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Interferon-beta-Präparate werden bei der Behandlung von MS-Patienten schon lange eingesetzt. Mittlerweile gibt es aber Alternativen.
Eine aktuelle Studie von Medizinern in Kanada bezweifelt die Wirksamkeit häufig verwendeter Präparate gegen die unheilbare Nervenkrankheit Multiple Sklerose (MS).
Im Fokus der Untersuchung stand Interferon beta, die ehemals erste Wirksubstanz, mit der in klinischen Studien eine Reduktion der Schubrate bei MS um rund 30 Prozent nachgewiesen wurde. Es sei kein Zusammenhang zwischen einer Gabe von Beta-Interferon und einer Verzögerung des Krankheitsverlaufs nachweisbar, erklärten die Experten nach einer statistischen Analyse von Patientendaten. Die in der jüngsten Ausgabe der einflussreichen amerikanischen Medizinzeitschrift "Journal of the American Medical Association" (JAMA) publizierten Resultate sind allerdings nicht unumstritten.
Alternative Präparate
Multiple Sklerose ist eine unheilbare Erkrankung, die teilweise schubförmig verläuft und das zentrale Nervensystem angreift. Weltweit leiden rund zwei bis 2,5 Millionen Menschen daran. Bei vielen Betroffenen führt sie mit den Jahren zu schweren Behinderungen. Interferon-beta-Präparate, die injiziert werden müssen, zählen zu den Standardmedikamenten bei der Behandlung von MS-Patienten. Mittlerweile gibt es mit der Pille Gilenya aber eine Alternative, die dem Patienten das unangenehme Spritzen ersparen. Außerdem wurden mit Glatirameraceta (ebenfalls zum Injizieren), dem Immunsuppressivum Fingolimod (in Tablettenform) und einem monoklonalen Antikörper weitere Mittel entwickelt.
Kritik an den Studienergebnissen
In ihrer Langzeitstudie analysierten die Ärzte Daten von 2.656 Patienten im kanadischen Bundesstaat British Columbia aus den Jahren 1985 bis 2008. Sie werteten die Krankenakten statistisch auf Hinweise aus, wie lange es trotz einer Behandlung mit Interferon-Beta dauert, bis MS-Patienten unter schweren Behinderungen leiden. Dazu zählten die Mediziner beispielsweise, wenn Patienten selbst kurze Strecken nicht mehr ohne einen Stock gehen können.
In einem Kommentar zu der Studie mahnte die Medizinzeitschrift allerdings zur Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse. Mangelnde Beweise für die Wirksamkeit eines Mittels seien noch kein Nachweis für dessen Unwirksamkeit. Für viele Pharmakonzerne sind Interferon-beta-Präparate schließlich große Umsatzbringer. (APA/red, derStandard.at, 18.7.2012)
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"Mangelnde Beweise für die Wirksamkeit eines Mittels seien noch kein Nachweis für dessen Unwirksamkeit."
Haha, der Satz ist doch der beste! Den möchte ich auch unter den Studien über so viele herablassend verurteilte alternative Heilmethoden und Naturheilmittel lesen :D
Die Studie ist eine "retrospektive Kohortenstudie" der MS-Patienten mit relapsing-remitting MS aus British Columbia zwischen 1985-2008. Verglichen wird mit unbehandelten MS Patienten (!!) aus der Gegenwart und mit historischen Kontrollen. IST ALSO ALLES ANDERE als ein randomized clinical trial.
ZIELKRITERIUM ist die expended disability status scale (ein wenig reliables Rating durch Experten).
RCTs nutzen oft MRTs der demyelinisierten Herde im Gehirn als "objektiver" Krankheitsparameter, weil auch EDSS sich im Verlauf stark wieder ändern kann. => Besser die Cochrane Reviews nehmen, um über Interferon was auszusagen. siehe auch den Kommentar von Kappos aus Basel:
http://jama.jamanetwork.com/article.a... id=1217217
Die Studie greift das sehr wichtige Thema auf ob eine Dauerbehandlung mit Interferon beta den Verlauf der Multiplen Sklerose positiv beeinflussen kann. Wie im Kommentar (http://jama.jamanetwork.com/article.a... d=1217217) dargelegt, scheitern die Autoren aus methodischen Gründen. Bei einer Erkrankung, die über viele Jahrzehnte verläuft und einer Therapie die ebenfalls über viele Jahre gegeben werden muss, ist es defakto unmöglich eine passende Vergleichsgruppe zu finden. Plazebo kontrollierte Studien sind schon aus ethischen Gründen über diese Zeiträume nicht möglich. Dieses Dilemma gilt übrigens nicht nur für die "alten" Interferonpräparate sondern auch für neuere Therapien wie etwa das im Artikel erwähnte Fingolimod (Gilenya).
Hm, meiner bescheidenen Meinung nach stimmt die Studie. Bei allen mir bekannten mit MS, inkl. mir selbst, wurde relativ schnell (meistens im Verlauf von 2-3 Jahren) von Interferon-beta auf eine andere Behandlung umgestellt weil sich an der Häufigkeit der Schübe eigentlich nichts geändert hat.
"Für viele Pharmakonzerne sind Interferon-beta-Präparate schließlich große Umsatzbringer."
Bei €2k/Monat/Patient ist es wohl leider logisch das es denen egal ist obs jetzt wirklich hilft oder nicht...
Wenn Sie nachlesen würden, dann könnten Sie genau feststellen, wer die Studie finanziell unterstützt hat. (Gehört zum Standard solcher Artikel!):
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This study was s upported by grant MOP-93646 from the Canadian Institutes of Health Research (CIHR; principal investigator: Dr Tremlett) and grant RG 4202-A-2 from the National Multiple Sclerosis Society (NMSS; principal investigator: Dr Tremlett).
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In Zukunft also gehaltvollere Beiträge bitte!
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