Goldman Sachs geht auf Sparkurs

Der Nettogewinn ist um zehn Prozent zurückgegangen, das Kostensenkungs-Ziel wurde dafür um 500 Millionen Dollar erhöht

New York - Der US-Branchenriese Goldman Sachs stellt sich mit Kostensenkungen und Stellenstreichungen auf eine längere Durststrecke im Investmentbanking ein. Die weltweit führende Investmentbank sparte im abgelaufenen Quartal acht Prozent der Verwaltungskosten ein, doch die Einnahmen gingen noch deutlicher - um neun Prozent - auf 6,6 Mrd. Dollar (5,37 Mrd. Euro) zurück.

100 Stellen wurden von April bis Juni abgebaut, vor allem von hochbezahlten Bankern trennte sich die Bank. Sie sollen durch billigere Kräfte ersetzt werden, wie Finanzchef David Viniar am Dienstag sagte. Die Personalkosten wurden um neun Prozent gedrückt - doch die nächsten Kostensenkungspläne sind schon in Arbeit, wie Goldman Sachs einräumte. Bisher sollten 1,4 Milliarden Dollar im Jahr eingespart werden, nun werden 500 Millionen Dollar mehr verlangt, wie Viniar in einer Telefonkonferenz sagte.

"Im zweiten Quartal hat sich das Marktumfeld verschlechtert, die Aktivitäten von Unternehmen und Privatinvestoren sind wegen der Instabilität in Europa und der Sorgen um das Wachstum der Weltwirtschaft zurückgegangen", fasste Vorstandschef Lloyd Blankfein die Zahlen zusammen. Die Einsparungen dämpften den Gewinnrückgang im Quartal auf zehn Prozent. Mit 962 Millionen (Vorjahr: 1,08 Milliarden) Dollar Nettogewinn übertraf Goldman Sachs die Analystenschätzungen bei weitem. Dennoch machte sich bei den Aktionären schnell Enttäuschung breit: Die anfänglichen Kursgewinne von 2,5 Prozent schmolzen fast auf Null zusammen.

Ernüchternde Zahlen

Denn die operativen Zahlen sind ernüchternd: Die Einnahmen im Beratungsgeschäft etwa bei Fusionen brachen um 26 Prozent ein, das Aktiengeschäft gab um zwölf Prozent nach. Einziger Lichtblick waren die Erlöse mit Renten, Devisen und Rohstoffen, die um 37 Prozent nach oben schossen - vor allem, weil bei Hypotheken und Rohstoffen ein Jahr zuvor fast nichts gegangen war. 194 Millionen Dollar verlor die Bank im zweiten Quartal allein mit ihrer Beteiligung an der chinesischen Bank ICBC.

Als Konsequenz aus dem wackligen Umfeld drosselt die einst als aggressiv bekannte Investmentbank nach eigenen Angaben die Risiken. Viniar sagte, er sehe keine Anhaltspunkte für ein schnelles Ende der Euro-Krise. 175 Milliarden Dollar hat die Bank inzwischen an flüssigen Mitteln gebunkert. Doch das geht auf Kosten der Eigenkapitalrendite: Im Quartal schrumpfte sie auf 5,4 Prozent - vor der Finanzkrise galten 25 Prozent als Industriestandard.

Um sich weniger abhängig von der Refinanzierung über die Kapitalmärkte zu machen, sammelt Goldman Sachs seit zwei Jahren auch Geldanlagen von vermögenden Privatkunden in den USA ein. 102 Milliarden Dollar sind seither immerhin zusammengekommen. Nun soll das Kreditgeschäft ausgebaut werden, wie das "Wall Street Journal" berichtete.

Das Geschäft mit der Verwaltung von Hedgefonds verkauft die Investmentbank für 550 Millionen Dollar an den bisher vor allem als Depotbank bekannten Finanzdienstleister State Street. Mit einem verwalteten Volumen von 877 Milliarden Dollar wird er nun weltweit die Nummer eins in dem Geschäft, das das Clearing, die Abwicklung und die Berichte über die Hedgefonds umfasst. 150 bisher von Goldman betreute Hedgefonds-Manager steuern dazu 200 Milliarden Dollar an verwalteten Geldern bei. Die als "Prime Brokerage" bekannte Abwicklung des Handels von Hedgefonds bleibt aber bei Goldman Sachs. (APA/Reuters, 17.7.2012)

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