Staatssekretär findet Ibrahimovic-Gehalt "unanständig"

19. Juli 2012, 20:49
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Schwedischer Stürmer wechselt von Milan zum PSG und verdient 15 Mio. Euro netto

Paris - Ganz Paris erliegt der Magie von "Ibrakadabra": Nachdem sich der zweimalige französische Fußball-Meister Paris St. Germain dank der Öl-Millionen seiner Besitzer den schwedischen Megastar Zlatan Ibrahimovic geangelt hat, träumen die Fans in der Stadt der Liebe bereits vom Gewinn der Champions League.

Während der Kapitän der schwedischen Nationalmannschaft gemeinsam mit seiner Familie, seinem Berater Mino Raiola, PSG-Sportchef Leonardo und dem steinreichen Klubbesitzer Nasser Ghanim Al-Khelaïf bei einem Luxusessen im noblen Hotel Le Bristol in der Nähe des Prachtboulevards Champs-Élysées den Deal feierte, überschlugen sich die Schlagzeilen der französischen Zeitungen.

Eine neue Dimension

"Géant" (Riese) titelte die Sporttageszeitung L'Équipe auf Seite eins, der Figaro schrieb: "Paris wird definitiv in eine neue Dimension treten." Andere Blätter feierten den 30 Jahre alten Torjäger in ihren Schlagzeilen als "Heiliges Monster", "Genie", "Magier" oder sogar als "Messias".

Ibrahimovic wurde am Mittwochmittag im Pariser Prinzenpark vom französischen Vizemeister offiziell vorgestellt und unterschrieb einen mit jährlich rund 15 Millionen Euro netto dotierten Dreijahresvertrag. "Ich bin glücklich, dass der Wechsel geklappt hat. Wir haben eine Menge vor und können mit Paris etwas ganz Großes erreichen. Es ist ein neues Kapitel meines Lebens. Ich möchte immer Titel gewinnen, spielen und die größtmögliche Freude haben", sagte der Goalgetter, der zeitgleich in seiner neuen Arbeitskleidung die Besucher auf der PSG-Homepage anstrahlte. Zuvor hatte PSG bereits den brasilianischen Verteidiger Thiago Silva an die Seine gelockt. Für da Silva (Fünfjahresvertrag) und Ibrahimovic überweist der zweimalige französische Meister insgesamt rund 62 Millionen Euro an den AC Mailand.

Budget-Staatssekretär: Gehalt "unanständig"

Der Transfer löst aber nicht nur Jubel aus. Das kolportierte Jahresgehalt ruft die Politik auf den Plan. Frankreichs Budget-Staatssekretär Jerome Cahuzac bezeichnete am Donnerstag das angebliche 15-Millionen-Euro-Salär des Schweden vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise als "unanständig".

Bereits am Mittwoch hatte Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem angekündigt, dass Ibrahimovic den Großteil seines Gehalts zu 75 Prozent versteuern müsse. Die sozialistische Regierung will für Gehälter ab einer Million Euro pro Jahr einen Spitzensteuersatz von 75 Prozent einführen, wie es Präsident Francois Hollande im Wahlkampf versprochen hatte.

Pariser Shopping-Rausch

Der Kaufrausch bei PSG, das in diesem Sommer zudem noch den argentinischen Offensivspieler Ezequiel Lavezzi (SC Neapel) und Mittelfeldtalent Marco Verratti (Pescara) unter Vertrag genommen hat, ist aber noch lange nicht beendet. Wie die L'Équipe berichtet, sollen auch noch der Brasilianer Kaká von Real Madrid und Mailands Robinho auf der Einkaufsliste der Scheichs stehen.

Kein Wunder, dass PSG-Trainer Carlo Ancelotti wie auch die Fans ins Schwärmen gerät. "In Frankreich sind wir deutlich vorn. Wir werden jedoch auch den Teams in der Champions League den Kampf ansagen. Real Madrid und der FC Barcelona starten zwar als Favoriten, doch wir sind auch dabei", sagte Ancelotti der römischen Tageszeitung La Repubblica und sagte damit den europäischen Topklubs den Kampf an. Für den früheren Milan- und Chelsea-Coach steht fest, dass sich Paris im europäischen Fußball dauerhaft etablieren wird: "PSG hat großen Enthusiasmus und ein junges Projekt. Die Besitzer wollen nicht nur eine großartige Mannschaft, sondern einen großartigen Verein aufbauen, und sie werden es schaffen."

"Das ist ein großartiges Jahr für Paris-Saint Germain"

Davon ist auch Sportdirektor Leonardo überzeugt, der vor allem auf Ibrahimovic große Stück hält. "Das ist ein großartiges Jahr für Paris-Saint Germain. Wenn ein Spieler mit diesem Kaliber in Paris unterkommt, ist das enorm. Er ist ein Spieler, der alles verändern kann", sagte der Brasilianer. Ibrahimovic, der bislang bei all seinen großen Stationen (Ajax Amsterdam, Juventus Turin, Inter Mailand, FC Barcelona und AC Mailand) den Meistertitel geholt hatte, soll maßgeblic dazu beitragen, dass die Schmach aus der abgelaufenen Saison getilgt wird.

Nachdem David HSC Montpellier mit einem Mini-Etat von nur 36 Millionen Euro dem Goliath aus der Hauptstadt, der über 100 Millionen in Transfers für die Saison 2011/12 gesteckt hatte, die Meisterschaft weggeschnappt hatte, muss PSG in der kommenden Spielzeit mit allen Mitteln seinen dritten Titel nach 1986 und 1994 holen - und den Sieg in der Champion League am besten noch dazu. (sid/APA, 19.7. 2012)

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    Das ist ein Auftritt.

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