Frauenministerin will 40 Prozent Frauenquote bei Führungspositionen

Interview | Gerald John, 17. Juli 2012, 18:14
  • Erst die Aufsichtsräte, dann die Vorstände: Ministerin Heinisch-Hosek
 will, dass Chefetagen keine "frauenfreie Zonen" mehr sind.
    foto: apa/neubauer

    Erst die Aufsichtsräte, dann die Vorstände: Ministerin Heinisch-Hosek will, dass Chefetagen keine "frauenfreie Zonen" mehr sind.

Heinisch-Hosek: "Allein mit Freiwilligkeit kommen wir nicht weiter"

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) konkretisiert im STANDARD-Interview den Ruf ihrer Partei nach einer Frauenquote für Privatbetriebe: Bis 2015 sollen 30 Prozent, bis 2020 bereits 40 Prozent der Aufsichtsräte und Vorstände weiblich sein. Gelten solle die Quote für börsennorientierte Unternehmen und große Kapitalgesellschaften. Am Wochenende hatte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) Frauenquoten in der Privatwirtschaft eine Absage erteilt. Auch Wirtschaft und Industrie sind strikt dagegen.

STANDARD: In der Regierung sind Frauen stark unterrepräsentiert. Welche männlichen Kollegen schmeißen Sie raus, wenn die Frauenquote eingeführt wird?

Heinisch-Hosek: Auf diese Frage lasse ich mich nicht ein. Ich will ja gerade auch dem Wirtschaftsminister die Angst vor der Frauenquote nehmen. Es stimmt, eine solche Regel würde weniger Männer in Führungspositionen bedeuten, aber dafür muss ich diese nicht gleich rauskicken. Der öffentliche Dienst zeigt vor, wie der Frauenanteil gesteigert werden kann, wenn bei Neubesetzungen eine Quote ernst genommen wird.

STANDARD: Sie wollen die Quote nun aber auch in der Privatwirtschaft. Auf allen Ebenen?

Heinisch-Hosek: Im ersten Schritt in Aufsichtsräten und im zweiten auch in Vorstandsetagen. Schon in den Vorschlägen brauchte es da eine Quotierung, damit nicht nur Männer nominiert werden.

STANDARD: Und in den Ebenen darunter auch?

Heinisch-Hosek: Ich bin mir nicht sicher, ob das die Politik vorzuschreiben hat. Wir beginnen jetzt einmal mit den Chefetagen, wobei ich den Rückenwind aus der EU-Kommission nützen will. Ich hoffe auch, dass sich Unternehmen selbst Frauenquoten auferlegen, wie das die deutsche Telekom vorzeigt.

STANDARD: Wie hoch soll die Frauenquote sein?

Heinisch-Hosek: In Anlehnung an EU-Kommissarin Viviane Reding möchte ich für die Privatwirtschaft folgendes Ziel ausgeben: Bis 2015 soll die Frauenquote auf 30 Prozent steigen, bis 2020 auf 40 Prozent. Es muss sich endlich etwas bewegen. Allein mit Freiwilligkeit kommen wir nicht weiter. Die Aufsichtsräte und Vorstandsetagen sind praktisch frauenfreie Zonen.

STANDARD: Würde Qualifikation dann zweitrangig?

Heinisch-Hosek: Nein. Wenn sich zwei bewerben, soll immer der oder die Bessere genommen werden. Wenn beide aber gleich gut qualifiziert sind, kommt so lange das unterrepräsentierte Geschlecht dran, bis die Quote erreicht ist. Es kann auch sein, dass in einer Firma die Frauen in der Überzahl sind. Dann gibt es eben einen Quotenmann.

STANDARD: Formale Qualifikation spiegelt aber nicht zwangsläufig die reale Leistung wieder. Könnte die Quote in manchen Fällen nicht Arbeitgeber dazu zwingen, eine Frau zu nehmen, obwohl ein Mann geeigneter wäre?

Heinisch-Hosek: Ich weigere mich, die Quote immer im Zusammenhang mit Qualitätsminderung zu diskutieren, das ist nicht das Thema. Die Erfahrung im öffentlichen Dienst zeigt, dass die Regel eine andere ist: Dank der 1993 eingeführten Quote gibt es heute immerhin 30 Prozent Frauen in Spitzenfunktionen und 20 Prozent Sektionschefinnen, doch die Leistung hat keineswegs gelitten - im Gegenteil. Aus Studien wissen wir, dass Konzerne mit gemischten Führungsteams erfolgreicher sind, da lasse ich mir nicht einreden, dass Quotenfrauen die Qualität senken. Bei Betriebsbesuchen treffe ich so viele motivierte, talentierte, toll ausgebildete Frauen. Es ist Nonsens, dieses Potenzial brachliegen zu lassen.

STANDARD: Ein Arbeitgeber kann immer behaupten, dass in seinen Augen ein Mann besser qualifiziert sei. Wie ist die Quote exekutierbar?

Heinisch-Hosek: So, wie jetzt bereits im öffentlichen Dienst. Hat eine Frau den Eindruck, sie wurde diskriminiert, kann sie eine Prüfung der Gleichbehandlungskommission verlangen. Außerdem hat jede und jeder die Möglichkeit, individuell bei Gericht sein Recht einzuklagen.

STANDARD: Wie sollen Unternehmen in Branchen, wo es einfach viel mehr männliche Uni-Abgänger gibt, eine Frauenquote einhalten?

Heinisch-Hosek: Wenn sich für einen Job in einem technischen Unternehmen vorerst gar keine Frau meldet, kann ich die natürlich auch nicht herzaubern. Man sollte deshalb auch früher ansetzen, bereits HTLs werben mittlerweile um Frauen. Die Quote ist nur das Ende der Fahnenstange.

STANDARD: Unternehmer tragen das wirtschaftliche Risiko und zahlen die Löhne. Pochen die nicht zu Recht darauf, sich ihre Mitarbeiter selbst aussuchen zu dürfen?

Heinisch-Hosek: Ich will jetzt nicht ätzend werden, aber dann sollten wir die Unternehmer auch fragen, wie viele von ihnen schon einmal staatliche Förderungen bezogen haben. Ich gehe davon aus, dass es die Mehrheit ist.

STANDARD: Viele Männer werden es unfair finden, dass bei gleicher Qualifikation automatisch die Frau den Job bekommt. Verstehen Sie da nicht die Angst vor einer Frauenquote?

Heinisch-Hosek: Nein. Wie gesagt, will ich ja keinen Mann rausschmeißen, sondern bei Nachbesetzungen auf die Talente von Frauen zurückgreifen. Warum soll nicht das unterrepräsentierte Geschlecht genommen werden? Frauen haben über Jahrhunderte Nachteile hinnehmen müssen.

STANDARD: Dafür kann der einzelne Mann, dem heute ein Job durch die Lappen geht, womöglich nichts.

Heinisch-Hosek: Dieses Argument lasse ich nicht gelten. Wenn Männer die Quote ungerecht finden, sollten sie zum Beispiel auch darüber nachdenken, wie sehr sie sich an der Arbeit in Haushalt und Familie beteiligen. Doch diese Fragen stellen sie sich selten bis nie. (Gerald John, DER STANDARD, 18.7.2012)

Gabriele Heinisch-Hosek (50) ist seit Dezember 2008 Frauen- und Beamtenministerin und seit Juni 2009 Frauenchefin der SPÖ. Vor ihrer bundespolitischen Karriere war sie Lehrerin an der Schwerhörigenschule Wien.

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Gelten solle die Quote für börsennorientierte Unternehmen und große Kapitalgesellschaften.

Vielleicht sollte die Frauen- und Beamtenministerin beschließen, daß 40% des Aktienkapitals -das ja fast zur Gänze von "männlichen" Großaktionären gehalten wird- an qualifizierte Frauen zu übergeben ist. Denn die Großaktionäre selbst oder Personen die ihre Interessen vertreten sitzen im Vorstand und Aufsichtsrat von AGs.

Wenn Frauen in den Vorstand von AGs erzwungen werden, schafft man MarionettInnen und Strohfrauen, die für Entscheidungen haften, die im Hintergrund von Männern getroffen wurden.

"... wie sehr sie sich an der Arbeit in Haushalt und Familie beteiligen."

Also ungenierter kann mans nicht übern Kamm scheren. Die olle is ja völlig verdreht. Das Bild des Mannes, wie es in den 50ern transportiert worden ist existiert ja zum Glück größtenteils nur noch in Pensionistenheimen oder im Spital.

Das ich mich am Haushalt beteilige ist für mich zumindest und ich schätze auch für einen großen Teil der hier postenden Burschen selbstredend.

Wenn man Familie als Arbeit ansieht dann sollte man seine Einstellung nochmal überdenken.

"Hat eine Frau den Eindruck, sie wurde diskriminiert, kann sie eine Prüfung der Gleichbehandlungskommission verlangen."

Und damit dort auch das gewünschte Ergebnis herauskommt, besteht die o.g. Kommission zu 94 % aus Frauen. ( http://www.frauen.bka.gv.at/site/5513... fault.aspx ).

Nichts für ungut, Frau Heinisch-Hosek. Aber die "Ausgeglichenheit" in Ihrer netten Kommission zeigt deutlich, welch Geistes Kind Sie überhaupt sind.

Ich sag nur: "Heinisch minus Hosek"

Für Ihr image warat's besser gewesen, Sie hätten gar nichts gesagt...

WIE VIELE EHEN WIRD DIESE FRAU SCHON RUINIERT HABEN?

Frau KAs(!)Hofer, Sie hier?

Die Frau HH ist ein Schlag ins Gesicht

für "liberale" Männer die:" in Karenz gehen, im Haushalt mitarbeiten, sich die Kinderbetreuung mit der Partnerin teilen, ja auch Dinge verzichten damit des dem Kind und der Partnerin gut geht, die für Gleichberechtigung nicht nur ein Wort ist, die in ihrem Umfeld dafür eintreten usw........."

Fundamentalisten gibt es nicht nur bei den Rechten!

Oder wie es ein Freund von mir so treffend formuliert hat: Die Rechten hatten Hitler und die Linken Stalin"

(Die Erwähnung dieses Zitats ist rein zufällig, sollten Ähnlichkeiten mit Realen Personen bestehen so sind diese Rein zufällig und nicht beabsichtigt)

Es gilt die Unschuldsvermutung für alle Beteiligten.

lg Adyingwish (mit seinem letzten Post, da mühselig)

Nur ist die Stalinbewaeltigung der ehemaligen UdSSR vorbehalten, die Hitleraufarbeitubg aber uns.
Im Klartext: die hiesigen linken haben kein Stalinproblem. Aber die hiesigen Rechten ein Hitlerproblem.

Sie haben mit der Bewältigung recht

und nein ich finde es trotzdem nicht in Ordnung Massenmörder anderer Nationen als Vorbild dazurstellen - etwa Mao, oder Stalin etc.

Wer nochmal stellt Mao oder Stalin als Vorbild dar? Namen bitte...

derStandard.at: Was halten Sie von Quoten an der Uni?

Erfolgreiche Frauen brauchen offensichtlich keine Quoten. Nur Lehrerinnen, Zahnarzthelferinnen udgl., die Minister werden wollen.

Kamleitner: Bei Quoten heißt es dann oft, die Frauen haben den Job nicht wirklich verdient. Ich denke, solange sichergestellt ist, dass Gleichbehandlung herrscht und im Zweifelsfall der Frau der Vorrang gegeben wird, ist das ausreichend.

http://derstandard.at/134213928... forumstart

Wie wärs mit 40% Regierungsmitglieder die zumindest halbwegs vernünftig denken können?

Wer sagt denn den fast 100% unvernünftigen das sie morgen nicht

mehr Minister sind?

"H.H eine hoch intessante Frau"!

Mindestens 40 % Parlamentarier ohne Promille im Blut!

Das wär mal eine tolle Quote!

Diese lächerlichen Diskussionen über Quoten gehen mir schon gewaltig auf die Nerven.

Wenn überhaupt so helfen Quoten nur äußerst wenigen die so oder so überdurchschnittlich viel verdienen. Der Großteil der Bevölkerung hat davon nichts. Es handelt sich also im Prinzip um Adeligen-Quoten.

Wichtiger wäre es meiner Meinung nach sich dafür einzusetzen, dass die Bezahlung allgemein -- egal ob für Frau oder Mann -- ansteigt.

eine quotenfrau will weitere quotenposten schaffen

Na ja, sie wird ja nicht immer Ministerin sein, es gilt ja sich jetzt schon einen bequemen 'versorgungsposten' sich zu schaffen.
Da sie in der freien Wirtschaft nur geringe Chancen hat viel Geld für wenig Arbeit zu bekommen müssen Stellen geschaffen werden wo der Auswahlprozess ihr entgegenkommt.

Eine sexistin im frauenministerium - wen wunderts? Unglaublich was diese frustrierte frau da an männerfeindlichkeit zu tage legt!

Stell´Dir vor, 40% aller Vorstandsjobs sind für Frauen reserviert und keine will einen

Ich bemerke bei immer mehr Frauen, aber auch Männern, eine sinkende Bereitschaft sich für die zu quotierenden Positionen zur Verfügung zu stellen.
Zum einen wird argumentiert, dass es sich um Schleudersitze handelt (für Frauen besonders abschreckend), die Lebensqualität durch überlange Arbeitszeiten und interne Machtkämpfe (letzteres wieder für Frauen ausgesprochen abschreckend) leide - dies abseits einer allfälligen Familienvereinbarkeit. Tatsächlich erlebt jeder, der in einem größeren Konzern arbeitet, dass Vorstände (und Bereichsleiter) im 2-3 Jahrestakt ausgetauscht werden. Betroffene Vorstände, die oft keinen adäquaten Job finden, arbeiten dann im "Beratungssegment"....

trottelaussage

"Dieses Argument lasse ich nicht gelten. Wenn Männer die Quote ungerecht finden, sollten sie zum Beispiel auch darüber nachdenken, wie sehr sie sich an der Arbeit in Haushalt und Familie beteiligen. Doch diese Fragen stellen sie sich selten bis nie. "

ah, bei single männern macht sich der haushalt von selbst.

Mama oder Putze.

Von sich selbst auf andere geschlossen?

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