70.000 Weltumrundungen mit der Nagelpistole und andere Vergleiche

18. Juli 2012, 13:56
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Supercomputer "SuperMUC" geht am Freitag in Betrieb - er ist der schnellste Rechner Europas

Garching - Am Freitag geht "SuperMUC", der neue Höchstleistungsrechner des Leibniz-Rechenzentrums (LRZ) nahe München offiziell in Betrieb. Der schnellste Rechner Europas, die Nummer 4 weltweit, braucht 500 Quadratmeter Platz, wiegt 100 Tonnen und hat eine Spitzenleistung von drei Petaflops.

Für diese Leistung haben die Verantwortlichen einige mehr oder weniger anschauliche Vergleiche parat: IBM verglich sie mit der kaum vorstellbaren Situation, dass drei Milliarden Menschen mit Taschenrechnern jeweils eine Million Berechnungen pro Sekunde ausführen. Einen anderen Vergleich für die gigantische Kapazität gab der LRZ-Direktoriumsvorsitzende Arndt Bode: "Wenn man eine Maschine hätte, die Nägel mit einem Millimeter Kopfdurchmesser einschlägt, könnte diese Maschine die Welt in einer Sekunde 70.000 Mal umrunden."

Mögliche Einsatzgebiete

Forscher aus 24 Ländern Europas werden die neue IBM-Anlage nutzen. Über die Zulassung entscheidet ein internationales Gremium. "Die Simulation hat sich neben der Theoriebildung und dem Experiment als dritte Säule der Wissenschaft etabliert", so Schavan. "Höchstleistungsrechnen hat damit die Art des Forschens verändert und die Entwicklung von Produkten vereinfacht."

Supercomputer berechnen Klimaveränderungen, Auswirkungen von Katastrophen wie Erdbeben oder Modelle zu den Bewegungen unter der Erdkruste. Sie können darstellen, was im Weltall nach dem Urknall geschah. Die Theorie über dunkle Materie und dunkle Energie im All ließ sich nur mit ihrer Hilfe untermauern.

Auch Gensequenzen oder hochkomplexe Protein-Strukturen werden erforscht, bedeutsam bei der Bekämpfung von Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson. Die Funktionsweise von Organen wie der Lunge kann minuziös nachempfunden werden - ein Schritt, um etwa Schädigungen bei der Beatmung schwer kranker Patienten zu vermeiden. In der Verkehrstechnik arbeiten Forscher und Hersteller zusammen, um leisere Flugzeugturbinen zu entwickeln. Und beim Auto wird laut Bode fast alles simuliert von der Spritreduktion bis zu Klimaanlagen, die bei den Fahrgästen kein Zuggefühl produzieren.

Spezial-Kühlung

Mit einer ungewöhnlichen Methode spart der neue Rechner viel Energie: "SuperMUC" wird mit rund 40 Grad warmem Wasser gekühlt. "Die Chips laufen noch korrekt bei 70 oder 80 Grad", erklärte Bode. "Wegen der höheren Wärmekapazität führt Wasser die Wärme besser ab als Luft." Während klassische Rechenzentren 50 bis 100 Prozent ihres Energiebedarfs zusätzlich für die Kühlung brauchen, sind es beim "SuperMUC" zehn bis maximal 20 Prozent zusätzlich. 850.000 Euro Energiekosten sollen so pro Jahr gespart werden. (APA/red, derStandard.at, 11. 7. 2012)

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