wenn das jemand behauptet, sind das Sonntagsreden von Professoren, Dekanen, Rektoren. Ich verwende bewusst die männliche Form. Es ist immer noch ein männlich dominiertes Geschäft. Sie können ziemlich willkürlich darüber entscheiden, wen sie fördern.

derStandard.at: Inwieweit ist man als junger Uni-Lektor auf Mentoren angewiesen? Schafft man es auch alleine?

Semrad: Man schafft alles alleine, weil man es ja kann. Um aber die Möglichkeit zu haben, das auch zu zeigen, braucht man Menschen, die einen auch fördern, die sagen, wir vertrauen auf dich, du kannst das. Es geht nicht nur um Qualifikation und Leistung, das ist alles Humbug. Es geht nach wie vor um Netzwerke. Das ist teilweise menschenverachtend. Die Vermittlung auf andere Stellen, auf andere Unis, etwa im deutschsprachigen Raum, das funktioniert zu guten Teilen über Seilschaften.

Das ist ja jetzt nichts Neues. Aber wenn eine gewisse Schieflage durch mächtigere Netzwerke entsteht und man immer wieder anrennt, zermürbt das. Und wenn dann private Krisen in dieser Qualifikationsmühle dazukommen, kann man schon zerbrechen. Das System kann einen krank machen.

derStandard.at: Es gibt aber wenig arbeitsrechtliche Absicherung.

Semrad: Man kann natürlich auch als Lehrbeauftragter in Krankenstand gehen, aber dann hat man im nächsten Jahr wohl keinen Lehrauftrag mehr.

derStandard.at: Wie viel verdient man?

Semrad: An der Uni Wien für einen Lehrauftrag circa 350 Euro netto im Monat. Ist man nicht auf einer fixen Stelle oder über Drittmittel finanziert, heißt das, dass man damit rechnen muss, zwischenzeitlich auch als "Working Poor" zu gelten. Und das als Nachwuchswissenschaftler.

derStandard.at: Wie ist das Verhältnis zwischen Forschung und Lehre?

Semrad: Für mich gibt es Wissenschaft ohne Lehre nicht, vor allem an der Universität nicht. Sonst geht der Anspruch einer Universität verloren. Ich sage nichts gegen Senior Lecturers, aber wenn Forschung und Lehre nicht integriert werden, dann ist der Anspruch der Universität ausgehöhlt.

Ich Sommersemester habe ich zum Beispiel zwei Lehrveranstaltungen gehabt, die ich bewusst nicht für meine Forschungszwecke missbrauche, was andere vielleicht schon machen. Das wissen auch viele Studierende. Lehre ist auch meines. Wenn ich in der Lehre nicht tätig sein könnte, würde Wissenschaft für mich sehr viel an Wert verlieren.

derStandard.at: Wie ist der Perspektivenwechsel gewesen zwischen Studierendem und Lehrendem an ein und demselben Institut?

Semrad: Interessant ist es, dass ich mich nach wie vor als Studierenden sehe. Ich bin immer noch wissbegierig und sehe mich mit den Studierenden auf Augenhöhe. Das lebe ich auch. Gemeinsam kann man das Feuer besser entfachen, als wenn ich als Lehrender exponiert bin. Sehr viele Lehrende sind mit wenig Leidenschaft dabei - das kann ich nicht beurteilen, aber das berichten mir Studierende.

derStandard.at: Publizistik ist ein Massenstudium - wie eng ist der Kontakt zu Studierenden?

Semrad: Viele Studierende suchen sehr bewusst den Kontakt. Man darf Masse nicht gleichsetzen mir einer gleichförmigen Masse. Studierende wollen ja auffallen, wollen etwas wissen. Nicht als Streber, sie wollen sich ein Profil verpassen. Dieses Semester sind mir wieder einige aufgefallen, die durchaus das Zeug hätten, in die Wissenschaft zu gehen. Ein Massenstudium hat Riesenvorteile, man hat einen großen Pool an Köpfen. Das ist Brainpower und nicht das technokratisch konnotierte Humankapital.

derStandard.at: Würden Sie jungen Kollegen raten, eine wissenschaftliche Karriere zu machen?

Semrad: Man ist sehr gefährdet. Du musst in einer unglaublichen Qualifikationsmaschinerie leben, musst einem Riesendruck standhalten. Es ist kein 08/15-Job, ich würde es auch nie bloß als Beruf bezeichnen, es ist eine Berufung. 

Ich habe auch lange überlegt, ob ich das wirklich weiterhin machen will. Die Antwort war Ja. Nicht nur, weil ich viel Zeit investiert habe, sondern weil ich mehr, am besten alles wissen will. Doch wenn ich Geld verdienen wollte, würde ich keine wissenschaftliche Karriere anstreben. Man verdient als Wissenschaftler nicht viel. Eine größere Diskrepanz zwischen gesellschaftlichem Ansehen und Verdienst gibt es wohl in keinem anderen Beruf.

derStandard.at: Die Hochschulforscherin Elke Park hat in einem Interview gesagt, viele Jungakademiker müssten sich ihr Dasein, ihre Gelder aus Lehraufträgen, Kurzprojekten zusammenschustern, um irgendwie über die Runden zu kommen. Ist dieses Bild zutreffend?

Semrad: Das unterschreibe ich. Das ist absolute Patchwork-Arbeit. Man macht kleine Projekte, um sich die Wissenschaft zu finanzieren. Das darf es aber nicht sein. Das ist ein Riesenfehler im System. Ich sage nicht, dass die Menschen schwach sind, die an dem System scheitern, sondern das System ist krank.

derStandard.at: Haben Sie schon einmal daran gedacht, die wissenschaftliche Karriere an den Nagel zu hängen?

Semrad: Ja.

derStandard.at: Warum haben Sie sich dann dagegen entschieden?

Semrad: Weil ich dem zu viel Leidenschaft entgegenbringe. Wissenschaft hat einen Selbstwert, aber auch einen Mehrwert. Gerade in einer Gesellschaft, die notorisch wissenschaftsfeindlich ist wie die österreichische, muss man etwas dagegen tun. Das ist meine Form des Widerstands gegen viele Versuche, auch Wissenschaft mundtot zu machen.

Vielleicht ein Beispiel: Ich war schon vor über zehn Jahren Mitglied einer Initiative für die Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Rings. Jetzt freut mich die Umbenennung natürlich, man denkt sich, man hat einen kleinen Mosaikstein dazu beitragen können.

derStandard.at: Sie haben zuvor die Vorteile des Massenstudiums genannt. Immer häufiger gibt es aber Bestrebungen, den Zugang zum Studium zu reglementieren. Was halten Sie davon?

Semrad: Aus ideologischen Gründen bin ich gegen jegliche Zugangsbeschränkung, jeder der studieren will, soll dürfen. Wir würden viele helle Köpfe dadurch verlieren, dass sie nicht studieren können. Allerdings, wenn die Universität einen Beitrag dazu leisten soll, Herrn Töchterle oder die Republik Österreich dazu zu nötigen, neben dieser Hochschulmilliarde einen zusätzlichen, absolut notwendigen Beitrag zu leisten, die Wissenschaft auszubauen, dann sollen Studiengebühren eingeführt werden. Ich habe immer wieder unter meinen Studierenden gefragt, weil ich dieses Stimmungsbild haben will: 90 Prozent sind dafür, weil sie dann bekommen, was sie wollen: den Platz. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 19.7.2012)

Bernd Semrad (36) besuchte eine HTL für EDV und Organisation. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien und schreibt derzeit seine Dissertation. Seit dem Wintersemester 2005/06 ist er Lehrbeauftragter und wissenschaftlicher Mitarbeiter. Im vergangenen Sommersemester hielt er zwei Lehrveranstaltungen. Eine Übung im historischen Bereich, in der Semrad eine Methode vermittelte, die in der Kommunikationswissenschaft sehr wenig gelehrt wird: lebensgeschichtliche Interviews. In der zweiten Lehrveranstaltung, einem Forschungspraktikum, ging es um Kabarettisten als Wutbürger.

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ich in seit 20 Jarhen externer Lektor,

kenne viel KollegInnen in der selben Position udn darf dazu folgendes sagen:
Mythos Nr. 1 - Nachwuchs? Es betrifft keineswegs nur den "Nachwuchs". Externe sind in allen Altersklassen zu finden
Mythos Nr. 2 - Es handelt sich um KollegInnen mit noch geringer Qualifikation, keineswegs, es gibt externe Lektoren, so wie mich, mit Habilitation

Das System macht krank

Das System macht krank. Das zeigen ja schon lange die Krankheitsstatistiken.
Das erZIEHerische Grundprinzip ist DRUCK. Wir leben sozusagen in dem Wahn, mit Sogwirkung zu drücken. Dass unter Druck nichts wächst, demonstriere ich in der Ich-kann-Schule, indem ich einen Stein auf den Rasen lege. Jeder weiß, dass dann das Gras darunter eingeht.
Mit Druck kann man auch nicht lenken. Der Bauer weiß das, drum spannt er die Pferde nicht hinter sondern vor den Wagen. Wann wird es sich in der Wissenschaft herumsprechen?
Freundlich grüßt
Franz Josef Neffe

Der Mann ist unangenehm - kann nicht mal Latein (deshalb hat er auch das einzige Studium im geisteswissenschaftlichen Bereich ohne Latinum gewählt), ist relativ gut aufgestellt und vernetzt, aber jammern tut er, weil nicht schon Habilitation und Hausprofessur auf ihn warten. Er denkt und benimmt sich wie ein HTL-Mensch, nach wie vor. Dissertation mit 36 finde ich sehr gut, das macht insofern wirklich Sinn, als er es ernst meint und es immer gut ist, sich geistig zu betätigen und dabei vielleicht auch noch was Gscheites zu produzieren. Nur: Der ist weder systemkritisch noch sonderlich ambitioniert, der will einfach nur ein Stück vom Uni-Kuchen, und das möglichst garantiert. Das macht ihn unsympathisch.

Publizistik / KoWi ist keine Geisteswissenschaft.

Der Rest Ihres Postings ist auch nicht grade lesenswert.
Kennen Sie Herrn Semrad so gut, dass Sie fundiert sein Denken, Handeln, seine Einstellung und seine Motivation beurteilen können?

finde ich interessant

das er glaubt das wissenschaftler hierzulande ein gesellschaftliches ansehen haben..........kann man davon ausgehen das man mit 36 endlich seine arbeit fertiggeschrieben hat. ich bin ein jahr jünger als er und arbeit seit 9 jahren in einem betrieb, wie groß ist mein gesellschaftlicher beitrag(nämlich in steuern gerechnet) und wie groß ist seiner.

damit ihre argumentation aufgeht, darf dieser betrieb nichts verwenden, verwerten oder anderwertig benützen, das einen wissenschaftlichen bezug hat. schätze daher, sie betreiben ackerbau mit einem holz-pflug und rind.

rindsviecher

gibts bei mir zuhauf............also ja

Was verstehen Sie unter "Gesellschaft"?

ja, das ist genau die Art von Meinung die Herr Semrad in dem Interview als Klotz am wissenschaftlichen Bein angeprangert hat.

als ich bin mir sicher, es gibt hier im forum genug leute in ihrem alter, die einen lehrberuf ergriffen haben und bereits 20 jahren steuern zahlen. wie groß ist deren gesellschaftlicher beitrag (in steuern gerechnet) im vergleich zu ihrem?

@wunderbare welt: sie scheinen ja wirklich viel ahnung von der welt an der uni zu haben. besser nicht mitreden, wenn mensch nur von seinen eigenen erfahrungen (neun jahre zahl ich schon brav steuern-glauben sie denn der interviewte hat keine steuern zu zahlen - augen überdreh) sprechen kann. das was in diesem artikel beschrieben wird ist die realität. leider...

kopplungen und korrelationen

die aussage, dass forschung und lehre nicht entkoppelt werde dürfen (was ich unterstreiche) geht mit der aussage, dass er die studenten nicht für "forschungszwecke missbraucht" nicht zusammen. entweder man macht reale forschung auch in seminaren, mit studierendengruppen oder lehre und forschung sind eben nicht gekoppelt. voraussetzung ist dann aber freilich, dass man reale projekte und themen hat.

falsch ist auch, dass leistung und netzwerk hier fast dichotom gesetzt werden. wenn kollegen/innen einen vortrag auf einer tagung gut finden und sich dann für den weiteren verlauf von projekten interessieren, wenn für projekte gemeinsame ideen entstehen. leistung ist oft voraussetzung für netzwerk. kein automatismus, aber ein klarer zusammenhang

"wenn kollegen/innen einen vortrag auf einer tagung gut finden und sich dann für den weiteren verlauf von projekten interessieren"

Das läuft so aber nirgendwo. Die "KollegInnen", von denen Sie schreiben, sind potenzielle Konkurrenten für die nächste Stelle. Diese denken nicht daran, Sie zu fördern. Netzwerke entstehen dadurch ebenfalls nicht. Die wirklichen Netzwerke sind meist bereits vorhanden und haben mit Leistung, Publikationen oder Vorträgen so gut wie überhaupt nichts zu tun.

ich denke, damit ist wohl eher gemeint, dass er die studierenden nicht als versuchskaninchen verwendet, wie es viele andere tun.

das aktive gemeinsame forschungssetupen wird er als externer Lehrender wohl - leider - kaum beeinflussen oder machen können...

das forschung und lehre hand in hand gehen gibt's leider nur noch ganz selten.

Es ist interessant, dass auf fast jedem Uni-Institut so jemand herumlaeuft. Meist (objektiv) besser als die anderen, Liebling des Vorstands oder Gruppenleiters und trotzdem bei geringer Bezahlung und guter Leistung unendlich weit von der Diss entfernt. Der Fehler liegt nicht (nur) beim Staat sondern vor allem gleich in der Naehe. Der Prof liebt fuer gewoehnlich die billige Arbeitskraft - und wenn sie engagiert ist umso besser. Da werden Dissertationsthemen erweitert oder abgeaendert um am neuesten Stand der Wissenschaft zu bleiben etc. nur damit man erhalten bleibt und er/sie freut sich aufgrund der Verantwortung auch noch. Der Prof macht sich derweilen einen Lenz.

sehr richtig. Die wirklich guten Professoren erkennt man auch daran, dass sie nicht in diese Falle tappen und darauf achten dass Dissertanten nicht ausgenützt werden.

The Great Stagnation

Das Problem unserer Zeit ist die Stagnation. Tyler Cowen beschreibt das in seinem Buch "The Great Stagnation" sehr gut. Wir sitzen auf einem Plateau und warten auf den nächsten großen Technologiesprung. Die großen Firmen von heute (google, facebook etc.) haben kaum Arbeitsplätze geschaffen. Unsere Gesellschaft kann damit aber nicht umgehen, wir streben noch immer nach den falschen Dingen....

Kann mir der Forenmob, der Herrn Semrad hier in der Luft zerreisst, bitte eine Frage beantworten: Warum seid ihr eigentlich so verdammt wuetend auf den Mann? Hat es womoeglich etwas mit persoenlicher Enttaeuschung zu tun?

Ein überwiegender Teil der Kritik

richtet sich mE nicht an den Interviewten, sondern an das Interview bzw die Journalistin:

Ein Lehrauftrag ist keine Vollzeitstelle, kann keine Vollzeitstelle sein, und ist nicht als Vollzeitstelle an der Uni geplant. Insofern ist Herr Semrad die falsche Ansprechperson wenn es um "Uni-Mitarbeiter-Prekariat" geht.

Ein Lehrauftrag ist keine Vollzeit-Stelle, und das ist ja genau das Problem! Lehrbeauftragte müssen ein, zwei andere Jobs zusätzlich machen, um über die Runden zu kommen - wenn das nicht Prekariat ist, was dann?

Es ist schlicht und einfach nicht als Vollzeit-Job gedacht

Vollzeit mit Lehrverpflichtung gibts schon - nennt sich Assistent oder Professor.

Lehrbeauftragter ist kein Vollzeitjob. Darum ist Ihre Aussage "Lehrbeauftragte müssen ein, zwei andere Jobs zusätzlich machen, um über die Runden zu kommen" mE nicht richtig, weil sie impliziert, dass Lehrbeauftragter ein Vollzeitjob wie jeder andere wäre.

Berechtigt wäre die Kritik dann, wenn man Vollzeit verpflichtetem Personal nur 350 im Monat zahlt!

ich verstehe Ihren Einwand. Andererseits ist aber eben auch gerade das Problem, dass Vollzeitstellen als Assistent oder Professor so verdammt rar sind, was viele dazu zwingt, sich mit Teilzeit- oder Kurzzeitstellen herumzuschlagen. Und die Unis profitieren von der Forschung und Lehre dieser Mitarbeiter, die nebenher kellnern gehen müssen, damit sie sich den Luxus einer wissenschaftlichen Tätigkeit leisten können. Und das ist schon nicht ok.

klingt jetzt vielleicht hart - aber

dann muss man sich was anderes suchen. Wer in die Wissenschaft will, sollte ohnehin immer einen Plan B in der Tasche haben.

Ja, aber wenn sich die alle was anderes suchen, bricht das System zusammen.

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