Den Mausklick denken

17. Juli 2012, 18:23
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Bessere Eingabemethoden für beeinträchtigte Menschen

"Der Mauszeiger wandert nach rechts oben, wenn er einfach nur daran denkt", sagt Klaus Miesenberger. Er beschreibt damit sogenannte Brain-Computer-Interfaces, die in der Praxis bereits eingesetzt werden. Wenn gelähmte Menschen auf keine andere Weise kommunizieren können, bleibt die Möglichkeit, mittels einer Kappe, die die Gehirnströme abnimmt, mit einem Computer zu interagieren. Ein derartiger Anpassungsprozess sei durchaus realisierbar, auch wenn er viel Training erfordert und nur langsame Eingabe ermöglicht.

Miesenberger ist Informatiker an der Uni Linz und für das wissenschaftliche Programm der International Conference on Computers Helping People with special Needs (ICCHP) verantwortlich, die vergangene Woche in der oberösterreichischen Hauptstadt über die Bühne ging. Alle zwei Jahre diskutieren Forscher Möglichkeiten der Mensch-Maschine-Kommunikation für beeinträchtigte Menschen. "Sobald ein Mensch zu einer kontrollierten Bewegung fähig ist, kann man ein Interface bauen, über das er eine Applikation bedienen kann", sagt Miesenberger. Durch Eye-Tracking kann per Augenbewegung eine Maus gesteuert werden, dank Muskelsensoren können durch kleinste Körperbewegungen Rechner bedient werden.

EU-Projekt Asterics

In Linz wird auch am EU-Projekt Asterics mitgearbeitet. Damit soll eine frei zugängliche, möglichst adaptive Plattform geschaffen werden, die Sensordaten in einheitliche Eingabesignale verwandelt, mit denen PCs oder Mobiltelefone gesteuert werden können. Miesenberger und sein Team haben bereits ein Interface programmiert, mit dem ein Kollege, der im Rollstuhl sitzt, per Muskelbewegung im Schulterbereich einen Spielzeughubschrauber fliegen oder eine Spielkonsole bedienen kann.

Neben der Forschung an bestmöglichen Schnittstellen geht es auf der anderen Seite auch darum, dass Anwendungen, etwa E-Banking-Zugänge, barrierefrei gestaltet sind. Gemeinsame Standards sollen dafür sorgen, dass auch Menschen mit speziellen Eingabemethoden zugreifen können. Die ICCHP wird unter anderem vom Wirtschaftsministerium unterstützt. (pum, DER STANDARD, 18.7.2012)

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