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Pro: Verdis Handschuhe
Von Ljubisa Tosic
Glück gehabt. In der 59. Minute des EM-Finales war der Stürmer ungestüm mit Italiens Tormann Verdi zusammengeprallt; Schiri Wagner beließ es gegenüber José Mustermann aber bei einer Verwarnung. Verdi war ja nichts passiert, es konnte weitergehen. Wobei: Der Goalie war verunsichert. Er hatte Josés Präsenz verspürt, begann Schwächen zu zeigen, und so kam die 89. Minute: José Mustermann erahnte die Flanke des über rechts durchbrechenden Domingo und erwischte den Ball mit derartiger Wucht, dass es die Kugel samt den Handschuhen des perplexen Verdi ins Tor schleuderte. Doch auch Verdi applaudierte, ja, er bat sogar Wagner abzupfeifen. Zur Gewissheit, dass er und die seinen verlieren würden, mixte sich ja das tröstende Gefühl, mit einem Großen auf dem Platz stehen zu dürfen.
Als Max Mustermann aufwachte, umarmte ihn die Gattin: "Schatz, danke, dass du mitkamst! Es war wirklich keine gute Carmen-Vorstellung." - "Mag sein", so Mustermann, "aber der Don José! Einen torgefährlicheren Tenor wird man nicht finden!"
Kontra: Nessun Dorma
Von Benno Zelsacher
Rom im Sommer 1990: Abgesehen davon, dass Deutschland im Olympiastadion durch einen 1:0-Finalsieg gegen Argentinien Weltmeister im Fußball wird, trägt sich auch in den Thermen des Caracalla Denkwürdiges zu. Die Drei Tenöre zaubern. Luciano Pavarotti schmettert Prinz Kalafs Arie über den Kreis der einschlägig Kundigen hinaus in die Welt. "Nessun dorma", lässt Puccini den Prinzen singen, "niemand schlafe". Ursprünglich erlässt Prinzessin Turandot dieses Gebot. Es gilt für ganz Peking, also naturgemäß auch für die Oper, und wenn es für die Pekingoper gilt, dann wohl auch für alle anderen Opern dieser Welt.
Natürlich ist zu akzeptieren, dass einer, der tausende Opern intus hat, mitunter einnickt. Selbst kann man sich mitunter auch ein Nickerchen vorstellen. Beispielsweise am Fuße des Hahnenkamms, wenn es dort nur nicht so kalt wäre. Doch wenn man alle heiligen Zeiten beispielsweise von heil'gen Hallen hört und die ganze Opulenz schauen darf, dann sagt einem der Wurm im Ohr: "Nessun dorma." (Rondo, DER STANDARD, 20.7.2012)
Die Suche in Taschentiefen oder Zimmerfluchten ersparen oder Understatement mit einem einzigen Klingelton
So ein charakterstarker Sattelschutz gibt uns den allerschönsten Schliff im Meer des seriösen Gleichklangs - Oder: der Schoner steht dem Wesen des Radfahrens entgegen
Die dumme Augustine trug sie und wurde umjubelt, aber der Modetrend gilt als Gegenteil von Freiheit
Maunchmoi is scho vü gscheida, ma bleibt bei dem wos ma dalernt hot oder Hochsprache ist Facebook-Sprache
Die gedruckte Zeitung darf nicht sterben - oder: Wenn gedruckte Gedanken zu Wischdiensten abkommandiert werden, sterben sie einen feuchten Tod
Einen Goldfisch damit nach Hause transportieren oder Liebe geht durch den Magen
Ein Zeichen einer erwarteten Gemütlichkeit oder so graziös wie Bambi auf dem zugefrorenen Teich
Ein gerade unübertreffliches Glücksrezept oder logistischer Stress durch neumodisches Brauchtum?
Weshalb das viel gepriesene "Runner's High" in der Stadt mitunter auf sich warten lässt und das duch-die-Stadt-joggen eine Sightseeing-Tour ersparen kann
"Damit sich nicht wieder irgendein Armleuchter in den Luster hängt" oder "Fröhlichkeit ganz ohne Alkohol ist immer etwas gezwungen"
Seine Entscheidung - "eine oda auße?" - jederzeit staufrei revidieren oder es ist nicht der Mensch, der den Rhythmus vorgibt
Her mit der heißen Ware, oder sind erotische Geschenke einfach nur peinlich?
"Welcher Superstar wird dich heiraten?" oder Danke, wir wollten es echt nicht so genau wissen
Wer die Lure aus dem Stockwerksautomaten am Platz genießt, versäumt nichts Spannendes - oder die Sitten im Büro sind immer nur so rau wie das Leben auf der Straße
"Das WC ist nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt" oder: "Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben"
Heißer Tee, Suppe oder auch Punsch oder die Eismischerzunft soll endlich auf den Klimawandel reagieren
Rockgott versus Gott der Allmächtige - zumindest wenn es um die Frage nach hell oder dunkel geht
"Mindestens haltbar bis ..." - "Best before" ist schlicht irreführend übersetzt oder ein farbenprächtiger Abdruck einer Fontäne an der Toilettenwand
Weshalb der Alltag der KollegInnen schon interessant ist und portionierte Grußbekanntschaften einem weißen Wal das Leben schwer machen
In der Leichtigkeit muss man das Üppige wählen oder der Schaum, ein Traum
Gluck, gluck, und runter damit oder rot steht für Wärme, Leidenschaft und große Gefühle
Wer nicht mit Kanonen auf Brösel schießt, greift zum Bartwisch und dessen Zwilling, dem Schauferl oder ihr Traditionsritter von der traurigen Gestalt
"Du, in meinem Zelt ist eh Platz für zwei!" oder eine Mischung aus Schweiß und Uringeruch
Man kann sich, muss sich aber nicht festlich kleiden oder das Wohnzimmer ist und bleibt eine pinguinfreie Zone!
extrem teure, jahrelange herbei gesehnte Opernkarten, in der Früh der Beginn einer Verkühlung... erste Reihe Balkon, gleich neben der Bühne. Hustenzuckerl vergessen. Sitze sind so gestaltet, dass zwischendurch Aufstehen gar nicht möglich ist... was also tun ... hust hust hust.
Passiert vor 10 Jahren. Ich schäme mich bis heute für mich und meine Frau. Man konnte die bohrenden Blicke der Opernsänger durch und durch spüren. Das ist wahre Härte. Schlafen ohne zu schnarchen. Geh bitte. Die augen zu bedeutet doch bloss, dass man ganz besonders ergriffen ist ;-)
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