"Roma"-Cover: Verfahren gegen "Weltwoche" auch in Wien eingestellt

18. Juli 2012, 16:59
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Schweizer Magazin habe weder zu Gewalt aufgerufen noch gegen Roma gehetzt

Zürich/Wien - Wie schon die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft hat auch die Wiener Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen "Weltwoche"-Chef Roger Köppel wegen eines umstrittenen Titelbildes zum Thema Roma eingestellt, wie die Schweizer Nachrichtenagentur sda am Mittwoch berichtet. Der Wiener Journalist Klaus Kamolz hatte wegen "Verhetzung der Volksgruppe der Roma" in Wien Anzeige gegen das ehemals linksliberale, nunmehr aber rechtskonservative Schweizer Magazin erstattet.

Kamolz wollte mit der Anzeige ein Zeichen gegen die in seinen Augen durch die "Weltwoche" betriebene "Pauschalverurteilung der Roma als Verbrecher" setzen. Die Staatsanwaltschaft Wien hat ihr Ermittlungsverfahren Ende Juni eingestellt, wie einem auf der "Weltwoche"-Homepage veröffentlichten Dokument zu entnehmen ist. Wie auch die Schweizer Staatsanwälte stellte die Wiener Staatsanwaltschaft fest, dass die "Weltwoche" weder zu Gewalt gegen Roma aufgerufen noch gegen die Roma gehetzt habe oder sie in "einer die Menschenwürde verletzenden Weise beschimpft" habe

Roma-Bub mit Pistole

Die Wochenzeitung hatte Anfang April einen kleinen Roma-Buben auf dem Titelbild gezeigt, der mit einer Pistole auf den Betrachter zielte. Das Bild mit der Legende "Die Roma kommen: Raubzüge durch die Schweiz" illustrierte einen Bericht über Roma-Kriminalität.

"Das Titelbild zusammen mit dem Inhalt des Artikels setzt die Roma nicht als Volk herab", begründete die Sprecherin der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft, Corinne Bouvard, am Montagabend in der Sendung von Radio DRS die Einstellung des Verfahrens. Thematisiert werde damit lediglich der Missbrauch der Kinder durch die Roma-Clans, sagte die Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft.

Das Bild war ursprünglich in einem ganz anderen Zusammenhang aufgenommen worden, wie sich später herausgestellt hatte. Der italienische Fotograf Livio Mancini hatte es 2008 auf einer Mülldeponie am Rande der kosovarischen Stadt Gjakova aufgenommen, wo Roma-Kinder mit ihren Familien leben und die giftige Abfallhalde als Spielplatz nutzen. Die Pistole war eine Spielzeugwaffe. Nach der Veröffentlichung des Titelbildes hatte es Kritik gehagelt. Es sei rassistisch und verstoße gegen die Rassismus-Strafnorm. (APA, 18.7.2012)

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