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vergrößern 750x500Ein "Kopf" folgt dem anderen: Hans Schabus spannt seine Holzobjekte in der Galerie Engholm in eine Diskussion zu Abstraktion und Figuration ein.
Dort wirft der österreichische Künstler einige versöhnliche Aspekte in die ewige Diskussion von Abstraktion und Figuration.
Wien - Viele Bildhauer der Kunstgeschichte gingen - und gehen noch - davon aus, dass die Figuren, die sie aus dem Stein hauen oder aus dem Holz schälen, dort bereits schlummernd ihrer Befreiung harrten. Auch die grob geschnittenen Köpfe aus Holz in Hans Schabus' Ausstellung in der Galerie Kerstin Engholm wirken wie Skizzen ihrer späteren, endgültigen Form.
Auf den ersten Blick erinnern die ungehobelten Blöcke wie Restmaterial aus Schabus' Fichtenmikado im 21er-Haus (Vertikale Anstrengung, bis 9. 9.). Dort versah der 42-jährige Künstler die Stämme ebenfalls mit teils rohen Schnitzereien. Allerdings sind die in Reih und Glied gehängten, jedoch sehr individuellen Köpfe aus Brotbaumholz und stammen aus Sri Lanka. Schabus hat sie dort während einer Residency anfertigen lassen, wo sie üblicherweise bei Ritualen Verwendung finden.
Für Schabus sind die unfertigen Objekte allerdings Stellvertreter im fortdauernden und ungeklärten Widerstreit von Figuration und Abstraktion: Während die weitverbreitete Auffassung jene ist, dass die Abstraktion aus der Figuration entsteht (Schabus' Faust-Collagen spielen dies durch), formuliert seine Kompagnie der Köpfe das umgekehrte Statement: Das Rohe der reduzierten und darin abstrakt wirkenden Formen ist hier die Vorstufe zur Figuration. Somit wäre in jeder Figuration die Abstraktion bereits enthalten - und umgekehrt.
Dass der Titel der Ausstellung - Arbeiterstrandbad - ein in diesem Konflikt recht versöhnlicher ist, bedarf der Erklärung: Vor 100 Jahren eröffnete das Bad an der alten Donau und ist damit sogar ein wenig älter als die Diskussion um Abstraktes und Figuratives. Und es symbolisiert die Versöhnung zweier bis dahin unvereinbarer Vorstellungen: des Arbeiters und des Zelebrierens von Freizeit.
Ganz ohne übliches Augenzwinkern kommt jedoch auch diese Schabus-Schau nicht aus: Einer der Köpfe mit dem Titel Wächter trägt eine Whisky-Flasche, ein Fundstück mit den Initialen der Galerie: "keg".
Ebenso wie die Puzzle-Objekte, die das Streben der Menschen zum Göttlichen im Turmbau zu Babel beackern, wirken Schabus hier versammelte Arbeiten wie nachdenkliche Studien zu anderen, größeren Projekten. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 19.7.2012)
Bis 8. 8., Kerstin Engholm Galerie, Schleifmühlgasse 3, 1040 Wien
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