Schwache Obsternte - teure Marmelade

17. Juli 2012, 17:26
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Hersteller Staud kann heuer nur 30 statt 80 Tonnen Marillen aus Österreich verarbeiten

Wien - Die Preise von Obstprodukten wie Marmelade könnten in Österreich wegen der zu erwartenden Minderernte heuer steigen. Das schlossen weder der Chef des Großproduzenten Darbo, Martin Darbo, noch der Geschäftsführer der Nahrungs- und Genussmittelindustrie in der Wirtschaftskammer, Michael Blass, aus. Der Chef des Marmeladenherstellers Staud, Hans Staud, erwartete auf Anfrage, dass er heuer "nur 30 Tonnen Marillen aus Österreich im Gegensatz zu 80 Tonnen in einem Normaljahr" verarbeiten werde.

In einem normalen Erntejahr verwendet der Wiener Hersteller Staud rund 60 Prozent des Obstes für die Marmeladen aus Österreich. Wegen der heurigen Ernteeinbußen wird dieser Wert 2012 aber nicht haltbar sein, erklärte der Firmenchef. "Ich kenne nur einen Bauern, der heuer eine normale Marillenernte einfährt", so Staud. Andere hätten 70-prozentige Ernteeinbußen. Auch Frühsorten der Erdbeere seien teilweise ganz zerstört worden - wegen Spätfrost und Hagel.

Preiserhöhung noch offen

"Ob es heuer Preiserhöhungen geben wird, ist noch offen", meinte Darbo-Chef Martin Darbo. Gegen wetterbedingte dramatische Ernteeinbußen könne man nichts machen, so der Chef der Tiroler Firma, die Marillen für ihre Marillenmarmelade werden zur Gänze importiert. Die Darbo-Marillenmarmelade hat hierzulande laut Eigenangaben einen Marktanteil von 57 Prozent. Aus Österreich stammten bei Darbo "der größte Teil" des verwendeten Zuckers, einige Honigsorten aber nur wenige Früchte wie Holunderbeeren sowie rote und schwarze Ribisel.

"Importiert wird erntefrisch tiefgefrorenes Obst", so Darbo. "Wie jedes Jahr warten wir auch heuer die Ernte aller wichtigen Obstsorten ab und entscheiden erst dann über Preiserhöhungen", so Darbo. Hauptpreistreiber sei seit dem vergangenen Jahr "jedoch hauptsächlich die begrenzte Menge an Zucker". Darbo rechnet damit, heuer wie im Jahr davor, 14.600 Tonnen Obst zu verarbeiten und "im Idealfall den 2011er Umsatz von 110,4 Mio. Euro etwas zu steigern", so der Firmenchef.

Staud rechnet ebenso mit einem Umsatz, der 2012 mit 9 Mio. Euro gleich ausfallen wird, wie im Jahr davor. 2013 will er 10 Mio. Euro schaffen. 4 Mio. Euro macht er zusätzlich pro Jahr Umsatz mit Gemüse. Insgesamt sind 66 Menschen beschäftigt. Er baut darauf, "dass alle kapieren, dass lokales, regionales Wirtschaften zukunftsträchtig und nachhaltig ist".

Höhere Einkaufspreise

Seine Einkaufspreise würden heuer trotz Ernteausfällen nur um zwei bis drei Prozent steigen - "obwohl die Marillen am Frischmarkt per Kilo heuer vier nach drei Euro 2011 kosten". Zugekauft würden, auch in guten Jahren, Marillen aus Ungarn - "die gleiche Sorte wie aus der Wachau". "In Jahren der Überernte habe ich meinen Bauern im Verhältnis auch etwas mehr bezahlt", so Staud. Daher fielen die momentanen Preissteigerungen für ihn "moderat" aus. "Kontinuität im Glasl", nennt das Staud.

Bauern empfehle er seit Jahren, das Risiko zu streuen: "Es braucht verschiedene Kulturen, man kann beispielsweise nicht nur von Erdbeeren leben, bzw. braucht man dann Erdbeerfelder in verschiedenen Regionen. Auch empfehle ich, wo das möglich ist, Gefrierbewässerungen - wie in Südtirol bei den Apfelplantagen", so Staud.

Laut Blass von der Wirtschaftskammer seien - wenn es tatsächlich zu einer Minderernte kommen sollte - "alle Varianten möglich": Es könne zu Preissteigerungen kommen oder auch dazu, dass bestimmte Produkte gar nicht zu haben seien.

Blass sprach auch eine grundlegende Schwierigkeit der Branche an: Durch die Globalisierung sei der "Neuigkeitseffekt" von bestimmten saisonalen Produkten weggefallen, da sie inzwischen so gut wie das ganze Jahr über erhältlich sind. "Der Konsument gewöhnt sich an den ganzjährigen Genuss", so Blass. So käme manch Produzent in den bedauerlichen Effekt, frische Waren zu Preisen auf den Markt bringen zu müssen, die zeigten, er müsse unter Druck verkaufen. (APA, 17.7.2012)

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