Pannonisch bescheiden, junge Zuversicht

  • Martin Pucher hat seit 14 Jahren beim SVM das Sagen.
    foto: apa/hochmuth

    Martin Pucher hat seit 14 Jahren beim SVM das Sagen.

  • Man setzt auf heimische Jugendlichkeit.
    vergrößern 500x401
    foto: apa/pfarrhofer

    Man setzt auf heimische Jugendlichkeit.

Der 90-jährige SV Mattersburg bereitet sich auf sein zehntes Bundesligajahr vor, ein Umstand, der doch überraschend ist

Mattersburg - Anfang Juni feierte der SV Mattersburg seinen 90. Geburtstag nicht. Die Lust aufs Retrospektive war äußerst gering. Stattdessen begann Trainer Franz Lederer, seinen Kader auf ein anderes, weit aktuelleres Jubiläum einzuschwören.

Immerhin geht der SV Mattersburg - der 1922 mit erfahrenen Kickern des damaligen Erstligisten Rudolfshügel als die SV Mattersburg aus der Taufe gehoben wurde - in seine zehnte Saison in der obersten Spielklasse. Ein Umstand, der doch überraschend ist, immerhin zählte der SVM zu jedem Meisterschaftsbeginn verlässlich zu den Fixabsteigern.

Allerdings fand sich stets einer, dem der SVM diesbezüglich den Vortritt lassen konnte. Zuletzt Kapfenberg, das sich mit einem wilden Totalumbau selbst aus dem Konzept gebracht hat. Mattersburg ging und geht in dieser Angelegenheit stets einen so anderen Weg, dass selbst wohlwollende Beobachter sich zuweilen an den Kopf griffen.

Freilich bezieht der Fußballverein aus genau diesem Weg die überraschende Unverwüstlichkeit. Als Martin Pucher 1988 den SVM in der 2. Landesliga übernahm, "gab es 15 Buben, alles in allem", man hatte im Nachwuchs keine ordnungsgemäßen Spiele zusammengebracht.

Dass der SVM bald darauf die komplette Nachwuchspalette stellte, klingt wie ein Programm, das sich bis heute durchzieht. "Damals haben wir gesagt: Jeder Mattersburger Bub, der Fußball spielen will, soll das bei uns auch können." Jetzt sagt Pucher: "Jeder talentierte Burgenländer soll im eigenen Land eine entsprechend Ausbildung kriegen. Früher sind diese Talente dem burgenländischen Fußball ja verlorengegangen."

Im November 2009 wurde in Mattersburg eine sehenswert großzügige Fußballakademie hingestellt, an der der SVM zu 35 Prozent beteiligt ist. Auf 115.000 Quadratmetern, vier Rasen-, zwei Kunstrasenplätzen, einem Internat und Fitnessräumen wird Burgenlands Nachwuchs gepflegt.

Modell Österreich

Einige davon - Christian Gartner Jahrgang 1994 /11 Spiele) und Marvin Potzmann (1993 /19) etwa - haben sich im Frühjahr im Stamm der Kampfmannschaft etabliert. Neben Routiniers wie Patrick Farkas (1992 /80), Lukas Rath (1992 /57). Und hinter denen, so hört man aus dem Verein, warten und scharren schon die nächsten Talente.

Nicht dass in Mattersburg auf einmal Fußballkultur ausgebrochen wäre. Unbestreitbar freilich, dass hier erfolgreich an einem österreichischen Modell gearbeitet wird. Martin Pucher, Franz Lederer und ihre Mitstreiter suchen die Antwort auf die brennendste ballesterische Frage: Wie ist autochthoner Fußball in Österreich möglich? Nach Innsbruck, LASK, Klagenfurt eins und zwei, Sturm und GAK klingt dann das Burgenländische nicht ganz so blöd, wie zuweilen getan wird.

Wieweit sich die Arbeit und das Vertrauen darauf heuer tabellenmäßig niederschlagen werden, lässt sich klarerweise nicht sagen. Um ein Saisonziel befragt, windet sich der Obmann. Er sucht einen Satz, der die pannonische Bescheidenheit genauso zum Ausdruck bringt wie die Zuversicht, die sich aus dem Frühjahr nährt, als der SVM wieder Fußball gespielt hat. "Mittelfeld", sagt Martin Pucher dann. Aber in seinen Augen ist was anderes zu lesen.

Am Samstag wird, was in Puchers Augen zu lesen war, dem Reality-Check unterzogen. Daheim gegen Nachbar Wiener Neustadt. Gegen den hat - mit einem Goalie-to-Goalie-Goal - die vorjährige Abstiegsbredouille begonnen. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD - 18.7. 2012)

Share if you care