US-Notenbank blickt bang in die Zukunft

17. Juli 2012, 18:31
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Der US-Notenbankchef Ben Bernanke sieht eine weiter schwächelnde US-Wirtschaft, der Arbeitsmarkt bleibt das Sorgenkind

Washington - Die US-Notenbank plant zur Enttäuschung der Finanzmärkte zunächst keine milliardenschweren neuen Wertpapierkäufe. Zentralbank-Chef Ben Bernanke gab bei der halbjährlichen Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats am Dienstag jedenfalls keine konkreten Hinweise auf künftige Maßnahmen und schickte damit die Aktienmärkte abwärts. Zugleich betonte Bernanke aber, die US-Notenbank sei grundsätzlich bereit, die schwächelnde Konjunktur und den lahmenden Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten zu stützen.

Der Euro gab nach den Bernanke-Aussagen etwas nach. "Die Fed schaut sich eine ganze Reihe möglicher Instrumente an, um die Konjunktur zu stimulieren, (...) sollte ein weiterer Stimulus nötig sein", sagte Bernanke. "Es ist sehr wichtig, dass wir nachhaltige Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt sehen und eine deflationäre Entwicklung vermeiden. Darauf werden wir achten."

Vor der Anhörung war an den Finanzmärkten darauf spekuliert worden, dass Bernanke eine dritte Runde von Anleihekäufen - im Fachjargon QE3 genannt - andeuten könnte. Bernanke blieb jedoch eher theoretisch und erklärte den Senatoren, die Fed könne - wenn sie denn ihre Geldpolitik lockern wolle - erneut Staatsanleihen oder abermals Immobilienpapiere kaufen. Zugleich könnte an den Möglichkeiten der Banken, sich bei ihr kurzfristig Geld zu leihen, geschraubt, diverse neue Kommunikationsinstrumente genutzt oder aber der Zins verringert werden, den sie Banken zahlt, die Geld bei ihr parken.

Abgeschwächte Konjunktur

Zentralbankchef Bernanke rechnet mit einem weiteren Abschwächen der US-Konjunktur in den nächsten Monaten. Zugleich sieht er erhebliche Gefahren für das Wachstum durch anstehende Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen 2013. Dies könnte Anfang nächsten Jahres gar zu einer "schwachen Rezession" führen, sagte Bernanke in seinem Halbjahresbericht vor dem Bankenausschuss im US-Senat.

Eindringlich warnte er vor Risiken der Eurokrise für die amerikanische und die weltweite Konjunktur. "Die Möglichkeit, dass sich die Situation in Europa weiter verschlechtert, bleibt eine entscheidende Gefahr für die Aussichten", sagte er am Dienstag. Zugleich machte der Fed-Chef klar, dass die Zentralbank bereitstehe, um die Konjunktur mit weiteren Maßnahmen zu stützen. Allerdings nannte er keine konkreten Schritte. Die historisch niedrigen Leitzinsen sollten zumindest bis Ende 2014 beibehalten werden.

Mit einem Wachstum von lediglich zwei Prozent habe die US-Konjunktur im ersten Halbjahr 2012 deutlich an Tempo verloren. Noch im zweiten Halbjahr 2011 habe das Plus bei 2,5 Prozent gelegen. Für das zweite Halbjahr 2012 müsse "mit einem noch geringeren Anstieg" gerechnet werden, sagte Bernanke, ohne sich jedoch auf eine genauere Prognose festzulegen.

Der Fed-Chef verwies auf jüngste Schätzungen, nach denen das Wachstum in diesem Jahr zwischen 1,9 und 2,4 Prozent, im nächsten Jahr zwischen 2,2 und 2,8 Prozent liegen könnte. Allerdings unterstrich er ausdrücklich die fiskalischen Risiken ("fiscal cliff") durch auslaufende Steuerentlastungen und Sparmaßnahmen im Staatshaushalt 2013.

Rezession nicht auszuschließen

Falls alle anstehenden Maßnahmen im nächsten Jahr tatsächlich umgesetzt würden, schloss er einen Rückfall in eine leichte Rezession Anfang 2013 nicht aus. Dies könnte auch bedeuten, dass im kommenden Jahr 1,25 Millionen weniger Jobs als erwartet geschaffen würden.

Die Lage auf dem Jobmarkt nannte Bernanke frustrierend. Er erwarte, dass die Arbeitslosenrate noch bis Ende 2014 bei sieben Prozent oder gar darüber liegen dürfte - derzeit sind 8,2 Prozent der Amerikaner ohne Job. Das düstere Bild Bernankes ist zugleich ein schwerer Rückschlag für Präsident Barack Obama, der im November um seine Wiederwahl fürchten muss. Konjunktur und Arbeitslosigkeit sind Hauptthemen des Wahlkampfes.

Bernanke nannte zwei Hauptgefahren für die US-Konjunktur: "Die erste ist die Bankenkrise in der Euro-Zone, die zweite ist die Haushaltssituation in den USA." Ausdrücklich nannte er die Krise in Griechenland, die Lage spanischen Banken und die allgemeine Situation im europäischen Bankensektor. (APA/Reuters, 17.7.2012)

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    Ben Bernanke kann keine rosigen Zukunftsbilder malen.

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