Industriellen-Chef verteidigt Weißrussland gegen Kritik

17. Juli 2012, 15:47
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Kapsch: Sehe keinen Unterschied zwischen Weißrussland und vielen anderen Staaten in der ehemaligen UdSSR

Wien - Der neue Industriellenpräsident Georg Kapsch hat am Dienstag Weißrussland gegen eine Menschenrechtskritik verteidigt, die zweierlei Maß an autoritäre Regime anlegt. "Ich sehe keinen Unterschied zwischen Weißrussland und vielen anderen Staaten in der ehemaligen UdSSR", antwortete Kapsch am Dienstag bei seiner Bilanzpressekonferenz auf eine Journalistenfrage nach dem "Schurkenstaat". "Das sind letzten Endes alles Diktaturen, warum pickt man sich immer nur ein Land heraus?"

"So wie ich selbst Weißrussland erlebt habe, ist die Diktatur nicht spürbar", meinte der frühere LIF-Politiker Kapsch. Er heiße nicht gut, was in Weißrussland politisch passiere, den USA oder China sei es aber "völlig gleichgültig, ob es sich bei einem Geschäftspartner um einen 'Schurkenstaat' handelt oder nicht".

"Happy people on a sinking boat"

Europa und Österreich müssten sich bewusst entscheiden, ob sie Jobs aus Aufträgen auch von Nicht-Demokratien wollten. Wenn nein, "dann sind wir happy people on a sinking boat", sagte der Vorstandschef der Kapsch TrafficCom. Im Juni hatte die österreichische Industriellenvereinigung (IV) den Wiener Familienunternehmer zu ihrem Präsidenten gewählt.

Kapsch TrafficCom hat im Februar den Auftrag erhalten, in Weißrussland ein landesweites elektronisches Mautsystem zu errichten und zu betreiben. Das Auftragsvolumen für die Errichtung wird mit rund 267 Millionen Euro beziffert, wovon 158 Mio. Euro auf die ersten beiden Phasen innerhalb der nächsten zwei Jahren entfallen.

Weißrussland wird häufig als "letzte Diktatur Europas" bezeichnet. Präsident Alexander Lukaschenko, der das Land seit 1994 autoritär regiert, wurden in der Vergangenheit wiederholt Menschenrechtsverletzungen und die Manipulation von Wahlen vorgeworfen. (APA, 17.7.2012)

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    IV-Präsident Kapsch glaubt, dass man auch mit Nicht-Demokratien Geschäfte treiben soll. Sonst befände man sich auf einem sinkenden Schiff.

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