Medaillen, Glück und Gespür

18. Juli 2012, 11:03
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Das braucht eine Sportlerin, um populär zu werden, meint Elisabeth Max-Theurer vom Olympischen Komitee - In London gibt es erstmals Frauenbewerbe in allen Sportarten

Wien - Das Frauen-Boxen hat bereits vor den Olympischen Spielen in London einen K.o.-Sieg gefeiert. Mit der Aufnahme ins Olympia-Programm wurde auch die letzte Sportart bei Sommerspielen beseitigt, in der bisher nur Männer um Medaillen kämpfen durften. Erstmals in der Olympia-Geschichte dürfen zudem Sportlerinnen aus Saudi-Arabien, Katar und Brunei zu den Spielen. Damit wird jedes Land der Welt einmal mit Frauen bei Olympia vertreten gewesen sein.

Männerdisziplinen weiterhin in der Mehrheit

Beide Fakten verbucht das Internationale Olympische Komitee (IOC) als Erfolg für sich, das sich die Gleichberechtigung als eines der obersten Gebote auf die Fahnen geheftet hat. Gegeben ist sie aber nicht überall. Auch in London werden in mehr Männer- als Frauen-Disziplinen Medaillen vergeben - 162 gegenüber 132. Vor vier Jahren in Peking hatte das Verhältnis 165:127 gelautet, damals waren 42 Prozent der teilnehmenden SportlerInnen weiblich. Im US-Team befinden sich diesmal erstmals mehr Damen als Herren.

Quote beim IOC seit längerem Thema

"Die Talsohle ist schon durchschritten, in den letzten Jahren ist viel passiert", erinnerte Elisabeth Max-Theurer. "Wir sind auf dem richtigen Weg." Die Dressurreit-Olympiasiegerin von Moskau 1980 ist als Beirat für Frauenfragen die einzige Frau im gewählten Vorstand des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC). Im IOC sind 20 von insgesamt 105 Mitgliedern weiblich. Schon für 2005 war von IOC-Präsident Jacques Rogge eine 20-Prozent-Quote angestrebt gewesen.

Eine Freundin von Quotenfrauen ist Max-Theurer nicht. "Nur um der Frau wegen eine Frau einzusetzen, das hat auch keinen Sinn", sagte die 55-Jährige. Gerade im Spitzensport hätten Frauen aber mittlerweile die Chance, ernst genommen zu werden. "Die Grundlage bildet immer der Erfolg. Wenn eine Frau erfolgreich ist, dann kann sie sich genauso vermarkten wie ein Mann", meinte Max-Theurer, deren Tochter Victoria eine von 31 Sportlerinnen im ÖOC-Team für London ist. Dem stehen 39 nominierte Männer gegenüber.

Medaillen, Glück und Gespür

"Eine Medaille macht einen Menschen populär", erinnerte Olympiasiegerin Max-Theurer. "Das kann Türen öffnen, aber man benötigt auch Glück und Gespür. Und man muss die nötige Härte haben." Härte, die Frauen lange nicht zugetraut worden ist. Bei Olympia 1900 in Paris waren erstmals Athletinnen zugelassen, von der Leichtathletik waren sie aber bis 1928 ausgeschlossen. Vor 100 Jahren in Stockholm etwa durften Frauen nur an fünf von 110 Bewerben teilnehmen.

Auf Druck des IOC schickt nach Katar und Brunei nun auch Saudi-Arabien zwei Sportlerinnen nach London. Die Judoka Wodjan Ali Seraj Abdulrahim Shahrkhani und die 800-Meter-Läuferin Sarah Attar erlangten mit einem Schlag Berühmtheit. "Es ist wichtig, dass auch Länder mit Kopftuch-Vorschrift Frauen die Teilnahme zu ermöglichen", betonte Max-Theurer. Ob der Sport das allgemeine Rollenbild der Frau im islamisch-konservativen Königreich verändern kann, darf aber bezweifelt werden.

Beiden Sportlerinnen wurden strenge Vorschriften mit auf den Weg gegeben, etwa die ständige Begleitung durch einen männlichen Vormund. Dazu müssen sie Wettkampfkleidung tragen, die mit den Gesetzen der Scharia vereinbar ist. Kontakt mit anderen Männern ist untersagt. Eine Geschlechter-Trennung gab es bei den Spielen einst auch in anderen Ländern, erinnerte Max-Theurer. "1980 in Moskau hatten wir streng getrennte Unterkünfte." 32 Jahre später werden in London im Olympischen Dorf 150.000 Kondome verteilt.

Männer drängen auf Synchronschwimmbewerb

Und während sich erstmals Boxerinnen in Fliegen- (bis 51 kg), Leicht- (bis 60 kg) und Mittelgewicht (bis 75 kg) duellieren, streben auch einige Männer offen nach olympischer Gleichberechtigung. In den Disziplinen Synchronschwimmen und Rhythmischer Sportgymnastik gibt es keine Herren-Bewerbe, dabei üben laut einer Interessenvertretung immer mehr Männer diese Sportarten aus. Briefe an den Schwimm-Weltverband (FINA) und das IOC sind geschrieben. In der Olympic Charter, der Niederschrift der fundamentalen Prinzipien der olympischen Bewegung, wird jegliche Form von Diskriminierung verurteilt - "unabhängig vom Geschlecht". (APA)

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    Elisabeth Max-Theurer ist Beirat für Frauenfragen im Vorstand des Österreichischen Olympischen Komitee.

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