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Rüdiger Frank (42) ist Professor für Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens an der Uni Wien.
STANDARD: Wie interpretieren Sie die Personalrochaden in Pjöngjang?
Frank: Es verändert sich etwas. Was, das wird sich erst zeigen. Aber Veränderung an sich ist im Falle des sonst eher statischen Nordkorea hochinteressant. Was den abgesetzten Armeechef Ri Yong-ho betrifft, über diesen Fall wissen wir sehr wenig. Wenn er tatsächlich gestürzt wurde, wissen wir noch nicht, wer ihn gestürzt hat. War es Kim Jong-un oder eine Gruppe unterhalb Kims Ebene? Wir wissen auch nicht, ob er persönlich in Konflikt geraten ist mit dem neuen Führer. Dann würde es um zu große Macht eines Einzelnen gehen. Einen Versuch von Kim Jong-un, die Armee zu disziplinieren, schließe ich aus. Meine Erfahrung mit Korea legt die Vermutung nahe, dass es sich hier um Lagerkämpfe handelt zwischen Gruppen, die um die Gunst des Führers wetteifern. Ri könnte ein Repräsentant einer solchen Gruppe gewesen sein, die typischerweise familienbasiert sind.
STANDARD: Was halten Sie von der Einschätzung, eine große Konfliktlinie in Pjöngjang verlaufe zwischen Militär und Partei?
Frank: Das macht überhaupt keinen Sinn. Wenn man sich die Lebensläufe der Leute ansieht, kann man nicht von einer militärischen und einer Parteilaufbahn sprechen. Die sind miteinander eng verwoben. Es ist ja auch kein Zufall, dass Ri Yong-ho als Militär gleichzeitig eine Funktion im Politbüro innehatte. Die Gräben verlaufen zwischen Familien, nicht zwischen Institutionen.
STANDARD: Sie haben zuletzt die Wirtschaftslage in Nordkorea und die positiven Daten darüber beschrieben. Woher kommen die?
Frank: Oft einfach aus dem Wunsch, solche Daten zu haben. Da drückt man auch gern mal beide Augen zu. Was ich interessant finde, ist eine moderate bis starke positive Korrelation zwischen den nordkoreanischen und den südkoreanischen Daten seit 2005. Man ist sich offenbar zumindest über das Ausmaß des Wachstums im Norden und über seine Richtung einig. Der Grund dafür? Gesteigerte Produktivität in der Landwirtschaft sicher nicht. Es gründet eher auf dem Handel mit China. Es geht um den Export von Rohstoffen und den Versuch, als verlängerte Werkbank in Sonderzonen reichlich vorhandene, disziplinierte und billige Arbeitskraft für Cash an Investoren zu verkaufen.
STANDARD: Sie waren zuletzt im April in Nordkorea - wie wahrscheinlich sind Reformen?
Frank: Sehr wahrscheinlich. Kim Jong-un hat eigentlich gar keine andere Wahl, als in der Wirtschaft erfolgreich zu sein. Er braucht Legitimität, und auf ideologischem Wege ist die für ihn kaum zu erwerben. Dafür ist er ist viel zu jung. Und er ist verwandtschaftlich viel zu weit von Kim Il-sung entfernt, um sich nur auf dieser Beziehung ausruhen zu können, wie es sein Vater gemacht hat. Wirtschaftliche Erfolge können aus verschiedenen Richtungen kommen - durch eine intensivere Politik der Ressourcenextraktion im Ausland, etwa über die üblichen Geschichten wie Atomtest-Moratorien im Gegenzug für irgendwelche Transfers. Letztlich wird aber eher eine Außenorientierung vor allem im Handel zunehmend eine Rolle spielen. Die Bedingungen für ausländische Investoren sind bereits erleichtert worden. Man bemüht sich um mehr Handelspartner. Natürlich ist das eine Entscheidung, die Kim Jong-un nicht allein treffen kann, da muss die Umgebung mitspielen. Das ist die große Unbekannte dabei.
STANDARD: Das Modell läuft in Richtung China?
Frank: Absolut, ja, mit koreanischer Note natürlich. Nordkorea 2012 ist nicht China 1978.
STANDARD: Wer ist die Frau, die zuletzt mit Kim Jong-un auftrat?
Frank: Wir wissen noch immer nicht, wer diese Frau ist. Aber es verdichten sich die Hinweise, dass es sich tatsächlich um seine Ehefrau handeln könnte. Aber auch wenn es nur die Schwester oder sonst wer wäre - es ist ein ganz neuer Stil. In einem Land wie Nordkorea, wo die Menschen gelernt haben, zwischen den Zeilen zu lesen, ist das eine riesengroße Sache. Die Führung war eigentlich immer als starr und standardisiert bekannt, jetzt plötzlich gibt es eine Neuerung nach der anderen. Das geht bei aufgeknöpften Jacketts los und der Tatsache, dass Kim Jong-un zum Volk spricht. Dann lässt er sich entspannt mit einer Frau sehen, was noch nicht mal sein Großvater gemacht hat - das ist bemerkenswert und weckt Erwartungen. Aber: Wer Erwartungen weckt, muss sie irgendwann auch erfüllen. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 18.7.2012)
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Vor einem Monat hat Kim Jong-un seine Artilleristen angewiesen, ihre Kanonen auf die Insel Baengnyeong auszurichten. Deren Bewohner leben zwischen Bunkern und Notfallplänen in Angst, auch 2010 ließ der Norden eine Insel beschießen.
Es wird ihm nix Anderes übrigbleiben. Die inneren Spannungen in NK müssen gewaltig sein - für immer lässt sich wohl auch das gehirngewaschenste Volk das nicht gefallen.
Man kann nur hoffen, dass sich der Druck langsam entlädt und nicht schnell und militärisch.
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