Anschlag in Syrien: Ein langer letzter Akt

Kommentar18. Juli 2012, 18:42
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Es ist interessant zu beobachten, wie sich durch den Tod von zentralen Akteuren wie Assef Shawkat oder durch die Flucht von Manaf Tlass die politischen Gewichte intern verschieben werden

Nach 16 Monaten des Mordens und Brennens tritt Syrien mit dem tödlichen Anschlag auf den innersten Kreis Bashar al-Assads in eine neue Phase des Aufstands. Die Russen nennen es "Endkampf", politisch weniger involvierte Beobachter den "letzten Akt einer blutigen Tragödie". Welchen Begriff man auch immer vorzieht, unklar bleibt, wie lange sich diese Phase hinziehen wird.

Schon vor gut einem Jahr war relativ klar, dass der syrische Machthaber es nicht ewig in Damaskus wird aushalten können. Wie die meisten Diktatoren kann auch er sich bloß auf Bajonette stützen, aber unmöglich längerfristig darauf sitzen. Dennoch: Seine Machtbasis ist bisher relativ kompakt geblieben. Die reguläre syrische Armee ist laut allen Analysten dem zusammengewürfelten Haufen der Rebellen auch heute noch weit überlegen, Assads Regime hat die Kontrolle der Situation noch immer weitgehend in der Hand. Auch wenn sich der eiserne Griff seiner Macht lockern mag - eine größere Gefahr als der Sprengstoffgürtel eines Attentäters ist für Assad noch immer ein Putsch aus dem eigenen Herrschaftssystem heraus.

Daher ist vor allem interessant zu beobachten, wie sich durch den Tod von zentralen Akteuren wie Assef Shawkat oder durch die Flucht von Manaf Tlass nach Paris die politischen Gewichte intern verschieben werden. Das wird wesentlich beeinflussen, wie lange und wie blutig der letzte Akt in Damaskus werden wird. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 19.7.2012)

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