Anschlag trifft inneren Führungszirkel des syrischen Regimes

18. Juli 2012, 21:03
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Attentäter sprengte sich bei Treffen von hohen Militärs in die Luft - Mit Assef Shawkat stirbt das erste Familienmitglied von Bashar al-Assad - Oppositionsaktivisten: Präsidentenmaschine gestartet

Bei einem Bombenanschlag in der syrischen Hauptstadt Damaskus sind nach offiziellen- und nach Rebellenangaben Verteidigungsminister Daoud Rajha und Assef Shawkat, der mächtige Schwager von Präsident Bashar al-Assad, getötet worden. Der Sprengsatz sei bei einem Treffen von Ministern und Vertretern der Sicherheitskräfte explodiert, berichtete der amtliche Fernsehsender am Mittwoch. Die Tat gehe auf "Terroristen" zurück. Der Anschlag bestärke die Armee darin, "das Vaterland von den Resten der terroristischen Banden zu säubern", teilte das Militär mit. Zum Nachfolger Rajhas wurde Fahad Jassim al-Freij ernannt.

Auch der Tod von General Hassan Turkan Turkmani, der die Aufstandsbekämpfung leitete, wurde gemeldet. Unklar war zunächst der Zustand des Innenministers Mohammed Ibrahim al-Shaar. Mehrere arabische Sender meldeten seinen Tod. Dem Staatsfernsehen zufolge war er verletzt, aber stabil. Auch der Leiter der Behörde für Nationale Sicherheit, Hisham Ikhtiar, wurde demnach verletzt. Er gilt als eine der treibenden Kräfte bei der Repression gegen syrische Rebellen.

Weitere Explosionen

Der Anschlag richtete sich gegen ein Treffen von Kabinettsmitgliedern und ranghohen Vertretern der Sicherheitsdienste im Gebäude der Nationalen Sicherheit. Es soll sich um einen Selbstmordattentäter gehandelt haben, vielleicht ein Leibwächter.

Zu dem Anschlag bekannten sich zwei Gruppen: Die islamistische Rebellenorganisation Liwa al-Islam (Banner des Islam) erklärte auf ihrer Facebook-Seite, man habe das Krisenkontrollzentrum in Damaskus angegriffen. Die Erklärung wurde von einem Sprecher der Gruppen bestätigt. Die Freie Syrische Armee (FSA), in der Rebellen lose zusammengeschlossen sind, bekannte sich über einen Sprecher ebenfalls zu dem Anschlag.

Nach dem Anschlag gab es in Damaskus weitere Explosionen. Anrainer berichteten am Mittwoch von fünf Detonationen im nordwestlichen Hauptstadtbezirk Muhajireen. Die Basis wird von einer Division genutzt, die von Assads Bruder Maher geführt wird.

Schlachtfeld Damaskus

Der Aufstand gegen Assad war vier Tage zuvor auch in Damaskus voll ausgebrochen. Das Staatsfernsehen berichtete am Mittwoch von Kämpfen gegen die "Terroristen". Die Rebellen hatten eine "Schlacht zur Befreiung" von Damaskus angekündigt. In der Nacht zum Mittwoch kam es Aufständischen zufolge zu Kämpfen in vier südlichen Bezirken. Am Morgen griffen Rebellen nach eigenen Angaben eine große Kaserne im Stadtteil Dummar an. Dummar ist wenige Hundert Meter vom Präsidentenpalast entfernt. Arabische TV-Stationen berichteten von der Erstürmung einer Polizeistation.

Dennoch sind Experten weiter der Meinung, dass eine militärische Niederlage des Regimes noch nicht nahe sei. Die syrische Armee ist den Rebellen noch immer klar überlegen. Der in Istanbul lebende syrische Oppositionelle Fawas Tello sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Kämpfer in Damaskus würden vermutlich Probleme bekommen, ihren Nachschub aufrecht zu erhalten. "Irgendwann müssen die Rebellen vielleicht einen taktischen Rückzug einleiten, wie in anderen Städten", sagte er.

Die USA meinen, dass die syrische Opposition in dem nun 16 Monate dauernden Aufstand an "Momentum" gewinne, während das Assad-Regime "die Kontrolle über Syrien verliert", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. US-Präsident Barack Obama und Russlands Präsident Wladimir Putin telefonierten am Mittwoch zur Situation in Syrien.

Syrische Aktivisten berichteten unter Berufung auf Militärkreise, dass Assads Präsidentenmaschine vom Militärflughafen Messe in Damaskus mit unbekanntem Ziel gestartet sei. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite gab es dafür nicht. (red, DER STANDARD, 19.7.2012)

  • Daud Rajha (Mi.) bei einem Treffen am 10. Juli.
    foto: epa

    Daud Rajha (Mi.) bei einem Treffen am 10. Juli.

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    Assads Schwager Assef Shawkat.

  • Der Sprengsatz explodierte bei einem Treffen von Ministern und Vertretern der Sicherheitskräfte.

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