Google setzt YouTube-Rekorder unter Druck

17. Juli 2012, 17:49

Speichern von Musikvideos ist nicht vorgesehen - Google geht nun gegen Betreiber solcher Dienste vor

YouTube will das neue Fernsehen sein. Den neuen Videorekorder dazu mag die YouTube-Mutter Google jetzt aber nicht länger tolerieren. Der Internet-Konzern hat Anbieter von Webdiensten angeschrieben, dass ihre Angebote zur Aufzeichnung von Musikvideos gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube verstießen. Eine Online-Petition, die das kritisiert und Google zu Gesprächen über eine Lösung des Konflikts aufruft, wurde in gut zwei Wochen von mehr als 850.000 Internet-Nutzern unterzeichnet.

"Aber Google hat die kleine Keule ausgepackt und angefangen, meine Server zu blockieren."

Er habe im Juni eine Unterlassungsaufforderung von Google bekommen, sagt der 21-jährige Informatik-Student Philip Matesanz im Gespräch. "Ich habe daraufhin um ein Telefongespräch gebeten. Aber Google hat die kleine Keule ausgepackt und angefangen, meine Server zu blockieren. Ich kann jetzt nur noch sehr eingeschränkt auf YouTube zugreifen."

Schaden

Als Begründung erklärt Google: "Dienste wie youtube-mp3.org schaden nicht nur den kreativen Menschen, die YouTube zur Veröffentlichung und Förderung ihrer Inhalte nutzen, sondern letztlich auch der gesamten YouTube-Community." Das Video-Portal will am Streaming-Prinzip festhalten: Hier werden die Video- und Audiodaten direkt im Netz übertragen, ohne dass eine Download-Möglichkeit vorgesehen ist. In den Nutzungsbedingungen zu YouTube erklären sich die Nutzer damit einverstanden, "nicht über irgendwelche andere Technologien oder Mittel als die Video-Wiedergabeseiten der Webseite selbst" auf die Inhalte zuzugreifen.

2009 gestartet

Matesanz hat seine Webseite youtube-mp3.org schon 2009 gestartet. Dort kann man die Internet-Adresse zu einem YouTube-Musikvideo eingeben und erhält dann eine MP3-Datei der Musik. An manchen Tagen habe es ein paar Millionen Zugriffe auf die Webseite gegeben, sagt Matesanz. Er schaltete auch Werbung auf der Seite, die Einnahmen daraus seien für ihn aber nie im Vordergrund gewesen. "Die Entwicklung des Dienstes ist für mich spannender als mein Studium", sagt der Student der Fachhochschule Hannover. "Eigentlich wollte ich immer mal bei Google arbeiten. Aber ich bin jetzt sehr enttäuscht, wie Google mit seinen eigenen Ansprüchen und dem erklärten Vorsatz umgeht, immer zuerst an die Nutzer zu denken."

"Auch werden mit dem Dienst keine Urheberrechtsverletzungen begangen, weil die Umwandlung von YouTube-Musik in eine MP3-Datei vom Recht auf Privatkopie gedeckt ist."

Der Student hat Anwälte um ein Gutachten gebeten und sieht sich im Recht - er verstoße mit seinem Dienst nicht gegen die Nutzungsbedingungen von Youtube. "Auch werden mit dem Dienst keine Urheberrechtsverletzungen begangen, weil die Umwandlung von YouTube-Musik in eine MP3-Datei vom Recht auf Privatkopie gedeckt ist." Es gebe seines Wissens kein Land, in dem der Vertrieb von Videorekordern strafbar wäre, sagt Matesanz und fügt hinzu: "Die Nutzer müssen das Recht haben, so mit den YouTube-Inhalten umgehen zu können, wie sie es schon von anderen Medien kennen."

"Ein Leichtes"

Neben mehreren Web-Diensten wie youtube-mp3.org gibt es eine Reihe von Programmen, die auf dem Computer installiert werden und dann das Speichern von Musik oder ganzen Filmen ermöglichen. Erst in dieser Woche wirbt der Anbieter einer solchen Software in einer Pressemitteilung damit, das es nun "ein Leichtes" sei, "sämtliche Video-Listen auf YouTube in einem Rutsch herunterzuladen".

Kraftakt

Eine E-Mail von Google hat auch der Anbieter von music-clips.net, der Informatiker Michael Proft in Gelsenkirchen, bekommen. Darin sei von möglichen rechtlichen Konsequenzen die Rede gewesen. Proft will sich aber nicht auf einen Kraftakt mit dem Internet-Giganten einlassen und im Fall einer förmlichen Unterlassungsaufforderung den Dienst einstellen.

In der Online-Petition "FreedomOnYoutube" wird das Vorgehen von Google mit der Debatte über das Urheberrecht in Verbindung gebracht. Der Internet-Konzern habe sich mit dem US-Musikindustrieverband RIAA zusammengetan, der auch gegen Medien wie das Portal CNET vorgehe, weil dort Software für das Speichern von YouTube-Inhalten beworben werde. Nach der breiten Resonanz auf die Petition auch in Online-Medien der USA teilte ein Google-Sprecher am Dienstag mit, "dass wir inzwischen Kontakt zu Herrn Matesanz aufgenommen haben und mit ihm im Gespräch sind".

Ergebnislos

Das Telefongespräch mit einem Hausjuristen sei ergebnislos verlaufen, sagt Matesanz. Er hoffe nach wie vor auf eine inhaltliche Diskussion im Interesse der Nutzer. (APA, 17.07. 2012)

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buhu, als ob mir youtube/google das verbieten kann

als nächstes kommen die TV-sender und nehmen mir den dvd-recorder weg, oder was?

Wenn youtube den ganzen illegalen Inhalt entfernen würde, dann bliebe nur noch selbstproduzierter Schrott von Halbwüchsigen über und kein Mensch würde sich mehr für youtube interessieren..

"als nächstes kommen die TV-sender und nehmen mir den dvd-recorder weg, oder was? "

Bei HD Austria ist es ja schon so, dass man das Programm nicht aufnehmen kann ...

Don't be evil, Google!

Missbrauch der Marktmacht?

Wäre natürlich ein Traum, wenn unsere Kartell- und Wettbewerbsbehörden nicht nur PENNEN würden...

Na dann konvertiert man die Videos halt am eigenen Rechner anstatt bei einem dieser Anbieter. Gibt ja ohnehin unzählige Youtube-Download Programme.

Hm!

Musiker verdienen doch heute nur noch über Konzerte, Radio und TV Auftritte. Der Rest wird doch nur noch kopiert und verteilt. Ja und wenn ich mal einen Künstler unterstützen will, kauf ich eben mal ne DVD, CD oder ein Buch über den Hoschi.

"die Einnahmen daraus seien für ihn aber nie im Vordergrund gewesen."

nein, natuerlich nicht...

Solange audials funktioniert hab ich kein Problem

man wird fast zum download gezwungen. youtube funkttioniert dermassen schlecht wenn man eine unstabile Internetleitung hat (zB UMTS modem im Zug) wenn die Verbindung unterbrochen wird, muss man oft von vorne mit dem laden der Seite beginnen, und angeschaute Videos werden oft nochmals geladen, wenn man sie sich nochmals anschauen will (zB wenn ich in einem Hintergrundfenster ein Video laden lasse, damit ich es mir wenn es fertig geladen ist, ohne ruckeln ansehen kann)

Youtube funktioniert sogar mit der besten Internetleitung schlecht...

Hab mit UPC große Probleme, aber erst seit 2-3 Wochen.

ein Kniefall vor der Contentmafia!

solange sie mir nicht meine pornos sperrern!

Ich seh sie mir auch immer nur einmal an

Geil wenn man schon als student ausgesorgt hat.

ein paar millionen zugriffe am tag ist schon extrem.

youtube videos in mp3 umwandeln find ich etwas umständlich.

mir ist der grooveshark downloader lieber , ohne anmeldung und ohne die grooveshark seite zu besuchen kann man direkt in dem programm nach musik suchen und das gewünschte einer downloadliste hinzufügen , die wird dann auf einmal runter geladen.

http://www.scilor.com/groovesha... oader.html

filsh.net - Lädt schnell runter und konvertiert auf Wunsch vor dem Download. Und nein ich werd nicht bezahlt

Thx

Geteilte Meinung

Ich weiß nicht so recht was ich davon halten soll... Einerseits sollte das Recht auf Privatkopie ja gegeben sein.

Andrerseits find ichs peinlich, wenn der Betreiber dieser Site auf "armes Opfer vom bösen Google" macht, obwohl er gegen die Nutzungsbedingungen verstößt.

Und ich beobachte weiters, wie die Musik von vielen jungen Bands und Produzenten auf youtube geleaked wird, und wiederum die nachfolgende Generation dem Ganzen eine selbstverständliche "Pech gehabt, ich lads mir bei youtube runter"-Mentalität entgegenbringen.

Und ich red hier nicht von Chart-Musik. Ich red von tw extrem talentierten Produzenten und Musikern, für die der Unterschied zwischen Gewinn und Verlust der Verkauf von 200 oder 400 CDs/MP3-Alben ist...

Das Recht auf Privatkopie gilt ja jedenfalls, wenn man selbst einen der unzähligen YouTube-Downloader-MP3-Konverter benutzt. Das ist ja hoffentlich unstrittig.

Nach öst. Urheberrechtsgesetz ist aber auch das Anfertigen von Privatkopien auf Bestellung von Dritten erlaubt. Das heißt, man darf bspw. eine CD für einen Freund kopieren. Wieso sollte man daher so einen MP3-Konverter nicht auch für Dritte bereitstellen dürfen? In Österreich ist es ja egal, in welchem Bekanntheitsgrad man zum "Dritten" steht.

Dass das mit dem Geschäftsmodell von Google kollidiert (Google zahlt der Musikindustrie und verdient mit Werbung) ist natürlich auch logisch.

Glauben Sie, dass auf Youtube populäre Lieder deswegen weniger oft gekauft werden ?

das Gegenteil ist der Fall, was die Leute mögen, das kaufen sie auch.

Es ist heutzutage in der Tat nicht mehr so, dass man sich Musik die man mag kaufen muss.

Umso wichtiger ist es also für einen Künstler bekannt zu werden, damit möglichst viele Menschen seine Musik kaufen und zu seinen Konzerten kommen.

Die Möglichkeit Musik von Youtube herunter zu laden gab es immer und es sollte sie weiterhin geben.
Sie gibt auch jenen die Möglichkeit sich Musik herunter zu laden, die möglicherweise sonst garnicht das Geld dazu hätten sich die Lieder zu kaufen.

Und wenn sie ein paar gute Bands oder Musiker kennen, bitte nennen sie diese. Es wird ihnen doch auch wichtig sein, dass es die in Zukunft auch gibt.

nope

da haben Sie nicht recht. Bei mir ist die normale vorgehensweise: Ich bin in einer Bar und hoere einen guten Song. Ich checke mit Shazam auf meinem Android was das fuer ein Lied ist. Zu Hause check ich das Lied auf Youtube und lade es ueber einen dieser Dienste herunter. Diese Dienste haben Macken und funktionieren manchmal nicht.
Und wenn's zu lange dauert, gehe ich auf itunes und kaufe.

Wenn Youtube also diese Dienste erfolgreich sperrt, kaufe ich sicher mehr bei itunes oder spotify ein. Und der Kuenstler bekommt mehr Geld.

wenn youtube usw. die dienste sperrt

dann macht ein anderer auf

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