Finanzzentrum kommt Steuerzahler teuer

18. Juli 2012, 17:33
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Die Kritik am Finanzzentrum Wien-Mitte reißt nicht ab, Infocenter sollen mangelnde Bürgernähe in Wien-Mitte ausgleichen

Wien - Die Kritik an dem in Bau befindlichen Finanzzentrum Wien-Mitte reißt nicht ab. Bisher wurden die Mietkosten, die das Finanzministerium dafür künftig zu berappen hat, geheim gehalten. Der Grund: Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) wollte die Miethöhe erst dann im Parlament kundtun, wenn alle Büroflächen der Immobilie vermietet sind. Damit andere Interessenten nicht gegenüber der Vermieterin BAI den Quadratmeterpreis des Bundesministeriums für Finanzen als Vergleich heranziehen können, wie sie der Grünen-Abgeordnete Gabriele Moser mitteilte.

Dem Standard liegen diese Mietkosten jetzt vor und zeigen, dass die Großübersiedelung für die Republik alles andere als ein Schnäppchen wird. Insgesamt 497.000 Euro netto monatlich wird es kosten, wenn acht Wiener Finanzämter - und zwar alle südlich der Donau, der Standard berichtete - aufgelöst und im Finanzzentrum Wien-Mitte zusammengefasst werden.

Derzeit zahlt das Finanzministerium für seine Bezirksfinanzämter an die Vermieterin, die bundeseigene BIG (Bundesimmobiliengesellschaft), rund 490.000 Euro. Das ist in etwa gleich viel wie die künftige Belastung - allerdings für viel mehr Fläche. Standen den Finanzbeamten bisher 65.181 m2 zur Verfügung, werden es künftig nur 35.000 m2 sein.

Großraumbüros

Das Mitleid mit den 1900 betroffenen Beamten, dass sie ab nächstem Jahr weniger Platz zur Verfügung haben werden und außerdem in modernen Großraumbüros sitzen müssen, hält sich bei Beobachtern in Grenzen. Allerdings wird das "Bürokonzept 2020" - Glaswände ohne Türen, wabenartige Schreibtischzusammenstellungen zu Vierer- und Sechser-Gruppen - angesichts der doch heiklen Steuermaterie als nicht ideal empfunden.

Vor allem wird bezweifelt, dass mit den wenigen, für Parteienverkehr vorgesehenen Schaltern im neuen Finanzzentrum das Auslangen gefunden werden kann. Der Kontakt mit dem Steuerzahler könne nicht völlig über das Internet abgewickelt werden, meinen Kritiker. Zwar hatte man bei der Entwicklung des Immobilienkonzepts im Jahr 2007 angenommen, dass viel mehr Steuerzahler künftig nur mehr online mit dem Finanzamt kommunizieren. Dies sei aber nicht so, weiterhin benötigen viele Bürger persönlich Rat beim Finanzamt, etwa, wenn es um Beihilfen geht. Deshalb wird angedacht, die Infocenter, die es in den Finanzämtern bereits gibt, nicht ganz aufzulassen, sondern solche in Magistratischen Bezirksämtern zu installieren - gegen Miete.

Für die frei werdenden (und in der Regel renovierungsbedürftigen) alten Finanzämter werden bereits Nachnutzer gesucht. So soll sich das Institut für Höhere Studien (IHS) in das ehemalige Finanzamt in der Josefstädter Straße einmieten wollen. Es ist dies das Palais Strozzi, ein schmucker Bau. Nicht überall dürfte die Nachnutzung so einfach werden. Vor allem bei dem Plattenbau des Finanzamts Wien 3/11 wird es schwierig, so Immo-Experten. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 19.7.2012)

  • Die künftige Heimat der Wiener Finanzbeamten auf der Landstraße: viel weniger Platz, aber etwa gleich hohe Mietkosten wie bisher in den dezentralisierten Bezirksfinanzämtern.
    foto: standard/corn

    Die künftige Heimat der Wiener Finanzbeamten auf der Landstraße: viel weniger Platz, aber etwa gleich hohe Mietkosten wie bisher in den dezentralisierten Bezirksfinanzämtern.

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