Nomos und Otkritie vor Fusion

18. Juli 2012, 13:34
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In Russland wollen die Eigentümer der Banken Nomos und Otkritie das zweitgrößte private Kreditinstitut des Landes schaffen

Wie die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf russische Medien am Mittwoch berichtete, sind Gespräche über eine Fusion weit vorangeschritten. "Diese Woche wird entscheidend. Es gibt Einvernehmen über alle wichtigen Punkte", werden Verhandlungskreise zitiert.

Durch den Zusammenschluss würden die beiden Banken zur zweitgrößten Privatbank Russlands - nach der von Milliardär Michail Fridman kontrollierten Alfa-Bank. Die Initiatoren erhoffen sich davon bessere Chancen im Wettbewerb mit den Staatsbanken Sberbank und VTB.

Rückzug westlicher Banken

Staatliche Banken kontrollieren (gemessen am Bilanzvolumen) mehr als die Hälfte des russischen Bankenmarkts. Westliche Banken wie HSBC, Barclays und Santander haben sich bereits frustriert aus Russland zurückgezogen. Zu den führenden Banken aus dem Westen zählt die russische Tochterbank der Raiffeisen Bank International (RBI).

Die börsennotierte Nomos-Bank (Bilanzsumme: umgerechnet 11,4 Mrd. Euro) ist die Nummer 13 unter Russlands Banken, Otkritie mit 3,8 Mrd. Euro Bilanzvolumen Nummer 32.

Kritische Masse gewinnen

Beide Häuser wollen kritische Masse gewinnen, um im Massenkundengeschäft sichtbarer zu werden. Privatbanken, die aufs Kundengeschäft zielen, haben es schwer im Wettbewerb mit staatlichen Finanzinstituten. Denn das wissen die Russen: Fehlt Geld, so schießt der Staat nach - so geschehen zuletzt 2011 bei der Übernahme der Bank of Moscow, an der sich die VTB zu verheben drohte.

Von den rund 1.000 privaten Banken in Russland bedienen die meisten konkrete Interessen eines Unternehmers. Die Finanzkrise 2008 hat die Russen in ihrem Misstrauen bestätigt, schreibt die Zeitung. Eine Reihe von Banken rutschte durch riskante Kredite in Schieflage, darunter auch die Bank Otkritie (bis 2008 noch Russische Entwicklungsbank). Damals stieg die russische staatliche Agentur für Einlagensicherung mit 24,2 Prozent ein. In der Folge kam die Weltbanktochter International Finance Corporation (IFC) als Aktionär mit 14 Prozent dazu. Die Einlagensicherung will ihren Anteil verkaufen.

Bisher gescheitert

Nomos hat bereits mehrere Banken aufgekauft. In diesem Jahr soll so die Übernahme der sibirischen BKM für insgesamt knapp 500 Mio. Euro abgeschlossen werden. Nomos gehört mehrheitlich der Gruppe East um den Milliardär Alexander Nesis. Weiterer Großaktionär ist die tschechische Gruppe PPF von Milliardär Petr Kellner. PPF ist in Russland mit der Home Credit and Finance Bank vertreten, die sich auf Verbraucherkredite spezialisiert hat. Versuche, diese beiden Banken zusammenzuführen, sind laut FTD aber bisher gescheitert. (APA, 18.7.2012)

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