Die Wiener SPÖ und das Politikum Auto

Andrea Heigl
17. Juli 2012, 19:18
  • Die autofreie Ringstraße gibt's in Wien einen Tag pro Jahr. Auf Dauer wäre so ein Projekt gegen die Autolobby wohl chancenlos.
    foto: der standard/cremer

    Die autofreie Ringstraße gibt's in Wien einen Tag pro Jahr. Auf Dauer wäre so ein Projekt gegen die Autolobby wohl chancenlos.

2,3 Millionen Mitglieder haben die heimischen Autoklubs - kein Wunder, dass Verkehrsfragen für die Politik besonders heikel sind. Die Wiener Roten müssen dazu eine große Bandbreite abdecken - vom hartgesottenen Radler bis zum Autoliebhaber

Geld und Gesundheit - wenn's um diese Themen geht, dann herrscht in der Politik "Alarmstufe rot", konstatiert Dietmar Ecker, Eigentümer einer Wiener PR-Agentur. Dass ausgerechnet um das Parkpickerl ein derartiger Wirbel entstand, verwundert ihn daher nicht besonders - sind die Autofahrer doch eine besonders einflussreiche (Wähler-)Gruppe. Das lässt sich schon an der Zahl jener ablesen, die den heimischen Automobilklubs angehören. 1,8 Millionen Mitglieder hat der ÖAMTC, knapp 500.000 der ARBÖ.

Die SPÖ bringt dieses Thema in eine besondere Bredouille, muss sie doch in Wien - im Gegensatz zu den Grünen oder den beiden Oppositionsparteien - eine ziemliche große Bandbreite abdecken: Vom Innenstadtbewohner, der das Rad dem Pkw vorzieht, bis zum autoverliebten Pendler, für den das eigene Fahrzeug ein Statussymbol ist und der noch nie ein öffentliches Verkehrsmittel von innen gesehen hat. Dementsprechend lang haben die Sozialdemokraten mit sich selbst um eine Position in der Frage gerungen, nachdem man sich anfangs auf die Argumentation zurückgezogen hatte, das Ganze sei die alleinige Sache der grünen Verkehrsstadträtin. Praktischerweise - aus Sicht der Roten - ist die ja auch für unliebsame Themen wie Sommerbaustellen zuständig.

Kleines Thema, große Wellen

Dass ausgerechnet ein vermeintliches Mini-Thema wie das Parkpickerl derartige Wellen schlägt, habe aber auch mit dem verbreiteten Gefühl zu tun, "vom System überfahren zu werden", konstatiert Ecker. In Zeiten, in denen mit Milliarden zur Eurorettung jongliert wird, entstünde bei den Menschen das Gefühl, man müsse "den Mächtigen zeigen, dass das so nicht geht" - besonders bei Themen, die das unmittelbare Lebensumfeld betreffen. Zudem habe sich in Wien in den letzten Monaten einiges an Unmut kumuliert, erst zu Jahresanfang gab es eine kräftige Gebührenerhöhung.

Erfolgreich hochgeköchelt wurde das Thema von der ÖVP, die (mit beträchtlichem finanziellem Einsatz) Unterschriften für die Volksbefragung sammelte. Dass die bis dato eher schwächelnde Oppositionspartei davon nachhaltig profitieren kann, glaubt Ecker, der auch die Stadt beraten hat, aber nicht. Der Widerstand der Wiener habe mehr mit der aktuellen Grundstimmung zu tun, mit der ÖVP werde die Volksbefragung à la longue nicht assoziiert. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 18.7.2012)

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Warum soll ich dafür zahlen dass ich weniger autofahren darf? Autofahren ist Lebensqualität, ohne wucherne Radwege und Gehsteige auf denen die Rote Armee ihre Siegesparade abhalten könnte, mit kostenlosen Parkhäusern statt Öffi-Wildwuchs könnte jeder Strecken > 500m mit dem Auto zurück legen, mehr innerstädtische Schnellstraßen könnten für mehr Pendlerverkehr sorgen und die Mietpreise entlasten. Kleinwohnung und Fahrrad kann nicht das Ziel sein, wenn eine autofreundliche Politik Haus + PKW ermöglichen kann

ein kleiner tipp unter freunden:

die zeiten von hirnverbrannten fantasien wie donaukanal- oder wientalautobahn etc sind vorbei

Jetzt müssen Sie nur mehr im Wiener Stadtplan jene Häuserblocks ankreuzen, die abgerissen werden sollen, um die gewünschten kostenlosen Parkhäuser und die innerstädtischen Schnellstraßen zu bauen.

Ein Vorschlag wohin die Bewohner abgesiedelt werden sollen, wäre auch nicht schlecht. Wie weniger Wohnraum die Mietpreise senken soll, wäre eventuell auch noch zu erklären.

Es werden oft genug Häuser abgerissen - 10-Etagen Parkhäsuer kosten auch nicht die Welt, und nackter Beton ist nicht unbedingt das teuerste ;) Die meisten Gehsteige in Wien sind ohnehin zu breit, in den meisten Straßen würde sich bei Rückbau auf Klosterneuburger Breite eine Schrägparkmöglichkeit ergeben. Ist die Anfahrt billig und bequem ziehen auch mehr Leute aufs Land, wodurch die Immobilienpreise in Wien sinken würden.

Die Politik muß endlich erklären, was sie mit den neuen Einnahmen gedenkt Gutes für die Wiener Bevölkerung zu tun!!!

Dass man für die Bereitstellung von öffentlichem Raum, dort wo er knapp ist, Geld verlangt ist nicht wirklich ungewöhnlich. Was aber fehlt ist eine genauere Differenzierung der Wohnbevölkerung und der Temporärparker bzgl. des Preises. Sprich das Anrainer-Parkpickerl billiger und die Kurzparktarife in diesen Zonen abgestufter und teurer, je weiter innen.

Das eigentliche Feinstaub, NOx-, CO2-, und Lärm- verursachende VERKEHRS-problem lösen Parkgebühren aber nicht wirklich oder bestenfalls schlecht indirekt. Dafür muß man entweder harte Fahrverbote (mit Ausnahmen für Berechtigte -> Bewohner) einführen, oder eine Zonencitymaut. Das ist die einzig sinnvolle Maßnahme, um dem MIV mit dem ÖPNV direkt vergleichbare Kosten zuzurechnen!

zweckbindung!

warum nicht die einnahmen aus der parkraumbewirtschaftung zweckgebunden in den ausbau der öffis investieren, oder zur kostensenkung der jahreskarte?

gibts schon immer

Genau das gibt es schon seit langem. Eine Zweckbindung der Einnahmen des Parkpickerl.

Die Einnahmen sind zweckgebunden für:
• Beschleunigungsprogramm öffentlicher Verkehr:
Vorrang an vielen Ampeln und die Erweiterung des Straßenbahnnetzes in Wien. Bis 2013 werden die Linien 25, 26 und D verlängert. Die nächste Ausbaustufe umfasst die Verlängerung der Linien O und 18, eine Wienerbergtangente und eine Tram in der Laaerbergstraße.
• Förderung der Verkehrssicherheit
• Park & Ride-Anlagen in Wien und im Umland
• Förderung von Wohnsammelgaragen
• Ausbau von Radabstellanlagen
• Ausweitung der City-Bike-Stationen

s. http://wien.gruene.at/parkpicke... /einnahmen

das parkpickerl bzw. die parkgebühren sind nur eine seite der "MIV-medaille"

sie vergebühren damit "nur" den individuell benutzten bereitgestellten öffentlichen parkraum für fahrzeuge, allerdings leider (noch) nicht nach ökonomischen wertaspekten, sprich der knappheit bei temporärer nutzung.

was aber leider gar nicht gemacht wird, ist dem eigentlichen motorisierten individualVERKEHR, sprich dem fahren selbst, einen mit dem ÖPNV vergleichbaren benutzungs- bzw mobilitätspreis zu geben. das gelingt nur mit einer eigenen (evtl. zeitlich differenzierten) vergebührung von einfahrten in definierte cityzonen.

das parkende fahrzeug verursacht perse ja keine abgase, keinen lärm und keinen verkehr. eigentlich sollte man danach trachten, dass die fahrzeuge mehr stehen als fahren, wenn sie schon da sind.
;-)

Genau das ist eh der Fall?!

"Die Mittel aus der Parkraumbewirtschaftung sind zweckgebunden und fließen zu 100 Prozent in das Wiener Verkehrssystem. Die Einnahmen kommen so allen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern zugute. In den vergangenen Jahren wurden aus diesen Mitteln sämtliche Wohnsammelgaragen der Stadt errichtet sowie neue U-Bahngarnituren gekauft. Im Bereich der Verkehrssicherheit werden mit diesen Mitteln unter anderem Entschärfungen von Unfallhäufungspunkten in der Stadt finanziert."

http://www.wien.gv.at/verkehr/p... hluss.html

Kommt halt nicht sonderlich viel zsamm, ca. 60 Mio jährlich

kamptner, dude danke!

wußte ich bis jetzt nicht :-)

Nur eine Idee:

Für Wiener ein Parkpickerl für ganz Wien.
(Preisfrage sei später gestellt)

Flächendeckend für ganz Wien:
* Linke Seite Kurzparkzone
* Rechte Seite Wiener mit Pickerl.

Vorteile:
* Klare Regel ohne Schilderwald
* Wiener können sich innerhalb der Stadtgrenze bewegen und parken.
* Pendler, Touristen und Besucher finden auch Platz.

P.S.

Ich, als Wiener mit eigenem Stellplatz bei der Wohnung, muss also innerhalb Wiens in die Kurzparkzone. Mach ich aber nicht, weil ich mit Jahreskarte öffentlich fahre ;-)

Zu Fuß

Tjaa so ist ein pckerl zum stolperstein geworden. Häupl muss langsam lernen zu Fuß zu gehen.

da tät' er ja dabei abnehmen !

;-)

Eine Siedlungsstraße im Westen Wiens

Herr Maier hat in dieser Straße sein Haus. Er ist Wiener. Sein Nachbar auf der anderen Straßenseite ist Herr Berger. Sein Haus steht schon in Niederösterreich. Herr Berger ist ein böser Pendler und soll gefälligst öffentlich fahren, während Herr Maier weiterhin in Wien willkommen ist, auch mit dem Auto ...

Merkt ihr nicht, wie kleingeistig und engstirnig ihr Anti-NÖ-Kampfposter hier agiert? Wenns nach euch ginge, gäbe es wohl noch den Linienwall und alle Bezirke außerhalb des Gürtels würden nicht zu Wien gehören.

Der größte Fehler nach dem Krieg war, den 26. Bezirk wieder aufzulösen und NÖ zuzuschlagen!

Herr Maier zahlt mit seinen kommunalen Abgaben in Wien die urbane Verkehrsinfrastruktur (Straßen, öffentliche Verkehrsmittel, Verkehrstelematik), die Herr Berger aufgrund der Stadtnähe einfach so mitbenutzt.

Speziell die Speckgürtelgemeindebewohner aus NÖ "schmarotzen" da gewaltig an der von der Stadt Wien bereitgestellten (billigen) Infrastruktur mit. Sie hinterlassen täglich ihre Abgasfahnen in der Stadt, während sie am Abend wieder in der Ruhe und der sauberen Luft sitzen.

Warum gibt es nach wie vor keine vernünftigen Umsteigehubs mit jeder Menge Gratis?-Parkplätzen an den Schnellbahnverbindungen außerhalb Wiens? Weil's nicht notwendig ist! Weil das Reinfahren nach Wien billiger und immer noch bequemer ist! Traurig, aber wahr.

Der Haken dabei: Herrn Maiers Steuern gemäß Bundeslastenausglich kommn Wien zu, Herrn Berhers Steueranteil aber MÖ, obwohl er die von Wien finanzierten Infrastruktureinrichtungen ebenso intensiv mützt. Die Parkpickerpflicht ist unter anderem eine Maßnahme gegen Steuerungerechtigkeit.

Was aber nichts daran ändert,

... dass das Gebiet von Herrn Berger zu Wien gehörte, denn alles andere verursacht im Endeffekt nur Hass und Mißgunst - hier werden Menschen auseinanderdividiert, nicht Steuern, Autos etc.!

Auch Herr Maier

kann nicht von seinem Stadtrandwohnsitz in den sechsten Bezirk fahren und sein Auto dort den ganzen Tag abstellen, weil er, genau wie Herr Berger, kein Parkpickerl bekommt.
Das Parkpickerl verhindert auch das Binnen-Autopendeln von Wienern und diese Pendler machen einen gewissen Teil der täglich Richtung Innenstadt fahrenden Pendler aus. Auch wenn gerne versucht wird, hier einen Bundesländerkonflikt herbeizureden, es ist keiner.

Da haben Sie schon recht,

aber den Bundesländerkonflikt gibt es. Siehe obiges Posting von Gerhard Schwarz6. Auch hier in den Postings geht es - wenn dann fast nur - gegen die NÖer, ich denke Sie haben mitgelesen die letzten Tage und Wochen.

Kleingeistgkeit und kleingruppenbildu g ist ja auch das was die politik gerne hat. Je mehr sich das fussvolk über sowas die köpf einhaut umso einfacher lässt es sich manipulieren und regieren acta esm alles kein wirkliches thema aber ein artikel zu rauchen und parkpickerl und schon gehts los. Obwohl ich für rotgrün WAR bin ich froh wenn das experiment bald vorbei ist. So ungut war die stimmung in der stadt noch nie. Und zur grünen schadenfreude hoffe ich nur "hochmut kommt vor dem fall"

also die ungute stimmung ...

.. ist wohl nicht die schuld von rotgrün - wenn so damische gestalten wie die övp und fpö einfach nur unzufriedenheit in der bevölkerung schüren wollen - "fürs parkpickerl zahlen aber keine parkplatzgarantie haben ..." - aber keinerlei konkrete vorschläge bringen die umsetzbar wären ...

ja und nein, rotgruen ist mitschuld.

sie haetten im vorfeld gegensteuern koennen, es war und ist kkar wie fpoevp ticken.

gegensteuern koennen sie immer noch...

Naja, zumindest sollte Herr Berger nicht

zu Herrn Maier auf besuch fahren. Weder mit dem Auto, noch öffentlich.

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