"Alles andere wäre auch untragbar"

18. Juli 2012, 18:28
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Peter Stöger ist zur Austria heimgekehrt. Der neue Cheftrainer hat trotz der verpatzten Saison eine "intakte Gruppe" vorgefunden. Minimalziel ist selbstverständlich die Teilnahme am Europacup. "Wir stehen auf dem Platz, um Tore zu schießen."

Wien - Es ist nicht so, dass Peter Stögers Selbstwertgefühl in den Himmel und darüber hinaus wächst. Natürlich weiß er, dass die Wiener Austria zu den Top-Adressen im Lande zählt, aber Fußball gespielt wird zum Beispiel auch in Wiener Neustadt. "Als ich dort Trainer war, litt ich nicht unter Minderwertigkeitskomplexen. Ich hatte Erfolg. Obwohl er anders definiert wurde." Am 30. Mai wurde der 46-jährige Stöger zum Cheftrainer der Austria bestellt. Es ist quasi eine Heimkehr, obwohl Stöger niemals sagen würde, "dass in meinen Adern violettes Blut fließt" .

2006 holte er als Sportdirektor gemeinsam mit Tänzer Frenkie Schinkels den Meistertitel, es gehörte aber zum Brauch, erfolgreiche Leute mit der Entlassung zu belohnen. Damals herrschte noch Frank Stronach in und über Favoriten. 2012, Herr Stronach hat sich längst verabschiedet, wurde der Vertrag von Ivica Vastic nicht mehr verlängert. Aus nachvollziehbaren Gründen. Die Austria wurde nur Vierter, verpasste die Teilnahme an einem europäischen Bewerb. Das ist ihr zuletzt vor zehn Jahren widerfahren. Stöger bedauert das. "Es kann kein Vorteil sein, international nicht engagiert zu sein." Mit einigen Testspielen gegen deutsche Mannschaften soll dieses Defizit halbwegs wettgemacht werden.

Stöger hat mit der Mannschaft Vergangenheitsbewältigung betrieben. " Nicht zu ausführlich. Aber ich wollte wissen, ob die Gruppe kaputt, ein zerstrittener Haufen ist. Das war trotz der Enttäuschung nicht der Fall. Sie ist intakt." Der Kader sei gut bestückt, die Breite passe, der neu verpflichtete Slowene Dare Vrsic "hat das Zeug zum Spielmacher. Ein hervorragender Fußballer mit Übersicht." Die Bedingungen bei der Austria haben sich, so Stöger, "zum Positiven verändert. Die Struktur mit den Vorständen Thomas Parits und Markus Kraetschmer funktioniert, die Trainingsbedingungen sind hervorragend, die Akademie liegt in unmittelbarer Nähe. Ins Stadion wurde auch investiert. Es ist eigentlich lustig, dass all das erst nach Stronach realisiert wurde."

Der Eindruck

Was von der Austria zu erwarten ist? "Die Leute sollen das Gefühl haben, dass wir auf dem Platz stehen, um Tore zu schießen. Die Mannschaft muss bis zum Schluss alles geben. Diesen Eindruck konnte sie zuletzt nicht immer vermitteln. Aus welchen Gründen auch immer."

Franco Foda ist ursprünglich die erste Wahl gewesen, er entschied sich allerdings für Kaiserslautern. Stöger: "Es gibt überall mehrere Kandidaten. Das Geschäft lebt von Zu- und Absagen."

Die Hierarchie wurde nicht umgestoßen, Manuel Ortlechner bleibt Kapitän. Der als schwierig geltende Roland Linz stürmte sowohl unter Karl Daxbacher als auch Vastic selten von Beginn an. Stöger lässt sich alle Möglichkeiten offen. "Ich kenne Linz gut. Das ist für ihn weder ein Vorteil noch ein Nachteil. Er muss sich dem Konkurrenzkampf stellen." Abgesehen davon sei Geld für einen zusätzlichen Angreifer vorhanden. " Eine Ergänzung zu Linz und Roman Kienast, also eher ein beweglicher Typ, wäre leistbar."

Die Austria startet am Samstag in Wolfsberg beim Aufsteiger WAC. "Eine schwierige Aufgabe. In Kärnten wird es sich ordentlich abspielen. Aber auch für den WAC gibt es einfachere Auftaktgegner als die Austria." Sportvorstand Parits hat die Teilnahme am Europacup als Saisonziel vorgegeben. Stöger: "Eine Selbstverständlichkeit. Alles andere wäre für die Austria auch untragbar. So viel Selbstvertrauen haben wir."(Christian Hackl, DER STANDARD 18.7.2012)

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    Peter Stöger weist der Austria den Weg. Vorerst für zwei Jahre. Als Spieler war er mit den Veilchen dreimal Meister, als Sportdirektor einmal. Er lobt das Ambiente, Favorit ist trotzdem Salzburg. Das konnte nicht einmal Düdelingen ändern.

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