Opernbesessene für die Bregenzer Seebühne

17. Juli 2012, 18:16
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Elisabeth Sobotka: Chefin der Bregenzer Festspiele

Zuletzt hat sich vielleicht auch Elisabeth Sobotka gefragt, nach welchen Kriterien die Bregenzer Festspiele eigentlich Intendanten auswählen. Immerhin war vor gar nicht so langer Zeit in euphorischen Pressekonferenzen Roland Geyer als Nachfolger von David Pountney gefeiert worden - bis sich die Festspiele und Geyer entschlossen, getrennte Wege zu gehen, bevor die gemeinsame Arbeit überhaupt begonnen hatte. Dieser singulär skurrile Vorgang, der die interessierte Öffentlichkeit perplex zurückließ, führte nun jedoch zu einem Happy End: Mit Sobotka, die bei den Spielen am See 2015 startet und aus dem bis 2017 laufenden Intendantenvertrag mit der Grazer Oper vorzeitig ausscheiden kann, hat Bregenz eine der ambitionierten und stiloffenen Opernmanagerinnen des deutschsprachigen Raumes engagiert.

Sobotka, 1965 in Wien geboren und quasi am Stehplatz der Wiener Staatsoper musikalisch sozialisiert, hat den Job von der Pike auf gelernt: Über die Salzburger Festspiele und die Jeunesse kam die Musikwissenschafterin 1992 an die Leipziger Oper, wo sie die Leitung der künstlerischen Produktion innehatte. Wieder in Wien, arbeitete sie unter Ioan Holender acht Jahre lang als Chefdisponentin der Wiener Staatsoper, bis sie 2002 von Daniel Barenboim als Operndirektorin der Berliner Staatsoper Unter den Linden geholt wurde.

Danach ging es an die Grazer Oper - und es zeigte sich: Das Mehrspartenhaus blieb unter Sobotka eine Musiktheaterstätte, die Musicals ebenso anbot wie Operette und Oper. Bei letzterem Genre indes entwickelte sie einen unprovinziellen Stil, der mit Regisseuren wie Peter Konwitschny und Stefan Herheim die modernen Regieambitionen ihrer Vorgänger noch etwas intensivierte.

Was die alleinerziehende Mutter eines Sohnes in Bregenz vorhat, wird sich weisen. Vorerst zeigt sich Sobotka von dem Ort ihres zukünftigen Wirkens "verzaubert" und bekundet, die jeweilige Seebühnenproduktion würde das "Herz der Festspiele" bleiben. Ansonsten: Die Wienerin, die ihren Führungsstil als "teamorientiert mit flachen Strukturen" bezeichnet, wird ab Jänner 2015 in Bregenz leben und "vielleicht das Segelpatent machen". Vorerst dominieren bezüglich ihrer neuen Aufgabe " Hochachtung, Begeisterung, Interesse und Neugier". Wobei: Die Bregenzer Wettersorgen sind ihr nicht fremd. Von einer Grazer Freiluftproduktion kennt sie bereits den "nervösen Blick zum Himmel". (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 18.7.2012)

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    Elisabeth Sobotka.

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