Aufregung um Aussagen zu Amstettner Frauenhaus von FPÖ-Stadträtin

18. Juli 2012, 11:21
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FP-Politikerin Kashofer: Frauenhäuser an Zerstörung von Ehen und Partnerschaften maßgeblich beteiligt - Heinisch-Hosek, VP-Niederösterreich und Grüne empört

Wien - Für Aufregung sorgt eine Aussage der Amstettner FPÖ-Stadträtin Brigitte Kashofer über Frauenhäuser. Auf der Website der Amstettner FPÖ hat sie anlässlich der blauen Ablehnung der Subventionierung des örtlichen Frauenhauses und der Frauenberatung am Wochenende erklärt, Frauenhäuser seien "an der nachhaltigen Zerstörung von Ehen und Partnerschaften maßgeblich beteiligt". Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zeigte sich am Mittwoch über die Aussagen ebenso empört wie die VP-Niederösterreich und die Grünen.

Nachhilfe in Menschlichkeit

"Ich bin erschüttert und zutiefst empört über die Aussagen der FPÖ Amstetten. Die FPÖ braucht dringend Nachhilfe in Mitmenschlichkeit", so die Ministerin. "Denn dass Frauenhäuser Ehen zerstören, diese Aussage kann nur jemand machen, der keine Ahnung hat, was diese Frauen in ihrem Leben schon durchgemacht haben."

Niemand würde in ein Frauenhaus "aus Jux und Tollerei" gehen, so die Ressortchefin. Vielmehr müssten die betroffenen Frauen vor Gewalt, vor Verletzung und Ausbeutung flüchten. "Das zu verleugnen, das ist nicht nur zynisch, das ist zutiefst verletzend und frauenverachtend." Sie erwarte sich eine Klarstellung der Bundes-FPÖ, so die Ministerin. "Denn Gewalt gegen Frauen derart zu verharmlosen, das ist schlichtweg inakzeptabel." 

Bundes-FPÖ: Subventionsbetrag kritisiert

Die Bundes-FPÖ reagierte am Mittwoch tatsächlich mit einer Relativierung: Die Partei lehne Frauenhäuser als Institutionen mitnichten ab. "Niemand in der FPÖ hat etwas gegen Frauenhäuser", wurde in einer Aussendung der freiheitlichen Pressestelle festgehalten. In der Debatte über die Aussagen der Amstettner FP-Politikerin Brigitte Kashofer gehe es "einzig um die Finanzierung in der Höhe von 8.000 Euro, die die Freiheitlichen aus guten Gründen abgelehnt haben".

Kashofer hatte im aktuellen "Freiheitlichen Gemeindekurier" laut einem Bericht des STANDARD vom Wochenende darüber hinaus Frauenquoten und "staatlich subventionierte Frauenförderprogramme" als "Ungeheuerlichkeiten" bezeichnet. Auf ihrer Website forderte sie, die Stadt möge das für die Förderung des Frauenhauses und der Frauenberatung vorgesehene Geld in eine Eltern- und Familienberatung investieren, in denen Väter und Mütter sitzen sollten - "und nicht willfährige, ahnungslose oder gar parteipolitisch motivierte Soziologie- und Psychologiestudenten".

Rücktrittsforderung

Kritik an den Aussagen Kashofers kam auch von der für Frauenfragen zuständigen Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP): "Auf dem Rücken der von Gewalt bedrohten Frauen und Kinder in unserem Land darf kein politisches Kleingeld gemacht werden", erklärte sie via Aussendung. Frauen, die Schutz für sich und ihre Kinder suchen, würden in Niederösterreich "jede nur erdenkliche Unterstützung" erhalten, betonte sie.

Für den Amstettner Grünen Gemeinderat Thomas Huber und Landesgeschäftsführer der Grünen Niederösterreich hat Kashofer "den Bogen endgültig überspannt", sie müsse "sofort zurücktreten", so seine Forderung in einer Aussendung. (APA, 18.7.2012)

Wissen

Das erste Frauenhaus in Österreich hat 1978 seine Pforten geöffnet. Mittlerweile gibt es in ganz Österreich 30 solche Einrichtungen mit rund 750 Plätzen. Frauenhäuser stehen Frauen als Zufluchtsstätten in Krisensituationen offen. Männer haben keinen Zutritt, flüchten die Betroffenen doch überwiegend vor ihren gewalttätigen Partnern. Geschätzte 3.000 Personen fanden 2011 Schutz in solchen Häusern, wobei eine österreichweite Gesamtstatistik nicht vorliegt.

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