Dessous aus dem Mittelalter in Tirol gefunden

  • Ein Archäologenteam der Universität Innsbruck hat im Jahr 2008 im Zuge von Renovierungsarbeiten auf Schloss Lengberg bei Nikolsdorf in Osttirol vier Büstenhalter aus der Zeit des Spätmittelalters gefunden.
    foto: apa/beatrix nutz/instiut für archäologien

    Ein Archäologenteam der Universität Innsbruck hat im Jahr 2008 im Zuge von Renovierungsarbeiten auf Schloss Lengberg bei Nikolsdorf in Osttirol vier Büstenhalter aus der Zeit des Spätmittelalters gefunden.

  • Auch Unterhosen befinden sich unter den entdeckten Textilfragmenten.
    foto: apa/beatrix nutz/instiut für archäologien

    Auch Unterhosen befinden sich unter den entdeckten Textilfragmenten.

2008 bei Renovierungsarbeiten entdeckt - Büstenhalter im Mittelalter glichen frappierend den heutigen

Innsbruck - Es sieht so aus, als müsste die Geschichte der Dessous in einigen wesentlichen Kapiteln neu geschrieben werden. Bisher war man der Ansicht, der BH sei eine Entwicklung des 19. Jahrhunderts. Umso größer war die Überraschung über Entdeckungen in Tirol vor vier Jahren, die nun endgültig datiert werden konnten: Ein Archäologenteam der Universität Innsbruck hat im Jahr 2008 im Zuge von Renovierungsarbeiten auf Schloss Lengberg bei Nikolsdorf in Osttirol vier Büstenhalter aus der Zeit des Spätmittelalters gefunden. Nunmehr stehe durch an der ETH-Zürich abgenommene Proben fest, dass die Stücke ungefähr im Zeitraum zwischen 1440 und 1485 getragen wurden, erklärt die Archäologin Beatrix Nutz.

Auch durch eine Altersbestimmung mittels der C14-Methode (Radiokohlenstoffdatierung, Anm.) sei man laut Nutz zu diesem Schluss gekommen. "Wir haben zunächst selber nicht daran geglaubt und haben es für unmöglich gehalten, dass so etwas bereits im Mittelalter getragen wurde", meinte die Archäologin. Bisher sei man davon ausgegangen, dass Büstenhalter erst vor rund 100 Jahren erstmals verwendet worden seien, und Frauen im Mittelalter "Unterkleider aus Leinen" trugen, erklärt Nutz.

Frappierende Ähnlichkeit

Zwei der Büstenhalter seien nicht mehr komplett erhalten, gleichen aber frappierend heute verwendeten Teilen. Die beiden anderen Funde würden wie "ärmellose Hemden mit eingebauten Körbchen" aussehen, berichtet die Wissenschafterin.

Insgesamt habe man im Schutt einer Gewölbezwickelfüllung der Decke zwischen erstem und zweitem Obergeschoß über 2.700 Textilfragmente entdeckt. Darunter befand sich auch eine Männerunterhose aus demselben Zeitraum. "Wir werden nicht bei allen sagen können, was es war. Aber mindestens 20 Stücke werden wir ungefähr rekonstruieren können", sagt Nutz.

Unter anderem verfüge man über Teile von Hemden und Kleidern sowie über Halsausschnitte von Hemden. Nutz kündigt an, im Jahr 2014 eine wissenschaftliche Publikation unter dem Titel "Unters Kleid geguckt. Die Textilien aus der Zwickelfüllung von Schloss Lengberg" veröffentlichen zu wollen. (APA/red, derStandard.at, 19.7.2012)

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das wirft unsere vorstellung der kleidung im spätmittelalter aber ziemlich durcheinander. hochinteressant!

Wenn man genau hinsieht, steht beim BH am Markerl "nur Handwäsche".

Man merkt, dass Sommerzeit ist.

Wieso: Diese Neuigkeit ist eine

echte Sensation!

Na klar, wenn man die Fotos genau betrachtet hatten die damals auch schon gute Ösen.

Sieht mir eher nach eine Zeitreisenden aus die im Mittelalter gelandet ist und sich die heutige Unterwäsche nachgebastelt hat...

So hocherotisch...

...kann Archäologie sein! Sehr schön!

Da geht insbesondere den Herren Archeologen sicher ein Achterl ab, wenn (selbstverständlich rein professionell) erregt das letzte Stäubchen vom B-Körberl wedeln.

Da hat eine Zeitreisende schlecht aufgepasst.

...da hat doch glatt jemand den Wäschetrockner mit dem Fluxgenerator verwechselt..;)

eher verwahrloster Haushalt

Die Körbchengröße

..der Tirolerinnen hat sich kaum verändert ;-)

verschwendete Forschungsgelder, meines Erachtens!

Kommt noch eine Begründung oder ein Argument?

Als Chemiker sage ich

okay, wenn die ETH Zürich das per C14 auf 45 Jahre eingrenzen kann, ist das natürlich ein sehr starkes Argument für das Alter.

Als kunsthistorisch interessierter Laie halte ich die Datierung aber trotzdem für äußerst unwahrscheinlich. Und zwar, weil es bisher keinen einzigen Hinweis auf Unterwäsche dieser Art aus jener Epoche gegeben hat. Und weil Stil und Form so gar nicht in das 15. Jhdt. passen.

Kontaminierte Proben? Irgendein anderer, für den speziellen Fundort denkbarer Prozess, der dieses Alter nur vortäuscht?

Als Chemiker sage ich, dass bei einer Kontamination, welche nicht nachgewiesen und beseitigt wurde, der Fund noch älter sein müsste.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Staub oder sonst was mehr als ein Jahrtausend alt ist, das Zeug verunreinigt und nicht zu sehen ist. Ob Mumien, Asche, Holz oder Textil. Keine Probe kommt sauber ins Labor. Diese Leute sind sehr erfahren mit solchen Proben und wissen, wie man Proben aufbereitet, um ein stimmiges Ergebnis zu bekommen.

Keinen Hinweis? - Auf die Unterhosen schon. Es gibt mittelalterliche Gemälde, wo solche Stücke dargestellt sind, gerne in Märtyrerszenen.
Märtyrerinnen im BH gibt es nicht, das ist richtig, aber das lag mehr am Darstellungskodex.

Und Apple lässt sich das Design morgen als "innovativ und benutzerfreundlich" patentieren, weil sie schlau genug sind, zu wissen, dass das in den USA sogar durchgeht. ;-)

C14 ist ein starkes Argument.

ETH hat einen guten Ruf.
Ihre Meinung als interessierter Laie in Ehren, aber es wird sich doch in den Chroniken feststellen lassen, ob im 20. Jahrhundert dort Bauarbeiten waren.

sind sie der wonderbra-experte?

Ich find das Wonderbra...

Wurde auch eine Bremsspur gefunden?

Glauben Sie, damals hat es die Zimtkrankheit schon gegeben?

(Sie wissen ja: Ich habe Zucker. Wieso? Weil ich einen weissen Strich in der Unterhose habe. Oje, dann habe ich Zimt.)

nein, weil die untergatschi schon die längste zeit nur noch als tschurifetzn in verwendung war...

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