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Michael Häupl ist seiner Koalitionspartnerin Maria Vassilakou nicht in den Rücken gefallen. Er hat im letzten Moment die Kurve gekratzt und das mit der Volksbefragung doch noch so hingebogen, dass ihm die Grünen keinen Bruch des Koalitionsübereinkommens vorwerfen können. Das ist immerhin etwas.
Mehr, als man von seinem Grazer Amtskollegen Siegfried Nagl behaupten kann: Der schwarze Bürgermeister hat seine Koalition mit den Grünen gesprengt und sich in eine überstürzte Volksbefragung, unter anderem zu Umweltzonen, hineintheatern lassen. Nagl war, als Vater selbst besorgt wegen der schlechten Luftqualität in Graz, für die Einführung von Umweltzonen, gab aber dem Druck der ÖVP-Wirtschaftslobby nach und war plötzlich für eine Volksbefragung. Und, Überraschung, Überraschung, es fand sich eine satte Mehrheit, die gegen die Umweltzone war. Das hat man davon, wenn man "direkte Demokratie" sagt und Feigheit vor dem politischen Gegner meint.
Eine alte kommunikationstheoretische Binsenweisheit besagt, dass es leichter ist, negative denn positive Emotionen zu schüren - und in Zeiten von Facebook-Gruppen und Twitter-Shitstorms gilt das doppelt und dreifach. Es braucht nur ein paar einprägsame Schlagworte, eine klare Botschaft plus ein paar Reizwörter (Autofahrer! Melkkuh der Nation!), und schon hat man die gewünschte breite Ablehnungsfront beisammen. Die FPÖ spielt seit Jahrzehnten Wahlkampf auf dieser Klaviatur.
Anders als Nagl in Graz war die ÖVP in Wien gleich geschlossen gegen die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung - gemeinsam mit der FPÖ. Alternativen? Fehlanzeige. Das focht 150.000 Wiener freilich nicht an, sie unterschrieben eifrig pro Volksbefragung. Schließlich ging es um des Österreichers liebstes Spielzeug, das Auto - für viele Wähler noch immer eine Frage von demonstriertem Wohlstand und Prestige. Das mag Michael Häupl daran gehindert haben, sich gleich entschlossener hinter das im Koalitionspakt besiegelte Parkraum-Projekt zu stellen. Wirklich geholfen hat das nicht, die inneren Widersprüche in der Wiener SPÖ zwischen Reformern und Traditionalisten wurden so erst recht offensichtlich.
Die von Rot-Grün nunmehr angesetzte Volksbefragung, zwei Monate nach Einführung der neuen Parkpickerl-Zonen, wird die Kritiker kaum besänftigen. Aber es wäre nicht die Wiener SPÖ, wüsste man nicht selbst ganz gut, wie man mit Volkes Meinung jongliert. Vor der letzten Wien-Wahl wurden die Bürger plötzlich zu vormaligen No-go-Themen befragt, etwa zur Nacht-U-Bahn - die mirnixdirnix auch gleich eingeführt wurde.
Mit echter direkter Demokratie hat das freilich auch wenig zu tun. Wer Politik macht, muss genau unterscheiden, in welchen Situationen die Meinung der Bürger einzuholen ist.
Große Zukunftsthemen, etwa ein Mega-Bahnhofsprojekt (Stuttgart 21) oder die (An-)Schaffung eines neuen Stadtteils in Graz (Reininghaus-Gründe), sind anders zu bewerten als Verkehrsberuhigung in Wiener Bezirken oder gesundheitspolitische Maßnahmen zur Verbesserung der Grazer Luft.
Politiker wurden dafür gewählt, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Wer lieber bei jedem Streit "das Volk" fragt, muss damit leben, dass dieses auch mitunter falsche Entscheidungen trifft und Weitblick vermissen lässt - Verführung durch Populisten inbegriffen. (Petra Stuiber, DER STANDARD, 18.7.2012)
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hat sich ja auch nicht in einer logischen Denkschule entwickelt; wir müssen sie so nehmen, wie sie ist. Das ist der Autorin ihr gutes Recht.
Nicht ihr gutes Recht ist, dass sie etwas verschweigt. Die Methode, Entscheidungsschwäche durch Plebiszit zu ersetzen, wird bei uns "pervers", also umgekehrt gehandhabt, als die Autorin vorschlägt. Zwentendorf war das herausragende Beispiel dafür, der Bogen in die Gegenwart spannt sich bis zu Häupls "Fünferfragen" zu Themen, die entweder gar nicht in der Landeskompetenz gelegen waren (Hausbesorger) oder aber "heiße Kartoffel" (Hunde, Citymaut) darstellen. Dort, wo politische Leadership gefragt war, hatte man sie bereitwilligst abgetreten. Bei Investoreninteressen und Ideologiefragen pfeift man aus Volk
Zach, wie viel in Kommentaren so gegen die Autorin geschimpft werden kann. Gerade ein "Kommentar" zeichnet sich ja durch "eigene Meinung" aus, wie kann man ihr also unterstellen, zu wenig recherchiert zu haben?
Wie dem auch sei, ich finde den Artikel von der Grundaussage - sofern ich sie verstanden habe - recht gut. Es ist nicht immer gut, das Volk zu befragen, auch wenn's der Strache noch so predigt. Das Volk ist nämlich großteils dumm, und außerdem interessiert sich kein Schwein für Politik und die Entscheidungen, die sie trifft. Will ich also, dass 8 Millionen Menschen einen möglicherweise knappen Konsens treffen, der mich betrifft, wenn sie uninformiert sind? Näääh ...
http://steveanorizz.wordpress.com/2012/06/0... emokratie/
Ich habe nichts gegen die Person von Fr. Stuiber, aber der obige Kommentar hat einfach ein strukturelles problem. F. Stuiber hat schon weit bessere Kommentare verfasst. Einfach einmal unter http://derstandard.at/r6022/Petra-Stuiber nachlesen.
Feigheit vor dem Wähler ist es nur dann, wenn man ihn in Sachfragen nicht mitbestimmen lässt.
Wobei sie wenigstens in einem Punkt recht hat: Diese von oben verordneten, unverbindlichen Pipifaxbefragungen haben mit direkter Demokratie wirklich nichts zu tun!
um eine Gebühr un d damit um ein nach der Landesverfassung unzulässiges Plebiszit? Oder gilt die Verfassung nicht für Landeshauptleute? Oder war die Maut nicht als Abgabe sondern als verpflichtende Parteispende gedacht gewesen, quasi als produktiver Beitrag zur Korruptionsbekämpfung?
z. B. eines, das gar nicht im Wege einer Befragung beantwortet werden kann oder darf, wie eben die verfassungsrechtlich unzulässige Frage nach einer City-Maut oder die mangels Landeskompetenz ebenfalls unzulässige Frage nach den Hausbesorgern. Pipifax sind nicht nur no na-Fragen, sondern auch Fragen wie "Sind Sie dafür, dass die Erde eine Scheibe ist", also Fragen, deren beantwortung durch die befragte Bevölkerung außer Kosten nichts bringen kann.
Gut, dann bleiben wir dabei, dass sich die Forderung nach Mitbestimmung/Mitwirkung eh nur auf das jeweilige Grätzel bezieht.
Gesundheitswesen, Einkommensverteilung, Wohnen etc. entziehen sich daher und bleiben den hauptberuflichen PolitikerInnen vorbehalten.
So gesehen haben Sie dann natürlich recht, was die mögliche Beteiligung betrifft (siehe andere Diskussion).
zu diesem absurden Schluss kommen, wenn ich darauf verweise, dass Bürgerbeteiligung immer nur die Beteiligung von verfassungsmäßig dazu überhaupt legitimierten Bürgern jener Gebietskörperschaft meint, die verfassungsmäßig für das jeweilige Thema zuständig ist. Das ist doch slebstverständlich und darauf wird auch in der derzeitigen Plebiszit-Diskussion immer wieder gebetsmühlenartig verwiesen.
In der politischen Tagespraxis stimme ich Ihnen aber zu. Beteiligung sollte "von unten", also zunächst wirklich im Grätzel, praktiziert und - von allen Seiten - gelernt werden. Gerade dort hat man aber in Wien und anderswo sehr wenig Verständnis für Bürgerbeteiligung - no klar, denn da gibt es keine Quorum-Hürden.
zur Verbesserung der Wiener oder Grazer Luft! Das könnte man nämlich auch ganz anders erreichen, indem man etwa die Elektro-Mobilität wesentlich besser fördert, oder verbrauchs- und abgasarme Stadt-Autos parkgebührenfrei stellt.
Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl hat richtig gehandelt. Er leidet nicht, wie seine Wiener Amtskollegen, an Sozialphobie, sucht den Kontakt mit seinen Bürgern, und läßt seine Bürger nicht im Regen stehen, wenn es um wesentliche Dinge des Alltags geht. Ginge es den einflußreichen Wiener Kommunalpolitikern tatsächlich um das Thema Gesundheit, so müssten sie den Heurigen, die Schnapsbuden und selbstverständlich auch sämtliche Zigarettensorten längst verboten haben.
fehlt es allen an Mut und Fantasie. Auch dafür wäre eine echte Partizipation, d. h. breite Bürgerdiskussion hilfreicher als das Getue um direkte Demokratie, das zu nichts, aber gar nichts führen wird.
Dir ist aber schon ua. die Problematik der Seltenen Erden bekannt?
Von wegen E-Autos sind so umweltfreundlich...
Das umweltfreundlichste Auto hatten bis vor kurzem meine Eltern - einen uralten VW-Golf.
Der hat durch die lange Nutzungsdauer seine Produktionsenergie und Rohstoffe dreimal wieder hereingespielt.
Und jetzt ist er sogar noch gut genug als Erstlingswagen eines Fahranfängers.
Was man von so manchem schicken E-Auto auch in Zukunft nicht behaupten wird können.
Und ich meinerseits nutze jedes Handy bis es auseinanderfällt oder der Akku den Geist aufgibt, anders als so mancher grüne Bobo mit seinem Smart-Phone.
daß insbesonders ältere Kraftfahrzeuge (alte Vergaser- und Einspritztechnik, kein Kat usw.) ganz besonders gesundheits- und klimaschädlich sind...
http://www.innovations-report.de/html/beri... 38992.html
für die Handy-, Computer- und Unterhaltungselektronik wichtig, und kaum für die Herstellung von modernen Elektro-Batterien. Niemand regt sich darüber sonderlich auf, daß manche Leute sich pro Jahr drei (vermeintlich) brandneue Handies zulegen, und die alten in den Müll werfen, anstatt sie umweltgerecht zu entsorgen.
Es gibt riesige Lithium-Vorkommen in der Welt, in Kärnten beispielsweise auf der Koralm. Die Lobbyisten der allmächtigen Erdölkonzerne streiten sogar ab, daß es eine CO2-Problematik gibt. Das sollte Ihnen schön langsam zu Denken geben.
http://www.wirtschaftsblatt.at/home/oest... 4/index.do
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