Mladic-Wächter sollen vier Soldaten ermordet haben

18. Juli 2012, 12:10
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Während der Jahre des mutmaßlichen Kriegsverbrechers in Verstecken in Serbien

Belgrad/Sarajevo - Die Wächter des u.a. wegen Völkermordes angeklagten, ehemaligen Militärchefs der bosnischen Serben, Ratko Mladic, soll vier serbische Soldaten ermordet haben, weil sie den Flüchtigen zu Gesicht bekommen hatten. Dies berichtete die Tageszeitung "Nezavisne novine" am Mittwoch unter Berufung auf ein Schreiben, welches die Familienangehörigen der Opfer kürzlich erhalten haben. Das Schreiben war vom "einstigen Wachdienst der Haager Angeklagten" unterzeichnet. Namen wurden keine angegeben.

In der serbischen Öffentlichkeit wird seit Jahren spekuliert, dass die nicht aufgeklärte Ermordung zweier Soldaten in einer Belgrader Kaserne im Oktober 2004 wahrscheinlich dem Umfeld Mladics zuzurechnen sind. Es hieß, dass die zwei Soldaten Mladic gesehen hätten und deswegen erschossen wurden.

In dem Schreiben, das die bosnische Tageszeitung nun brachte, hieß es, Mladic und andere Angeklagte des Haager UNO-Kriegsverbrechertribunals hätten sich am 1. April 2001 in der Residenz des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic versteckt, als dieser festgenommen worden war. Ein Soldat, der sie gesehen habe, sei schon damals in der Folge umgebracht worden. Seine Leiche wurde später auf einem Eisenbahngleis in einem Belgrader Vorort gefunden. Dem Wachdienst von Mladic wird auch der Tod eines vierten Soldaten im August 2004 im südserbischen Leskovac zugeschrieben. Dort soll sich Mladic in einer Militärkaserne versteckt haben.

Der serbische Sonderstaatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, hat Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Schreiben angekündigt, nachdem Familienangehörige der Opfer den Erhalt bekanntgeben hatten. Er sagte aber nichts über den Inhalt der Briefe. Vukcevic erklärte später, dass die bisherigen Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft nicht in die Richtung der Angaben aus dem Schreiben gingen.

Serbische Behörden hatten wiederholt behauptet, dass sich Mladic bis Anfang 2002 in mehrerem Militärkasernen versteckt hielt. Später soll er sich auch in diversen Privatwohnungen aufgehalten haben. Der Haager Angeklagte wurde im Mai 2011 in einem Dorf in der Vojvodina im Haus eines nahen Verwandten festgenommen. Mladic hat sich vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien in elf Anklagepunkten wegen Völkermordes in Srebrenica und weiteren sieben bosnischen Gemeinden, wegen des Beschusses von Sarajevo, der Geiselnahme von UNO-Soldaten und anderer Kriegsverbrechen zu verantworten. (APA, 18.7.2012)

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