Pfadfinders Fähnlein: Weißwein vom Mönchsberg

  • Wo der Wein wächst: Seit ein paar Jahren auch mitten in der Stadt Salzburg, auf dem Mönchsberg. Und kein schlechter noch dazu!
    foto: hersteller

    Wo der Wein wächst: Seit ein paar Jahren auch mitten in der Stadt Salzburg, auf dem Mönchsberg. Und kein schlechter noch dazu!

  • "Paris Lodron Zwinger 2011", 26 € / Flasche, im Pfadfinderhaus, 
Fürstenalle 45, bei Sporer, Getreidegasse, und bei Feinkost Kölbl, 
Theatergasse 2 (alle 5020 Salzburg).
    foto: hersteller

    "Paris Lodron Zwinger 2011", 26 € / Flasche, im Pfadfinderhaus, Fürstenalle 45, bei Sporer, Getreidegasse, und bei Feinkost Kölbl, Theatergasse 2 (alle 5020 Salzburg).

Auf dem Salzburger Mönchsberg wird Weißwein gemacht, und ganz bemerkenswerter noch dazu - Das war zuletzt vor 350 Jahren der Fall - Was die Salzburger Pfadfinder damit zu tun haben, weiß Luzia Schrampf

Die Entdeckung, dass Erzbischof Paris Lodron (1586-1653) auf dem Mönchsberg einen Weingarten hatte, ist Rüdiger Schobesberger, Beamter des Salzburger Hochbauamtes, zu verdanken. Die Anlage nennt sich nicht zufällig Paris-Lodron-Zwinger: Der Weingarten ist von bis zu 20 Meter hohem historischem Gemäuer umgeben. Der Weißwein, der hier 2008 gepflanzt und 2010 erstmals geerntet und vinifiziert wurde, heißt eingedenk seiner Herkunft also "Paris Lodron Zwinger" und ist ein Frühroter Veltliner. Auch als Malvasia bekannt, eine historische Sorte, die an nämlicher Stelle bereits vom 12. Jahrhundert an wuchs.

Die Salzburger Weingärten - einige gab es auch auf dem Nonnberg - waren Teil eines größeren Ganzen. Wein war im Mittelalter das am weitesten verbreitete landwirtschaftliche Gut des damaligen Österreich, die Rebfläche weitaus größer als die heutigen 45.000 Hektar. Weingärten gab es ab Salzburg flussabwärts entlang der Donau, die ein idealer Handelsweg war, und nach Süden hin bis zum Semmering. Als sich zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges das Klima großflächig änderte, war Weinbau nur noch im wärmeren Osten möglich.

500 Flaschen aus 538 Rebstöcken

Angesichts der Klimaänderungen der heutigen Zeit glaubte Schobesberger, dass der Weingarten wiederbelebbar sei. Er überzeugte die Stadt Salzburg als Eigentümer und Hans-Georg Keplinger von den Salzburger Pfadfindern, die auf dem Mönchsberg zwei Wehrtürme als Vereinshaus nutzen, den Weingarten zu bearbeiten. Keplinger seinerseits aktivierte eine Gruppe von altgedienten Pfadfindern. Außerdem suchte Keplinger Unterstützung bei einem Freund, dem Winzer Martin Mittelbach vom Tegernseer Hof in der Wachau, der gemeinsam mit Katharina Tinnacher vom Weingut Lackner Tinnacher im südsteirischen Gamlitz dieses Projekt betreut.

Nach Bodenproben, die einen kalkreichen Boden bescheinigten, entschied man sich für den frühreif werdenden Frühroten Veltliner. Grüner Veltliner etwa reife hier, in einer trotz allem noch kühlen Gegend, niemals aus, so Mittelbach, auch wenn der Hang dank seiner Ausrichtung lange Sonne habe und der Weingarten von Mauern umgeben ist, was eine um zwei Grad höhere Temperatur als in der direkten Umgebung bewirke. Die "Weingartenarbeiter" werden von Mittelbach betreut und ausgebildet. Gelesen wird Anfang bis Mitte Oktober, die Trauben werden direkt nach Gamlitz transportiert, wo Katharina Tinnacher sie klassisch, also im Stahltank, vinifiziert.

Rund 500 Flaschen, dazu noch 30 Magnums entstanden 2011 aus den 538 Rebstöcken. Vertrieben wird der Tropfen, der als zartgliedrig, facettenreich und mineralisch beschrieben wird und dem bei "herrlich knackiger Säure" eine "tolle Süffigkeit und Präzision" attestiert wird, über das Pfadfinderhaus Salzburg - die Pfadfinder sind auch die offiziellen Erzeuger. Spitzenrestaurants wie das Steirereck in Wien oder die Brüder Obauer in Werfen haben den Wein mit der exotischen Herkunft jedenfalls ins Programm aufgenommen. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 20.7.2012)

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