Pannonisch bescheiden, junge Zuversicht

Wolfgang Weisgram
17. Juli 2012, 18:18
  • Martin Pucher hat seit 14 Jahren beim SVM das Sagen.
    foto: apa/hochmuth

    Martin Pucher hat seit 14 Jahren beim SVM das Sagen.

  • Man setzt auf heimische Jugendlichkeit.
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    foto: apa/pfarrhofer

    Man setzt auf heimische Jugendlichkeit.

Der 90-jährige SV Mattersburg bereitet sich auf sein zehntes Bundesligajahr vor, ein Umstand, der doch überraschend ist

Mattersburg - Anfang Juni feierte der SV Mattersburg seinen 90. Geburtstag nicht. Die Lust aufs Retrospektive war äußerst gering. Stattdessen begann Trainer Franz Lederer, seinen Kader auf ein anderes, weit aktuelleres Jubiläum einzuschwören.

Immerhin geht der SV Mattersburg - der 1922 mit erfahrenen Kickern des damaligen Erstligisten Rudolfshügel als die SV Mattersburg aus der Taufe gehoben wurde - in seine zehnte Saison in der obersten Spielklasse. Ein Umstand, der doch überraschend ist, immerhin zählte der SVM zu jedem Meisterschaftsbeginn verlässlich zu den Fixabsteigern.

Allerdings fand sich stets einer, dem der SVM diesbezüglich den Vortritt lassen konnte. Zuletzt Kapfenberg, das sich mit einem wilden Totalumbau selbst aus dem Konzept gebracht hat. Mattersburg ging und geht in dieser Angelegenheit stets einen so anderen Weg, dass selbst wohlwollende Beobachter sich zuweilen an den Kopf griffen.

Freilich bezieht der Fußballverein aus genau diesem Weg die überraschende Unverwüstlichkeit. Als Martin Pucher 1988 den SVM in der 2. Landesliga übernahm, "gab es 15 Buben, alles in allem", man hatte im Nachwuchs keine ordnungsgemäßen Spiele zusammengebracht.

Dass der SVM bald darauf die komplette Nachwuchspalette stellte, klingt wie ein Programm, das sich bis heute durchzieht. "Damals haben wir gesagt: Jeder Mattersburger Bub, der Fußball spielen will, soll das bei uns auch können." Jetzt sagt Pucher: "Jeder talentierte Burgenländer soll im eigenen Land eine entsprechend Ausbildung kriegen. Früher sind diese Talente dem burgenländischen Fußball ja verlorengegangen."

Im November 2009 wurde in Mattersburg eine sehenswert großzügige Fußballakademie hingestellt, an der der SVM zu 35 Prozent beteiligt ist. Auf 115.000 Quadratmetern, vier Rasen-, zwei Kunstrasenplätzen, einem Internat und Fitnessräumen wird Burgenlands Nachwuchs gepflegt.

Modell Österreich

Einige davon - Christian Gartner Jahrgang 1994 /11 Spiele) und Marvin Potzmann (1993 /19) etwa - haben sich im Frühjahr im Stamm der Kampfmannschaft etabliert. Neben Routiniers wie Patrick Farkas (1992 /80), Lukas Rath (1992 /57). Und hinter denen, so hört man aus dem Verein, warten und scharren schon die nächsten Talente.

Nicht dass in Mattersburg auf einmal Fußballkultur ausgebrochen wäre. Unbestreitbar freilich, dass hier erfolgreich an einem österreichischen Modell gearbeitet wird. Martin Pucher, Franz Lederer und ihre Mitstreiter suchen die Antwort auf die brennendste ballesterische Frage: Wie ist autochthoner Fußball in Österreich möglich? Nach Innsbruck, LASK, Klagenfurt eins und zwei, Sturm und GAK klingt dann das Burgenländische nicht ganz so blöd, wie zuweilen getan wird.

Wieweit sich die Arbeit und das Vertrauen darauf heuer tabellenmäßig niederschlagen werden, lässt sich klarerweise nicht sagen. Um ein Saisonziel befragt, windet sich der Obmann. Er sucht einen Satz, der die pannonische Bescheidenheit genauso zum Ausdruck bringt wie die Zuversicht, die sich aus dem Frühjahr nährt, als der SVM wieder Fußball gespielt hat. "Mittelfeld", sagt Martin Pucher dann. Aber in seinen Augen ist was anderes zu lesen.

Am Samstag wird, was in Puchers Augen zu lesen war, dem Reality-Check unterzogen. Daheim gegen Nachbar Wiener Neustadt. Gegen den hat - mit einem Goalie-to-Goalie-Goal - die vorjährige Abstiegsbredouille begonnen. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD - 18.7. 2012)

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Zur Info

Auf www.kopfball.tv erscheint demnächst im Zuge einer dreiteiligen Serie über Jugendakademien in Österreich ein Bericht über die Jugendakademie in Mattersburg.

Pucher kann mit Geld umgehen und lässt niemand so schnell fallen.

Pucher ist und bleibt bodeständig und das ist das Um und Auf in Mattersburg.
Führt die Bank genauso menschlich wie den Verein.

Als Wiener werde ich mir heuer auch ein Abo kaufen, um den Svm zu untestützen.

Stimmt, bei anderen Vereinen sind die Spieler Nummern, beim SVM stimmt es auch außerhalb des Platzes. Weiter so, dann schaffen sie bestimmt einen Platz weiter oben in der Tabelle.

Respekt den Mattersbürgern

Wenn sie ans Frühjahr anknüpfen können, ist MB vorne mit dabei.
Gut möglich dass sie heuer das Überraschugsteam stellen.

Vermutlich wirds heuer für WNS eng...Innsbruck hat das Pech, dass ihnen die 12pkt gegen Kapfenberg abhanden gekommen sind :-)

weiter unten wurde der abnehmende zuschauerschnitt angeführt. warum geht da wirklich nur mehr ein bruchteil jener leute hin, die damals in der 2. liga hingegangen sind? als außenstehender eigentlich kaum nachvollziehbar. nur der kühbauer allein wird doch nicht 5.000 leute mehr anlocken...

Jaja super!
Und jetzt bitte ==> Abstiiiieeeg!

tja - schon etwas beeindruckend :)

Im übrigen

war der Verein nicht nur bei Gründung, sondern ist bis heute "die" SV Mattersburg.

Ein kurzer Blick ins Vereinsregister zeigt den offiziellen Vereinsnamen "Sportvereinigung Mattersburg".

http://zvr.bmi.gv.at/Start

wow, hoffentlich übersieht WW das Posting das nicht

ich, als kernöl trinker wünsche mattersburg das beste für die neue saison

Tja Düdelingen liegt 1:0 vor RB!

SVm könnte nicht schlechter sein, nur der Weg wäre symphatischer.

Da stimmt doch was nicht ... wer Mattersburg, Erfolg und Geschichte bemüht, der MUSS auch Kühbauer erwähnen!

Und dieser ...

gibt ein Comeback als Spieler, auch wenn er nur hin und wieder aushilft!
Herzlich willkommen im Landessüden, in Rohrbrunn, wo im einzigen Wirtshaus das Bier noch 2,10 und der Spritzer 1,20 kostet ... :)

http://www.fanreport.com/at/bgld/l... runn-27955

Mattersburg war für mich immer ein No-Go Verein. Destruktives Spiel was auf Härte aufgebaut war. Dazu der Lederer, der zumeist in den Interviews ebenso sehr hölzern rüber gekommen ist. Doch dann kam plötzlich die Winterpause 11/12 und die Burgenländer spielten im Frühjahr nicht nur ergebnisorientierten Fußball, sondern zum Teil war dieser auch recht ansehnlich. Und wenn ich so darüber nachdenke, Mattersburg hat eine Akademie, welche andere Vereine immer noch nicht haben (Stichwort Rapid), Mattersburg hat sich sukzessive eine Anhängerschaft aufgebaut und irgendwie steuern sie immer mehr zu einem zweiten SV Ried zu....die sog. Traditionsvereine verspekulieren sich äußerst oft -GAK, LASK...sportlich hat es sich der SVM verdient oben zu sein.

bis auf die anhängerschaft muss ich dir recht geben.
die hat mit der konkurrenz in wr.neustadt sehr viel
zulauf verloren.

Meinst du dies mit Neustadt ernst, oder checke ich gerade nicht, dass ich ver*rscht werde? ;)

Aber ich finde einfach, ein Verein, der sich einen Schnitt von 4.800 erarbeitet hat, hat durchaus seine Berechtigung.

http://de.wikipedia.org/wiki/SV_Mattersburg
die zuschauerzahlen sind seit dem aufstieg stark gesunken, von 11066 in der saison 2003/04 auf nur noch 3892 in der saison 2010/11. 2011/12 hat es sich wieder etwas verbessert, aber von 2003-2007 sind sie weit entfernt
2003/04: 11066
2004/05: 9903
2005/06: 9638
2006/07: 9731
2007/08: 7569
2008/09: 6051
2009/10: 5175
2010/11: 3892
2011/12: 4332

2007 wurde die Haupttribüne auf Sitzplätze umgebaut, ich schätz mal die Burgenländer trinken ihren Spritzer aber lieber im Stehen...
http://de.wikipedia.org/wiki/Pappelstadion

In der Aufzählung fehlt noch...

...die Aufstiegssaison 2002/03, als man mit 9.800 Zuschauern in der 1. Liga den höchsten Zuschauerschnitt Österreichs hatte (zum Vergleich: Rapid in der Saison: 7.600, Sturm: 7.400)

In der Aufzählung fehlt noch...

...die Aufstiegssaison 2002/03, als man mit 9.800 Zuschauern in der 1. Liga den höchsten Zuschauerschnitt Österreichs hatte (zum Vergleich: Rapid in der Saison: 7.600, Sturm: 7.400)

Naja, die Aufstiegsjahre sind meistens besser als der schlichte Alltag. Aber in einer Region wie Mattersburg, wo mehrheitlich Rapidler beheimatet sind, sind knappe 5.000 Dauerzuseher nicht schlecht.

ja, schon. aber ich glaube nicht, dass die euphorie 4 jahre lang hält

Ob der österreichische Gooda wohl auch mal UNESCO Weltkulturerbe wird?

Ich verstehe nicht, welches Problem hier alle mit Mattersburg haben.

Bin jetzt auch nicht der größte Fan der Spielweise, aber offenbar wird gut gewirtschaftet und Großteils auf junge Österreicher aus dem eigenen Nachwuchs gesetzt.
Wenn sie aus sportlichen Gründen wieder absteigen, ist das eben so, aber wünschen würde ich es einem so geführten Verein nicht.

Mattersburg ist das, was Ried früher war. Nach der Konsolidierung gab es das Investieren in die Jugend und jetzt kommt die Ernte.

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