Teuerung ist größte Sorge der Österreicher

18. Juli 2012, 11:49

Zwei Drittel fürchten Anstieg der Lebenshaltungskosten. Das sind um 21 Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr

Wien - Vorsichtig optimistisch blicken die Österreicher in die Zukunft. Laut aktueller Generali-Studie über die Zukunftsängste 2012 gaben 77 Prozent der Bevölkerung an, wenig bis gar keine Angst zu haben. Im Vorjahr waren es 79 Prozent. Dennoch ist die Unsicherheit wieder größer geworden: So fühlen sich die Österreicher von allen abgefragten Risiken stärker bedroht als vor einem Jahr. Die Teuerung ist die größte Sorge.

Seit der ersten Erhebung 2005 haben sich die Österreicher noch nie um ein Risiko so gesorgt, wie aktuell um den Anstieg der Lebenshaltungskosten - 67 Prozent fühlen sich dadurch in ihrer Existenz bedroht (bei den Frauen sogar 70 Prozent). Das sind um 21 Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr. 2011 gab es nur einen Wert (schwere Krankheit) mit 50 Prozent.

Krankheit und Umweltverschmutzung

Jeweils 57 Prozent fürchten sich vor einer schweren Krankheit und der globalen Umweltverschmutzung. Beschäftigte die Österreicher im Vorjahr sehr stark das Risiko eines Atomunfalls (nach der Katastrophe von Fukushima) und eines Pflegefalls, sind diese Themen aktuell nicht so präsent. Dafür haben die Kürzungen der staatlichen Gesundheits- (56 Prozent) und Sozialleistungen (55 Prozent) wieder an Bedeutung gewonnen. Ebenso bereitet die Verschlechterung der Wirtschaftslage mit 55 Prozent deutlich mehr Sorgen als in der Vergangenheit (2011: 38 Prozent).

37 Prozent gaben an, gegenüber 2011 weniger Geld zur Verfügung zu haben. Bei knapp jedem zweiten Österreicher (47 Prozent) ist das Budget gleichgeblieben. Im Geschlechtervergleich sind die Frauen mit einer Ausnahme weitaus ängstlicher als die Männer: Bei der Angst vor Verschuldung bzw. Zahlungsunfähigkeit eines EU-Landes liegen die Männer mit 46 Prozent knapp vor den Frauen (44 Prozent).

Sehr optimistisch blicken die 25- bis 30-Jährigen in die Zukunft. In dieser Altersgruppe geben 81 Prozent der Befragten an, wenig bis gar keine Angst vor der Zukunft zu haben. Bei den 15- bis 24-Jährigen sind es lediglich 74 Prozent. Was die Bundesländer betrifft, blicken die Vorarlberger am gelassensten nach vorne - 84 Prozent haben grundsätzlich wenig bis gar keine Angst vor der Zukunft. Danach folgen die Tiroler und Salzburger mit je 79 Prozent. Deutlich unter dem Österreich-Durchschnitt von 77 Prozent liegt das Burgenland: Hier blicken lediglich 68 Prozent ohne Angst und Sorge in die Zukunft. (APA, 18.7.2012)

Von diesen Risiken fühlen sich die Österreicher laut Generali-Umfrage bedroht bzw. haben Angst davor:

1. Anstieg der Lebenshaltungskosten 67% (2011: Platz 2, 46%)

2. Schwere Krankheit 57% (2011: Platz 1, 50%)

Globale Umweltverschmutzung 57% (2011: Platz 5, 43%)

4. Kürzung der Gesundheitsleistungen 56% (2011: Platz 7, 42%)

5. Kürzung der Sozialleistungen 55% (2011: Platz 9, 38%)

Verschlechterung der Wirtschaftslage 55% (2011: Platz 9, 38%)

7. Ein Pflegefall sein 54% (2011: Platz 3, 44%)

8. Währungskrise 49% (2011: Platz 9, 38%)

9. Kürzung der staatlichen Pension 48% (2011: Platz 8, 40%)

Einen Pflegefall in der Familie haben 48% (2011: Platz 5, 43%)

11. Atomunfall 47% (2011: Platz 3, 44%)

Höhere Steuern 47% (2011: Platz 17, 33%)

13. Lokale Umweltverschmutzung 45% (2011: Platz 20, 30%)

Klimawandel 45% (2011: Platz 9, 38%)

Zahlungsunfähigkeit eines EU-Landes 45% (2011: Platz 19, 31%)

Studie

Im Rahmen der Studie wurden 1.372 Österreicherinnen und Österreicher ab 15 Jahren im Juni von einem Markt- und Meinungsforschungsinstitut befragt.

Kommentar posten
23 Postings
Statistik

Ein flüchtiger Blick auf die erhobenen Werte zeigt, dass das Gesamtniveau der Ängste gestiegen ist. Seriöserweise müsste man prüfen, ob das mit der Erghebungsmethode zusammenhängt. Dazu müsste amn die Gesamtdaten der Erhebungen vorliegen haben.
Dann kann man sagen, ob das allgemeine Niveau aller Sorgen angestiegen ist oder z.B nur ängstlichere Leute interviewt wurden.

Unser Bundeskanzler arbeitet ja auch brav daran, dass diese Angst Realität wird, indem er die Südländer-Linie fährt, also die Wirtschaftskrise über Inflation lösen will.

so lange 1/4 der verzehrfähigen lebensmittel

auf dem müll landet, und auf den straßen weiter brav tempogebolzt wird, brauchen wir uns vor teuerungen nicht fürchten...

Sorry, bei mir kommt genau NULL in den Müll, das nicht verdorben ist.

Macht also schon was aus, wenn die Preise steigen.

ein schritt in die richtige richtung

die verbannung von mehrpack-lockangeboten, siehe
http://derstandard.at/134213940... k-Angebote

1/4 ?!
Ich will nicht widersprechen, aber woher haben Sie diese Zahl? Ich nehme an, da ist Nahrungsvernichtung durch die EU zur Preisregulierung eingerechnet?
Die ((untere)) Mittelschicht kann sich so eine Vergeudung jedenfalls sicher nicht leisten.

aus meinem Bekanntenkreis:

hohe Einkommen:
keine Angst vor nix (hast ein Problem, schmeiß' Geld drauf)

niederes Einkommen:
hast ein Problem, dann ist das bedrohend.

mir bereitet allgemeine suderei sorgen.

Hochinteressant das Schwerpunktthema

in der 'Wiener Zeitung' vom Dienstag über die Hintergründe der Kurs- und Preisgestaltung. Daß das mit 'Markt' schon lange nichts mehr zu tun hat, war schon vielen klar. Jetzt beginnt man es auch langsam zu publizieren.

hab's jetzt gelesen: dass preise fiktiv sind, überrascht es wirklich? ist nicht alles fiktion?

Schon,

aber wie oft bekommt man besonders hier in den Foren den 'Markt' um die Ohren gehaut, wenn man auf die Manipulationen hinweist: Z.B. bei den Benzinpreisanstiegen vor Feiertagen, wenn die Läger bersten. Und daß Lebensmittel an den Zockerbörsen nicht längst verboten sind, ist einfach menschenverachtend! Sollen sie doch auf Gold wetten, soviel sie wollen, Menschen aber in den Hungertod zu zocken, ist Mord. Zuerst werden wir aufs Auto programmiert, dann wird abgegriffen. So gehts mit allem.

Nein, aber es wird immer schwerer die Dinge unabstrahiert zu sehen.
Einfach Augen auf und von allem was sie sehen die Etiketten runterreissen, die das "Sortiergehirn" draufgeklebt hat.
Das befreit übrigens auch von Angst .-)

Dann werden sie in Österreich ein sorgenvolles Leben haben ;-)

ich gebe mein bestes um gegenzusteuern, aber man verändert halt nicht die welt von heute auf morgen. ;)

Warum die Befindlichkeiten der Österreicher unter "Wirtschaft" geführt werden, ist mir schleierhaft.

weißt eh - gehts der wirtschaft gut undsoweiter.....

Vor der Inflation brauchen wir uns nicht zu fürchten, ...

..... den die Lohnabschlüsse liegen immer deutlich darüber, so dass jedes Jahr ein Körberlgeld übrigbleibt. Die Pensionisten sind davon leider die Ausnahme.

Nur was hilft einem die inflationserhöhung wenn sich die realen notwendigen dinge wesentlich mehr erhöhen. Von einem urlaub, einem neues computer, einem auto o.ä. Träume ich nicht mal mehr. Und dass ich in der realität in der woche um 50% mehr ausgebe als vor 2 Jahren ist tatsache - ich führe haushaltsbuch um zu sehen WO das Geld bleibt. Und DAS macht mir schon sorgen

Einen dümmeren und maximal falschen Spruch ist Ihnen wohl nicht mehr eingefallen.

Die Lohnerhöhungen regeln sich nämlich an der Produktivitätssteigerung.

Nein, tut mir Leid!

Die Lohnerhöhungen haben als Basis die Inflationsrate. Was darüber hinaus geht wird mit dem Anteil der Arbeitnehmer an der Produktivitätssteigerung argumentiert (bzw Wirtschaftswachstum). Benya Formel: Inflation plus halbes Wirtschaftswachstum. Nachdem unsere Gewerkschaften konservativ ausgelegt sind, bleiben sie an diesem Mechanismus wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit haften.

wär ja hübsch, bloß schaut die Realität anders aus.

Es fängt damit an, daß die Über-KV Verträge meist durch den Rost fallen. Okay, die verdienen eh soviel .... und können ja auch selbst verhandeln.

Und zahlen Sie mal eine Wohnung mit dem KV-Gehalt. Vielleicht als Alleinverdiener - oder Gott bewahre, gar als Single - nicht so wirklich lustig. Dummerweise steigen die Wohnungskosten ein bischen mehr als die Löhne. Noch nicht berücksichtigt Zeiten der Arbeitslosigkeit.

Niederlage

Dieses Ergebnis bedeutet eine Niederlage des Boulevard: Obwohl "Krone","heute","Österreich" und der ORF alles tun, um ihre Leserschaft täglich mit Angst-Meldungen zu beliefern - vorwiegend um EU und EURO - haben die Leute immer noch relativ wenig Angst. Oder war die Stichprobe verzerrt, wurden vielleicht nur STANDARD-Leser befragt? In diesem Fall muss es sich aber um andere Personen als die FORUM-Postler handeln.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.