Credit Suisse braucht gehörig mehr Eigenkapital

18. Juli 2012, 15:18
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Großbank braucht neue Eigenmittel in der Höhe von 15 Milliarden Franken und kündigt weitere Einsparungen an

Zürich - Die Schweizer Großbank Credit Suisse will ihre Kapitalbasis um mehr als 15 Mrd. Franken (12,49 Mrd. Euro) stärken. Konzernchef Brady Dougan geht damit auf seine Kritiker zu, die sein Festhalten am schwankungsanfälligen und kapitalintensiven Investmentbanking moniert hatten und dem Institut angesichts der Euro-Schuldenkrise eine zu dünne Kapitaldecke attestierten. "Mit diesen Maßnahmen beseitigen wir jeden Zweifel bezüglich unserer starken Kapitalausstattung", erklärte Dougan am Mittwoch. Zudem erzielte Credit Suisse im zweiten Quartal einen Gewinn von knapp 800 Mio. Franken. Die Anleger goutierten die Maßnahmen Dougans, der sich im Juni noch Fragen nach seinem Rücktritt gefallen lassen musste. Die Aktie stieg um gut fünf Prozent auf 18 Franken.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB), die im Juni bei der zweitgrößten Schweizer Bank angesichts der Euro-Schuldenkrise eine unzureichende Kapitalausstattung ausgemacht und damit einen Kurssturz der CS-Aktie ausgelöst hatte, lobte die nun eingeschlagenen Schritte. Diese bringen dem Institut kurzfristig schon einmal 8,7 Mrd. Franken neues Kapital. Weitere Kapitalmaßnahmen sollen dann bis Ende 2012 die Kapitaldecke um insgesamt 15,3 Mrd. Franken aufpolstern. Die Widerstandsfähigkeit der Bank steige deutlich, erklärte die SNB.

Rückendeckung von Großinvestoren

Rückendeckung erhält Dougan von einer Reihe bisheriger Großinvestoren, die bei seinen Plänen mitziehen. Investoren wie der Staatsfonds von Katar und die saudische Olayan Gruppe zeichnen Pflichtwandelsanleihen von 3,8 Mrd. Franken, die im März 2013 in Aktien gewandelt werden. Olayan, mit 6,2 Prozent schon bisher ein großer Aktionär, wandelt zudem eine sogenannte Hybrid-Anleihe vorzeitig in Coco Bonds. Neben den bisherigen konnte Dougan nach Angaben der Bank auch weitere Großinvestoren an Land ziehen. Unter anderem kommt auch der Singapurer Staatsfonds Temasek Investment neu an Bord.

Weitere 6,6 Mrd. Franken sollen bis Ende des Jahres beschafft werden. Unter anderem sollen illiquide Private-Equity-Geschäftsbereiche und Immobilien verkauft werden. Aktionäre und bonus-berechtigten Manager müssen auf Bargeld verzichten und sollen stattdessen Aktien erhalten. Substanzielle Ausschüttungen soll es nach dem Willen Dougans erst wieder geben, wenn die Bank 2013 ihre Kapitalziele erreicht hat. Kurzfristig steigt die Eigenkapitalquote auf 9,4 Prozent von sieben Prozent.

Kostensenkungsprogramm

Um den Gewinn zu verbessern sollen die Kosten stärker zurückgefahren werden als bisher geplant, kündigte der CS-Chef an. Nachdem das bisherige Ziel, die Kosten bis Ende 2013 um zwei Mrd. Franken zu senken, schon Mitte 2012 erreicht wurde, nimmt sich die Bank einen zusätzlichen Kostenschnitt um eine weitere Milliarde bis Ende 2013 vor. Das Investmentbanking soll mit 0,55 Mrd. Franken etwas stärker zusätzlich belastet werden als das Private Banking. Ob das zu weiteren Stellenstreichungen führt, wollte Dougan nicht sagen. Mit der Kostensenkung um zwei Mrd. Franken sollte der Abbau von 3.500 Stellen einhergehen. Im ersten Halbjahr nahm die Belegschaft um 1.500 auf 48.200 Mitarbeiter ab.

Im zweiten Quartal steigerte Credit Suisse den Reingewinn auf 788 Mio. Franken von lediglich 44 Millionen im ersten Quartal und 768 Millionen ein Jahr zuvor. Im Private Banking sank der Gewinn vor Steuern von 835 Mio. Franken im Vorjahr auf 775 Mio. Franken. Das Netto-Neugeld ging auf 3,4 Mrd. Franken von 11,9 Mrd. im Vorjahr zurück. Im Zusammenhang mit der Integration der bisher als eigene Einheit geführten Tochterbank Clariden Leu waren 3,4 Mrd. Franken abgeflossen. Bei der Investmentbank lag der Gewinn mit 383 Mio. Franken deutlich unter dem Vorquartal aber immerhin über den 208 Millionen, die die Bank ein Jahr zuvor geschafft hatte. Die Investmentbank soll in Zukunft etwas weniger Kapital zugeteilt erhalten. Am grundsätzlichen Geschäftsmodell will der Konzernchef trotz aller Kritik aber nichts ändern. "Das solide Ergebnis für das zweite Quartal beweist die Stärke unseres Geschäftsmodells", erklärte er. Das Modell könne auch unter erschwerten Marktbedingungen bestehen.

Positives Echo

Analysten bewerteten die Pläne der Bank weitgehend positiv. Zumindest seien Sorgen wegen einer klassischen Kapitalerhöhung vom Tisch, erklärte ZKB-Analyst Andreas Venditti. Allerdings müssten die bisherigen Aktionäre mit einer Verwässerung des Wertes ihrer Titel von 15 Prozent rechnen, bemerkte Teresa Nielsen von der Bank Vontobel. Deutliche Kritik kam von Kepler-Analyst Dirk Becker, der Verwässerungseffekte für die Altaktionäre und Schäden für die Moral der Angestellten befürchtet. Offenbar habe die Schweizerische Nationalbank mit ihrer Kritik doch recht gehabt, erklärte Sarasin-Analyst Rainer Skiera. Aus Bilanz-Gesichtspunkten seien die Schritte positiv zu bewerten. Es blieben aber Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Managements.

Die Kapitalmaßnahmen der Credit Suisse lösten Spekulationen über eine bevorstehende Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank aus. Die Aktien des deutschen Branchenprimus verloren in der Spitze 2,4 Prozent auf 24,58 Euro. "Es gibt Gerüchte, dass die Deutsche Bank eine Kapitalerhöhung planen könnte", sagte ein Händler. "Wenn die Credit Suisse ihr Kapital erhöht, denkt offenbar jeder, dass die Deutsche auch mit einer Kapitalmaßnahme kommen muss", fügte ein anderer hinzu. Die Aktien des CS-Lokalrivalen UBS sank um 0,1 Prozent auf 10,35 Franken. (APA, 18.7.2012)

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