Kunst und Recht: SPÖ auf Piraten-Kurs?

Kommentar der anderen | T. Dürrer, C. Kolonovits, K. Markovics, G. Ruiss, 18. Juli 2012, 18:54

Divergierende Äußerungen führender SP-Funktionäre in der Diskussion um die Festplattenabgabe machen manche Künstler ratlos, aber nicht wortlos

Die SPÖ gibt sich gerne kulturnah. Doch die aktuelle Diskussion um die Festplattenabgabe zeigt, wie gespalten die Sozialdemokratie in ihrer Haltung gegenüber den Kunstschaffenden ist - und wie leichtfertig manche Funktionärinnen und Funktionäre diese Beziehung aufs Spiel setzen.

Das Erstarken der Piratenpartei stellt Österreichs Sozialdemokraten natürlich vor eine schwierige Herausforderung, keine Frage. Wie sollen die Parteistrategen sicherstellen, dass die Piraten mit ihrer Vision eines rechtefreien Internets bei den kommenden Wahlen nicht zu einem Problem werden? Manche Sozialdemokraten schlagen dazu die Strategie ein, die SPÖ auf Piraten-Kurs zu bringen. Damit wollen sie offensichtlich der neuen Konkurrenz bei Wählern den Wind aus den Segeln nehmen.

So stellt sich die für Kulturpolitik zuständige SPÖ-Nationalrätin Sonja Ablinger gleich in mehreren Fragen gegen die Anliegen der Künstlerinnen und Künstler. In ihrem Positionspapier "Blogger aller Länder ...?" spricht sich Frau Ablinger dagegen aus, dass Kunstschaffende ihre Rechte als Urheber durchsetzen können. Kunstschaffende sollen freiwillig auf einen legitimen Teil ihrer Einnahmen verzichten, nur weil es technisch möglich geworden ist, das lästige Bezahlen der Leistung zu umgehen.

Den gleichen Piraten-Kurs schlägt die Kultursprecherin beim aktuellen Thema Festplattenabgabe ein. Gemeinsam mit der Arbeiterkammer, die unter ihrem Direktor Werner Muhm gerne die Nähe zur Kunst sucht, lehnt sie eine faire Abgeltung der Privatkopie künstlerischer Werke ab, die in Österreich im Jahr 1980 als "Leerkassettenvergütung" ausgehandelt wurde. Diese Form der Urheberrechtsabgabe ist an das Recht der Konsumenten auf privates Kopieren gekoppelt. Dass legal erworbene künstlerische Werke auch von Familienmitgliedern und dem engsten Freundeskreis ohne zusätzliche Bezahlung genutzt werden können, wird mit dieser Pauschalabgabe auf Leermedien bezahlt. Das eine gibt es nur mit dem anderen.

Die Ausdehnung der Leerkassettenvergütung auf Festplatten ist ein logischer Schritt, weil heute kein Mensch mehr auf Kassetten und kaum noch auf CDs oder DVDs kopiert, sondern nahezu alles auf Festplatten gespeichert wird. Wenn die Leerkassettenvergütung nicht auf zeitgemäße Speichermedien angewendet wird, dann muss konsequenterweise auch das Recht auf Privatkopie beendet werden.

Der Preis pro Festplatte ist nur ein kleiner Beitrag für den Einzelnen, der weder dem Handel noch den Konsumenten schadet: Die durchschnittlich 15 Euro pro Festplatte bringen jährlich 10 Mio. Euro - für mehr als 20. 000 bildende Künstlerinnen und Künstler, Musik- und Filmschaffende sowie Literatinnen und Literaten ist das eine unverzichtbare Einnahmequelle.

Auf der anderen Seite der SP-internen Diskussion stehen SP-Kulturministerin Claudia Schmied und SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny: Sie stellen sich hinter die Kunstschaffenden und treten für die Festplattenabgabe ein, weil sie die kulturpolitische Bedeutung dieser Abgabe erkennen.

Die SPÖ steht vor einer weitreichenden Entscheidung: Sie kann entweder die Kunstschaffenden unterstützen, damit sie von der massenweisen Missachtung ihrer Rechte weniger in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht werden. Oder sie kann sich gegen die Künstlerinnen und Künstler stellen, um Anonymus-Sympathisanten für sich zu gewinnen. Die beiden Haltungen sind jedenfalls nicht vereinbar.

Ob sich Ministerin Schmied und Stadtrat Mailath-Pokorny mit ihrer Haltung durchsetzen, ist offen. Am Ende dieses Prozesses werden Österreichs Kunstschaffende wissen, wie wichtig der SPÖ unter ihrem Parteivorsitzenden Werner Faymann die Beziehung zur Kunst tatsächlich ist.

In den Reihen der Kunstschaffenden bildet sich im Vorfeld dieser Entscheidung schon Unruhe: Bereits 2700 österreichische Künstlerinnen und Künstler haben sich zur Initiative "Kunst hat Recht" formiert, um auf das Recht auf faire Bezahlung künstlerischer Leistung aufmerksam zu machen.

Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer hat das Recht, für Leistung angemessen entlohnt zu werden. Nichts anderes fordern wir Kunstschaffende. Die Festplattenabgabe ist ein richtiges und zeitgemäßes Instrument dafür. Kunst hat Recht. (Thomas Dürer, Christian Kolonovits, Karl Markovics, Gerhard Ruiss, DER STANDARD, 19.7.2012)

THOMAS DÜRRER ist leitender Referent bei der Gewerkschaft für Gemeindebedienstete, Kunst, Medien, Sport und freie Berufe.

CHRISTIAN KOLONOVITS ist Komponist.

KARL MARKOVICS ist Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor.

GERHARD RUISS ist Autor und Musiker.

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Herr Eckert klaut, Frau Wicho ist zornig

Auf seiner Homepage mit unklarem Zweck bietet ein Mitarbeiter des Bundesrechenzentrums unter anderen Gratis- und Kaufangeboten Psychotests an. Zumindest einer dieser Tests war geklaut. Es betrifft nicht nur Künstler, sondern alle Kreativen.

Mehr unter: http://gesudere.at/blog/?p=4798

„Der wahre Künstler verachtet sein Publikum”

(T. Kammerhofer)

SKE-Förderungen

Jahresbericht 2011, Punkt 5.1, allgemeine Förderungen.
€ 21.257,93 für The SKILLS Group. Das sind jene, die Artikel wie die obigen verfassen und lancieren, und zuständige MinisterInnen weich klopfen sollen. Wie auch immer. Graf Ali lässt grüßen.
Toller Methoden bedient ihr euch da, liebe KünstlerInnen. Lobbying-Agentur, Pro-ACTA, Haftstrafen für jugendliche Filesharer, Deep Packet Inspection, Überwachung total.
Kunst hart rechts, statt Kunst hat recht...

Unglaublich, für welch Demagogie sich die drei Herrschaften hergeben

Das SPÖ-Positionspapier liest sich nämlich völlig anders, als in diesem Propaganda-Artikel dargestellt.

" Einkommenssituation von Kreativen stärken: Das Urheberrecht wurde in den vergangenen Jahrzehnten in manchen Bereichen in der Praxis mehr und mehr zu einem „Industrieschutzrecht“ und diente immer weniger dem Schutze der Interessen der Kreativen. Deshalb ist es zentral, dass sich Veränderungen am Urheberrecht auch zu Gunsten der Kreativen auswirken. Dies ist nicht mit einer Ausdehnung der Dimensionen des Urheberrechts gleichzusetzen. "
http://stream.klub.spoe.at/netzpolit... papier.pdf

Diesen Artikel hat eine Lobbying Agentur für die Verwerter geschrieben, und nicht die Künstler. Hoffe ich zumindest...

Urheber VERTRAGs (!) Recht

Dazu benötigen wir ein Urheber-Vertragsrecht, und genau das fordert die SPÖ in diesem Positionspapier auch [Seite 14]. Endlich! Wir Urheber verlangen dieses Recht schon seit Jahrzehnten - vergeblich!

Wünschenswert wäre auch eine zutreffende Differenzierung zwischen Vermarktern und Verwertungsgesellschaften. Sonst geht die Debatte leicht am Thema vorbei.

Diskussion beendet

„Rechteverwerter betrügen Komponist des Anti-Piracy-Clips um 160.000 Euro” > http://pwny.biz/vP

Die Strategie dieser Initiative ist mehr als eigenartig

Gibt es doch da das Sprichwort "Man soll nicht am Ast sägen, auf dem man sitzt". Einerseits will die Initiative, dass eine SPÖ Ministerin sie unterstützt und andererseits pinkelt sie der Partei aufs Bein, von der genau diese Ministerin Mitglied ist. Sehr eigenartig

Ich kann in dieser keine Strategie erkennen, die zu dem Ziel führen soll, dass diese Initiative erreichen möchte.

Einen Künstler würde ich natürlich nicht mit einem Arbeitnehmer vergleichen sondern mehr mit einem Selbständigen. Jemand, d selbständig tätig ist, muss nämlich auch selber für sein Gehalt sorgen, weil er meist Produkte schafft, für die er erst einen Markt schaffen muss. Und ein Selbständiger kann auch nicht einfach ein Gehalt einfordern, nur weil er jetzt arbeiten.

Künstler sehen sich selbst gerne

als Avantgarde oder zumindest am Puls der Zeit.
Wenn man sich die zustimmenden Postings in dieser verunglückten weil von Anfang an unsachlich eingefädelten Diskussion anschaut, ergibt sich aber ein anderer Eindruck. Nämlich der, dass viele in dem in ihrem Garten als Gartenhäuschen aufgestellten alten Eisenbahnwagen einen erstklassigen Bremser abgeben würden ;-)

Vorschlag zur Güte: allgemeine Kulturabgabe!

Wird von jedem Haushalt erhoben und ersetzt sowohl die ORF-Gebühr als auch die Festplattenabgabe. Aufteilung entsprechend der Bedeutung kultureller Produkte für die Allgemeinheit:

- google 25%
- Wikipedia 25%
- Tierschutzheim (stellvertretend für die beliebten Katzen- und Hundevideos): 25%
- Verband der Pornographen: 24.5%
- Gut vernetzte Staatskünstler: 0.5%

Damit müsste doch jeder leben können, oder?

Und dann?

Die Diskussion dreht sich munter weiter im Kreis. Ja, Kunst braucht ein starkers Urheberrecht und Künstler sollen mit ihrer Kunst Geld verdienen können, wenn sie Erfolg beim Publikum haben. Insofern könnte man sogar einer Festplattenababe zustimmen. WENN. Wenn gleichzeitig Kunst und Politik beginnen, dem Konsumenten POSITIV den Wert der Kunst (inhaltlich wie monetär) zu vermitteln. Nicht besserwisserisch, nicht mit erhobenem Zeigefinger, nicht weinerlich, sondern offen und auf der Suche nach NEUEN Modellen FÜR das Urheberrecht. Im eigenen und im Interesse der Konsumenten. Denn Kunst hat möglicherweise Recht. Bringt nur nichts. Denn Recht haben, Recht bekommen und Recht haben und etwas bekommen sind nun einmal verschiedene Dinge.

Im Besitzstandswahren ist die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten - ...

... eine der vier apokalyptischen Reiterinnen neben dem öffentlichen Dienst, Post und Bahn beim Verteidigen wohlerworbener Rechte bis zum Staatsbankrott - ein berufenes Zugpferd, während man vom Komponisten längst Besseres gehört hat und der Schauspieler ohne Filmförderung kaum die öffentliche Wahrnehmungsgrenze überschreiten dürfte, unter der der Autor in diesem Viergespann sein Schaffen konsequent zu verbergen scheint.

Der Karren - mit Gebetsmühlen beladen - liegt nur schon längst im Graben neben der Datenautobahn, und für die Staatskunst muß man jetzt eben dem Landesfürsten schmeicheln, nachdem die Rockzipfel und Tröge des Sonnenkönigs und seines pannonischen Kronprinzen längst zerfallen und vermorscht sind.

stellen wir uns vor ..

.. wir lassen einen koffer voll geld am gehsteig stehen und gehen fort. das ding steht herum, irgendwer stiehlt es, was zweifelsohne verboten ist. dann kommen wir zurück, wollen unseren koffer wieder, klagen laut, weil niemand den dieb an seinem tun gehindert hat und wollen von der gesellschaft eine abgeltung unsers schadens.
stellen wir uns vor, wir bringen ein elaborat - musik, text, video, was auch immer - in digitaler form in umlauf. jeder duchschnittliche begabte zwölfjährige kann es beliebig ohne qualitätsverlust vervielfältigen. das passiert natürlich auch, und wir klagen laut und wollen entschädigt und beschützt werden.
kanns das wirklich sein?

Man klagt nicht laut, sondern fordert nur die entsprechenden Rechte ein. Die Privatkopie gibt's weiterhin, sie wurde im Laufe der Jahre ja extrem vereinfacht, um ein Lied zu kopieren muss man nicht mehr zwei Kassettenrekorder nebeneinander stellen, sondern kann von allen möglichen Datenträgern innerhalb Sekunden eine digitale, gleichwertige Kopie machen.

Es wird immer mehr kopiert und die Einnahmen aus der Vergütung gehen immer weiter zurück. Dass das auf die Dauer nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand...

Ich zahl ja gerne

aber arme Kinder in Afrika sollten Kunst gratis geniessen dürfen, denen gehts eh beschissen genug.

Wenn man Essen kopieren könnte würde man es hoffentlich machen! Natürlich sollte man auch die dazugehörigen Verhütungsmittel bzw den Wohlstand kopieren, da wir sonst auch den Planeten kopieren müssten.

Und es gibt immer wieder Rollen in Filmen, oder Musik die einen aufbauen und Mut geben und der Mensch gibt der Gesellschaft dann etwas dadurch zurück. Weil er seine Phantasie geschwängert hat und zu mehr fähig wurde.
Und zumindest das triste Leben lebenswerter gemacht haben.

Solange ich als Künstler einen gewissen Wohlstand erreicht habe sollte ich doch geil genug sein die Preise senken zu dürfen.

was ist mit Kunst

bei der der Künstler schon lange tot ist...
Kunst die sich schon 100 Mal finanziert hat,
und dem Großteil der Menschheit die sich Kunst nicht leisten kann, aber ohne größeren Schaden an den Künstlern Zugriff zu deren Kunst haben könnte und damit als Mensch aufsteigen kann.

Viele Werke tragen zum Menschsein bei, sind eine Erweiterung, ein Gedanke für den Beruf für den Umgang in der Gesellschaft etc etc etc...
Und nur weil ich die Werke wegsperre steigt nicht die Kaufkraft der Bevölkerung.
Förderungen für untalentierte Künstler abzweigen? IN Maßen!

Warum werde ich als Internetanschluss-, und Großflatscreenbesitzer dazu gezwungen 20 km zu einem Kino hin und zurückzufahren, dort kein Bier trinken zu dürfen und mich neben Menschen zu setzen?

Vor allem sollten die Künstler mal nachdenken

Besonders Musiker, ob die gegenwärtigen Rechtemodelle noch zeitgemäß sind, und von wem sie tatsächlich verarscht werden mit Verträgen bei denen sie als Künstler erst dann was verdienen wenn alle anderen Beteiligten ihren Reibach schon gemacht haben.

Schaut mal in euren Vertrag und versucht z.B. herauszufinden wieviel ihr von einem Download über itunes bekommt, ein Vorgang der weder dem Shopbetrieber noch dem Label irgendwelche relevanten Kosten verursacht.

Es ist schon klar dass für viele Musiker die Verwertungsgesellschaften eine wesentliche Einnahmequelle darstellen - aber nur deshalb weil diejenigen die an ihrer Musik verdienen ihnen an Schas bezahlen.

Dafür darf dann der Rest dafür brennen seine Urlaubsphotos auf Platte zu speichern.

Es ist immer wieder das Gleiche.

Sie moechten natuerlich die welt-weite, kostenlose Propaganda. Und natuerlich spricht nichts dagegen sich, unbewusst natuerlich, Ideen auszuleihen.

Aber wer Infrastruktur benuetzt muss zahlen.

Ich bin dafuer Kuenstler entscheiden zu lassen. Im Netz, oder voellig ausserhalb.

Sollen die Abstinenzler doch wieder in den schummrigen Kellern spielen und von den Tickets leben, gedruckten Buechern, .... Mit Broschueren werben, ....

Meine Festplatte habe ich gekauft und ca 20.000 Titel zu je ca EUR 1 je,auf meinem iPod.
Promoted durch YouTube .... Kuenstler, die ich vorher nicht kannte ..

Wenn sie wirklich 20kSongs haben

und dafür auch offiziell bezahlt haben, dann muss das wohl einen gewerblichen Hintergrund haben (Dj ?) und da sieht die Sache sicher auch anders aus.

Typische Privatleute hätten sicher nicht soviele.
Aber Festplatten, USB-Sticks,.. haben sie alle.

Ich bin vielleicht ein untypischer

privater Musikfan - bei mir finden Sie ziemlich viel vom Post Punk bis zur grossen Wagner Oper.
Besonders beim Alternative und Indie Rock habe ich vieles erst ueber YouTube entdeckt.
Ebenso World Music, Loft Jazz, Industrial ....

Nein, mit Musik habe ich professionell nichts zu tun.

Aber ich wundere mich ueber die Kurzsichtigkeit der Kuenstler. Sie wollen die Einbahn. Aber das geht nicht.

Uebrigens, ich bin ueber 65 und mit den schwarzen Singles aufgewachsen.

Sushi reimt sich auf Uschi

...

Muss es nicht. Seit etwa 10 Jahren ist es relativ normal, mehrere Gigabyte an Musik auf dem Rechner zu haben, einfach aus Sammelleidenschaft.

Nein, das ist es nicht. Ich kenne niemanden der 10Gigabyte an Musik auf der Festplatte hat. Aber gut, ich bin meist unter Erwachsenen.

eben. und früher hat man halt für die kassetten die abgabe bezahlt und heute halt für die festplatten...

aber nicht um 20.000€ :-O

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