Machtwechsel in der Volksbanken AG vollzogen

  • Der neue ÖVAG-Chef, Stephan Koren, will der ÖVAG ein hartes 
Umstrukturierungsprogramm verordnen.
    foto: apa/herbert neubauer

    Der neue ÖVAG-Chef, Stephan Koren, will der ÖVAG ein hartes Umstrukturierungsprogramm verordnen.

Der Aufsichtsrat der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) hat am Dienstag die beiden neuen Bankchefs gekürt. Unter Koren soll Rainer Borns die Interessen der Volksbanken durchsetzen.

Wien - Fast fünf Monate nach der Rettung der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) hat der Aufsichtsrat der maroden Bank am Dienstagnachmittag eine neue Vorstandsspitze gekürt. Der zukünftige Bankchef, Stephan Koren (ÖVP), saß während der Beratungen des Aufsichtsrats unter Hans Jörg Schelling (ÖVP) im Nebenzimmer - auf Abruf bereit, um gegebenenfalls sein Konzept zu erläutern bzw. die Annahme seiner Wahl zu erklären.

Koren (54) sagte nach seiner Bestellung, der Steuerzahler sei bei ÖVAG in Vorlage getreten, nun gehe es für sie darum, "so viel wie möglich zurückzubekommen". Stephan Koren ist als neuer ÖVAG-Chef nicht unumstritten. Der Sohn des 1988 verstorbenen ÖVP-Finanzministers und Notenbankchefs Stephan Koren Senior war der Kandidat von Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP). Sie musste ihn, wie berichtet, gegen Widerstände der Volksbanker durchbringen.

Die mittlerweile teilverstaatlichte ÖVAG kennt Koren aus seiner Bawag-Zeit; er führte die Verhandlungen, die zu einer Fusion hätten führen sollen. Zur Bawag kam der Ex-Kabinettsmitarbeiter von Finanzstaatssekretär Johannes Ditz 1998, von da wechselte er 2000 in den Chefsessel der Postsparkasse PSK, um nach der Fusion mit der Gewerkschaftsbank wieder in deren Vorstand zu landen. Die Bawag verließ der Volkswirt 2011; als einer der wenigen Manager überstand er den Bawag-Skandal ohne jede Blessur.

Durchsetzen konnten sich der Volksbanken-Sektor hingegen bei der Besetzung des einfachen Vorstandsposten, den Genossenschaftsfunktionär Rainer Borns einnehmen wird. Die eigentliche Überraschung: Zumindest vorläufig bleibt auch Michael Mendel, der die Bank seit dem Abgang von Gerald Wenzel interimistisch leitet. Das Problem: Mendel hat sich nur für die Nummer Eins beworben: Er hat nach Wenzels Abgang per April einen Vierjahresvertag erhalten. Um ihn in der Bank zu halten, bekam er die Zusicherung, Wenzel nachfolgen zu können. Da dieser Vertrag nun gebrochen wird, dürfte dem deutschen Mendel mit bestem Draht zu Aufsichtsratsvize Franz Zwickl eine entsprechend hohe Abfertigung zustehen. Darüber verlor die Pressemitteilung kein Wort. (Renate Graber, DER STANDARD, 18.7.2012)

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