Ermittlungen gegen Anton Schlecker wegen Untreue

18. Juli 2012, 13:04
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Der Zusammenbruch des Drogerie­imperiums ruft die Justiz auf den Plan. Die Staatsan­waltschaft ermittelt insgesamt gegen 14 Beschuldigte

Stuttgart - Der Zusammenbruch der Drogeriemarktkette Schlecker in Deutschland hat die Justiz auf den Plan gerufen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Es gehe um den Verdacht auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott, sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Stuttgart. Zudem würden seit den Morgenstunden 18 Wohnungen und vier Geschäftsräume in ganz Deutschland durchsucht. 

Herbe Vorwürfe

Die Justiz verdächtigt Schlecker gleich mehrerer Straftaten. Da ist einmal die Insolvenzverschleppung, die eine Insolvenz, die "nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig" bei Gericht angezeigt wird, ahndet. Laut deutschem Recht ist dieser Straftatbestand aber nicht auf die Schlecker-Dachgesellschaft anwendbar - die einem eingetragenen Kaufmann (e.K.) entspricht -, sondern nur auf Tochterfirmen wie Ihr Platz und Schlecker XL.

Der Vorwurf des Bankrotts wiederum könnte sich als nicht so zahnlos herausstellen. Der auf diesen Name hörende Straftatbestand ahndet die Verheimlichung bzw. das Verschwinden von Vermögenswerten, die in eine mögliche Insolvenzmasse fallen würden. Er greift bei "Überschuldung oder bei drohender oder eingetretener Zahlungsunfähigkeit" und führt maximal eine fünfjährige Haftstraße mit sich.

Untreue schließlich ist Missbrauch jener Macht, die man über ein bestehendes Vermögen hat. Bei dem Geschäftsführer einer Firma kann das zum Beispiel der Fall sein, wenn er Firmenvermögen unter Wert verkauft und so nicht den Gegenwert erzielt, wie es seine Pflicht gewesen wäre. Es drohen fünf Jahre Haft oder Geldstrafen.

Schlecker hat Vergleich angeboten

Nun werden mehrere Vorfälle darauf überprüft. Einer davon ist der mutmaßliche Verkauf einer millionenschweren Immobilie durch Schlecker an seine Kinder noch kurz vor Insolvenzanmeldung. Daher soll sie nicht Teil der Insolvenzmasse geworden sein. Und obwohl die Gründerfamilie weiterhin ein Vermögen von rund 40 Millionen Euro besitze, sei Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz vor dem Beschluss zur Zerschlagung noch mit seiner Bitte um einen finanziellen Beitrag abgeblitzt. Die Familie sei "entweder nicht bereit oder nicht in der Lage" gewesen, diese Summe zu zahlen, sagte Geiwitz zum "Spiegel".

Nach dem Zerschlagungsbeschluss sollen die Schleckers Geiwitz aber einen Millionenvergleich angeboten haben, wie die "Stuttgarter Nachrichten" schon vor zwei Wochen berichteten. Die Summe der Vermögensverschiebungen, die Geiwitz theoretisch einfordern könnte, soll demnach zwischen fünf und zehn Millionen Euro liegen. In diesem Rahmen liege auch das Vergleichsangebot der Familie. Die Forderungen der Gläubiger belaufen sich insgesamt auf 750 Millionen Euro. 

Strafverfahren möglich

"In unserer Vorprüfung hat sich ein Anfangsverdacht bestätigt", sagte Staatsanwältin Claudia Krauth. Durchsucht wurden drei Firmenräume in Baden-Württemberg und ein Geschäftsraum in der Region Osnabrück. Die durchsuchten Wohnungen liegen nach den Angaben vor allem im Südwesten, zudem wurden private Wohnräume in Berlin, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen durchsucht. Die Durchsuchungen mit 160 Ermittlern sollten den ganzen Tag dauern.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte Mitte Juni Vorprüfungen aufgenommen, ob die Schlecker-Pleite mit Straftatbeständen in Verbindung steht. Sollte es zur Anklage kommen, wäre Anton Schlecker bereits zum zweiten Mal in seinem Leben vor dem Kadi. Denn schon in den 1990er Jahren waren seine Frau Christa und er wegen falscher Lohnabrechnungen bei Schlecker-Verkäuferinnen verurteilt worden. (APA/red, derStandard.at, 18.7.2012)

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    Anton Schlecker gründete die gleichnamige Drogeriekette 1975.

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