In Libyen beginnt die Suche nach einer Regierungsmehrheit

Astrid Frefel, 18. Juli 2012, 17:46
  • Auf Wahlsieger Mahmud Jibril kommt eine schwere Aufgabe zu. Die Muslimbrüder wollen nicht mit ihm kooperieren.
    foto: auf wahlsieger mahmud jibril kommt eine schwere aufgabe zu. die muslimbrüder wollen nicht mit ihm kooperieren.

    Auf Wahlsieger Mahmud Jibril kommt eine schwere Aufgabe zu. Die Muslimbrüder wollen nicht mit ihm kooperieren.

Eine moderate Allianz unter Expremier Jibril hat die Wahlen vor der Partei der Muslimbrüder gewonnen - Im Parlament hat sie dennoch keine Mehrheit

Tripolis/Kairo - Zehn Tage hat die libysche Wahlkommission benötigt, um einen Trend offiziell zu bestätigen, der sich schon am Wahlabend abzeichnete. Danach hat die Allianz der Nationalen Kräfte (NFA) von Expremier Mahmud Jibril 39 der 80 für Parteien reservierten Sitze erobert. Auf Platz zwei folgt die Partei für Gerechtigkeit und Aufbau, die den Muslimbrüdern nahesteht, mit 17 Mandaten. Drei Sitze gingen an die Nationale Front, die aus einer Oppositionsbewegung hervorgegangen ist, die seit Jahren gegen Gaddafi gekämpft hatte. Weitere 18 Parteien mussten sich mit einem oder zwei Mandaten begnügen. 33 Frauen haben den Sprung in den 200-köpfigen Nationalkongress geschafft. Ein Frauenanteil von 16,5 Prozent ist für dieses religiös-konservative Land beachtlich, es wurde durch Quoten nachgeholfen. Die Wahlbeteiligung betrug 62 Prozent.

Trotz des klaren Vorsprungs hat Jibril nur ein Fünftel des neugewählten Gremiums hinter sich. Den Ausschlag werden die 120 Unabhängigen geben. Beobachter wagen keine Prognosen, wie sie sich entscheiden werden. Viele der Gewinner von Einzelmandaten sind bekannte lokale Persönlichkeiten - in Bengasi hat etwa der Organisator der Lokalwahlen ein Spitzenresultat erzielt - und ideologisch nicht festgelegt.

Die Muslimbrüder geben sich noch nicht geschlagen. Ihr Vorsitzender, Mohammed Sawan, hat seinen Ton gegen Jibril verschärft und ihm vorgeworfen, seine Haltung zum Islam gleiche jener Gaddafis und seine Fähigkeiten seien nur durchschnittlich. Er würde sich als Uni-Professor eignen, aber nicht als Führungsfigur für diese Zeit. Sawan hat eine Koalition mit Jibrils Allianz ausgeschlossen und will genügend Unabhängige auf seine Seite ziehen, um zu regieren.

Wirtschaftskompetenz

Jibril, dem Experten für strategische Planung, trauen seine Anhänger vor allem zu, dass er die Wirtschaft in Gang bringt. In ihrer Eigendefinition nennt sich die Allianz moderat und den Werten der Revolution wie Demokratie, Menschenrechte und Transparenz verpflichtet. Auch er wird weitere kleine Parteien und Einzelkandidaten um sich scharen können. Das wird auch der Nationalen Front zugetraut. Ihr Vorsitzender Mohammed Magariaf hat betont, offen für Zusammenarbeit zu sein.

Den Organisatoren der ersten freien Wahlen nach dem Sturz der Diktatur haben alle lokalen und internationalen Beobachter ein gutes Zeugnis ausgestellt. In etwa fünf Prozent der Wahllokale musste nachgezählt werden, und in Kufra hat die Minderheit der Tabu überhaupt erst drei Tage später gewählt. Gegen die Resultate kann nun in den nächsten 14 Tagen Einspruch erhoben werden. Eigentlich wollte der neue Nationalkongress am 7. August erstmals zusammentreten und damit die Macht vom Nationalen Übergangsrat übernehmen. Dieser Termin wird wohl nicht ganz zu halten sein. (Astrid Frefel, DER STANDARD, 19.7.2012)

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18 Postings
rule of law – or rule of militias?

http://www.amnestyusa.org/sites/def... matted.pdf [07.12]

death and detention of tunesian fishermen

http://www.tunisia-live.net/2012/07/0... ors-death/ [2.7.]

-- es ist genau das eingetreten, was zu befürchten stand: nach oft ausufernder - aber selten tiefschürfender - berichterstattung zu den wahlen und grenzenlosem journalistischen jubel über ein sog. ergebnis, das zu interpretieren bzw. auf dessen grundlage zu arbeiten, mensch sich nach wie vor in libyen nicht recht in der lage sieht, scheint das land mit seinen schwierigkeiten wieder aus dem blick der weltöffentlichkeit verschwinden zu können/dürfen/sollen. --

[…] a freelance filmmaker [from New Zealand], was initially detained on Thursday after conducting interviews on former rebel abuses at an Internally Displaced Persons (IDP) camp

on the eastern fringes of the Libyan capital, Tripoli. […] No charges were laid, however it is rumoured she was being investigated for espionage.

http://www.nzherald.co.nz/nz/news/a... d=10821724 [24.7.]

The electoral system makes it difficult to predict optimal candidate or party strategies. The 80 SNTV seats, in particular, will make any form of coordination very difficult. SNTV makes effective coordination for political parties nearly impossible, as organizations would have to essentially run their own candidates against each other in every district. […] SNTV will be bad for party formation in Libya, but will greatly benefit local tribal elites.

http://ahwatalk.com/category/democracy/ [4.7.]

Buzraidah, a colonel in the former regime who later worked for the NTC, [who was killed on july 27th] was number 12 on a death list drawn up by an Islamist vigilante group. […] security services defused a 60-kg bomb

found in the basement of Benghazi's Tibesti Hotel. On Friday, bombs containing at least 40 kilos of explosives were found behind the Criminal Investigation Department building and the Police Patrol Department of Benghazi Directorate in Hawari.

http://www.magharebia.com/cocoon/aw... wsbrief-01 [30.7.]

An explosion believed to have been caused by a bomb ripped through the military intelligence building in Libya's eastern city of Benghazi at dawn Wednesday, causing damage to the structure and nearby homes […]

gunmen stormed a jail in Benghazi and freed Islamist militant Salem al-Obeidi, the suspected killer of former rebel chief Abdel-Fattah Younis […]

http://www.huffingtonpost.com/huff-wire... /ml-libya/ [1.8.]

[…] seven [men], all members of the Iranian Red Crescent organisation, were seized at around 1 a.m. on their way back to the Tibesti hotel from the headquarters of the Libyan Red Crescent, which is based in Benghazi.

http://www.libyaherald.com/?p=11939 [31.7.]

Na, wie gehts den Libyen-Bashern?

Ist schon mal was von euren düsteren Prophezeiungen eingetroffen?

was fehlt dir denn?

3,4 mio Wahlberechtigte; 2,6 mio davon haben sich zur Wahl registrieren lassen. ein rundes 1/4 hat also von vorn herein gesagt: l.m.a. und von den registrierten 2,6 mio sind dann auch nur knapp 60% waehlen gegangen (sagt man uns hier). Also fuer ein Land das derart hungrig nach Demokratie war das es zig-tausende Tote (man spricht von 80.000 +) dafuer inkauf nahm --
Na, Heiner Mueller: kapiers't das oder brauchst du Nachhilfe..?

nein, das nicht.
http://en.wikipedia.org/wiki/2011... l_fighting
die auseinandersetzungen sind ruecklaeufig, libyen duerfte sich stabilisieren.
libyen wird kein 2.irak, keine totale katastrophe.
aber wie schauts denn mit der bilanz der revolution aus?
- was hat der spass (libyen und dann uns) gekostet
- wie sieht es mit der korruption aus
- wie sieht es mit den ueber 1 million gastarbeitern aus, die gefluechtet sind
- sicherheit, gefaengnissinsassen, menschenrechte?
das der super gau nicht eingetreten ist hat halt auch mit dem libyschen schulsystem und der relativ hohen bildung der menschen dort zu tun.
wirtschaftliche kosten des krieges werden bei 3-6 jahren liegen, ob es das wert war weiss man in 10 jahren.

Bei Realitätsverweigerung hilft auch keine Therapie mehr Müller. Good luck.
Schon einen Libyen-Urlaub geplant Heiner? Am Strand von Bengasi ist es sicher gemütlich, oder mal einen kleinen Abstecher zu den Oasen im Süden. Alles sehr ruhig dort, die lokalen Milizen kann man sicher mit Euros beruhigen. Man muss halt darauf stehen dauernd in Kalaschnikows zu gucken.

ähh ja, andere frage was ist denn (noch) nicht eingetroffen.???

was in 5 tagen alles so passieren kann

13. Juli, der Standard toent:
Ex-Regierungschef Jibril vor Erdrutschsieg in Libyen
18. Juli:
In Libyen beginnt die Suche nach einer Regierungsmehrheit
am 23. Juli schau ich dann mal wieder nach was aus dem 'Wahlsieger' geworden ist..

na ja

wahrscheinlich liegt der Wahlsieger unter dem Erdrutsch begraben ;-)

Wer Sieger ist steht bereits fest

Libysches Öl gehört nun uns,

das beschlagnahmte Libysche Auslandsvermögen nun für den NATO Einsatz verpfändet.

Libyen auf Jahre für sinnlose Waffenkäufe verschuldet

Glückwunsch!

Es ist zu hoffen, dass Libyen zu einer wirtschaftlich und gesellschaftlich stabilen Region wird. Besser als in Ägypten ist das allemal!

Frei nach murphys law: egal wann und egal wo im arabischen Raum gewählt wird, es kommt immer ein Goottesstaat heraus

"Liberal" und "moderat" sollen die 39 von 200 Parlamentarier also sein, soso...

Und erst der 80%ige Rest!

Hoffen wir, dass Libyen eine vernünftige Regierung kriegt!

Das Land könnte zu einer Touristenattraktion vom feinsten werden. Öl plus Tourismus (der vor allem auch die Arbeitslosigkeit verringern würde) könnten Libyen zu einem wirtschaftlichen Boom verhelfen.

Ui ja da möchte ich unbedingt Urlaub machen. so eine Art Abenteuercamp - unbewaffnet durch Milizengebiet z.B. oder - mit Sandalen durch ein Minengebiet. Oder eine Stadttour durch Häuserruinen.

Ich glaube Libyen wird genauso ein Touristenmagnet wie z.B. der Irak, da ist ja schon alles mit Clubhotels zugepflastert....

Milizen sind die größten Gegner der neuen Regierung

Bei der Wahl in Libyen haben die Liberalen triumphiert. Doch der Sieg ist fragil. Noch immer regieren Milizen ganze Städte. Werden sie ein demokratisches Libyen überhaupt akzeptieren?

http://www.welt.de/politik/a... erung.html

das mit den "milizen" sollte man nicth überbewerten.

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