Gespräche mit Pius-Brüdern könnten scheitern

17. Juli 2012, 17:26
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Papst kritisiert Bruderschaft indirekt, Einigung im Juli gilt nun als unwahrscheinlich

Scheitert die Einigung zwischen dem Vatikan und den Piusbrüdern nach monatelangen Verhandlungen auf der Zielgeraden? Wenn die Zeichen nicht trügen, ist die für Juli erwartete Aussöhnung des Vatikans mit der erzkonservativen Bruderschaft wieder in weite Ferne gerückt. In Rom rechnet man demnächst mit einer negativen Antwort auf das Angebot des Papstes.

Dass Benedikt XVI. am Sonntag bei einem Besuch in Frascati vom schriftlichen Text seiner Predigt abwich und das zweite vatikanische Konzil lobte, wurde als deutlicher Wink an die Piusbrüder gedeutet, die gleichzeitig im schweizerischen Econ ihr Generalkapitel abhielten. Das zweite vatikanische Konzil, an dem Joseph Ratzinger vor einem halben Jahrhundert als junger Theologe mitgewirkt hatte, enthalte einen " enormen Reichtum" für die Bildung neuer christlicher Generationen und bleibe "Richtschnur für die Verkündigung des Glaubens", versicherte das Kirchenoberhaupt vor mehreren tausend begeisterten Gläubigen.

"Nicht wir, die mit Rom brechen"

Nach dem Generalkapitel der Bruderschaft äußerte sich deren Generaloberer Bernard Fellay mit keinem Wort zur Debatte über die Aussöhnung mit dem Vatikan. In einem Interview auf der Webseite der Bruderschaft erklärte er: "Es sind nicht wir, die mit Rom brechen. Doch es ist unrealistisch, die modernistischen und liberalen Tendenzen in der Kirche zu leugnen, die durch das zweite Vatikanum eingeführt wurden."

Die Bruderschaft habe nach dem Ausschluss von Bischof Richard Williamson ihre Einheit wiedergefunden. Der Holocaust-Leugner sei wegen " beständigen Ungehorsams" mit 29 zu 8 Stimmen vom Generalkapitel ausgeschlossen worden.

Bischof Müller "Häretiker"

Scharfe Angriffe richtete Fellay gegen den neuen Präfekten der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, der den Piusbrüdern ein Dorn im Auge ist. Fellay bezeichnete den deutschen Erzbischof als " Häretiker", dessen Schriften "mehr als fragwürdig" seien. Unklar ist, ob es bei der erwarteten Ablehnung der Piusbrüder zu weiteren Verhandlungen kommt. Der Papst hat letzthin den amerikanischen Kurienerzbischof Augustine Di Noia zum Vize-Präsidenten der Kommission Ecclesia Dei ernannt und mit dem Aufgabenbereich Piusbruderschaft beauftragt. (Gerhard Mumelter/DER STANDARD Printausgabe, 17.7.2012)

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    Kein Fan des zweiten Vatikanums: Pius-Bruder Fellay.

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