Widerstandsbündnis in Österreich fordert Ende der religiösen Beschneidung

Sarah Dyduch
17. Juli 2012, 18:15
  • Die Beschneidung ist im Judentum ein religiöses Gebot, im Islam hingegen "nur" eine weit verbreitete Sitte.
    foto: apa/bea kallos

    Die Beschneidung ist im Judentum ein religiöses Gebot, im Islam hingegen "nur" eine weit verbreitete Sitte.

Jüdische und islamische Religionsgemeinschaften sprechen von "antireligiösen Fundamentalisten" und "Unruhestiftern"

Nach dem Kölner Urteil, das die Beschneidung von Kindern als Körperverletzung bewertet, wird in Deutschland heftig diskutiert, wie das Gesetz zukünftig bei religiös motivierten Beschneidungen anzuwenden sei. Diese Debatte soll nun auch auf Österreich übergreifen, wenn es nach einer Gruppe von fünf Beschneidungskritikern geht.

Widerstand gegen die Beschneidung von Buben und männlichen Säuglingen kommt etwa vom Mitbegründer der "Initiative gegen Kirchenprivilegien", Niko Alm. Er sieht religiös motivierte Beschneidungen als Körperverletzung. Mit Gleichgesinnten will er sich daher auch für eine Gesetzesänderung in Österreich einsetzen.

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag erklärte Alm, dass Religionsfreiheit für ihn selbstverständlich, aber "auch ein Abwehrrecht" sei. Beschneidungen erlaubt das Gesetz in Österreich aufgrund der Freiheit der Religionsausübung. Diese Freiheit müsse aber ihre Grenzen dort finden, wo es um die Integrität des Körpers des Kindes gehe, sagt Alm.

Gesetzesänderung gefordert

Eine Beschneidung bedeute immer einen Eingriff in die körperliche Integrität, meint Rechtsanwältin Eva Plaz. Diesen Eingriff könne weder die Religionsfreiheit noch das Erziehungsrecht der Eltern rechtfertigen. Für Plaz ist die entscheidende Frage, wer eine Beschneidung bewilligen kann. Bis zum 14. Lebensjahr sind das in Österreich die Eltern; sie dürften aber laut Gesetz in nichts einwilligen, was das Kindeswohl beeinträchtigen könnte. Eine Beschneidung gilt gesetzlich aber nicht als eine solche Beeinträchtigung.

Auf eine von einigen Beschneidungskritikern geforderte Gesetzesänderung angesprochen, erklärt die Juristin, dass es möglich wäre, ein "Alter festzulegen, ab dem die Betroffenen selbst einer Beschneidung zustimmen können". Außerdem, so Plaz, sei "die öffentliche Debatte sehr wichtig". 

Befürworter: "Rechtslage eindeutig"

"Die Rechtslage in Österreich ist eindeutig geklärt", heißt es dazu von der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien. Dort sieht man den sich formierenden Widerstand gelassen: Offensichtlich handle es sich  um "antireligiöse Fundamentalisten", die sich zusammengefunden hätten, um jene Diskussionen, die in Deutschland geführt werden, auch in Österreich anzuheizen.

Fuat Sanaç, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), zeigt sich gegenüber derStandard.at skeptisch, ob die Widerstandsbewegung gute Absichten hat. "Die Absicht ist hier sehr wichtig: Steckt da Antisemitismus oder Antiislamismus dahinter?" Sanaç fordert daher einen sachlichen und wissenschaftlichen Dialog ohne Wirbel. Alles andere sei "Unruhestiftung". Im Islam handelt es sich bei der Beschneidung – anders als im Judentum – um eine weit verbreitete Sitte, nicht aber um ein religiöses Gebot.

"Ich war der Markierte"

Einer der Beschneidungskritiker ist der Ex-Muslim Cahit Kaya. Er wurde als Bub in einem Vorarlberger Krankenhaus beschnitten - aus religiöser Tradition. "Ausgeliefert habe ich mich damals gefühlt. Meine Eltern konnten mir keine Antwort geben darauf, warum der Eingriff gemacht werden sollte." Böse ist Kaya seinen Eltern heute nicht, sie hätten nicht gewusst, was eine Beschneidung für ein Kind bedeute. "Es war aber belastend. Ich war beim Umziehen zum Sportunterricht immer der Markierte; der, der anders ist." Für Kaya ist der gesellschaftliche Druck unter Muslimen groß, ihre Kinder beschneiden zu lassen.

Dem entgegnet IGGiÖ-Präsident Sanaç, dass eine Beschneidung eine "freie Entscheidung" sei. Er räumt aber ein, dass "vielleicht unter einer Million einmal ein Fehler" passieren könne. Eltern schickten ihre Kinder ja auch zur Schule, ohne sie zu fragen, ob diese den Schulbesuch tatsächlich befürworten würden. Aber das Erziehungsrecht der Eltern sei nun einmal zu respektieren, so Sanac. (Sarah Dyduch, derStandard.at, 17.7.2012)

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Posting 1 bis 25 von 1645
Genitalverstümmelung ist und bleibt ein Verbrechen,

ganz egal, ob dafür religiöse Motive ins Treffen geführt werden. Religion ist kein Freibrief für Perversionen...

"Eltern schickten ihre Kinder ja auch zur Schule, ohne sie zu fragen, ob diese den Schulbesuch tatsächlich befürworten würden"

Schon mal was von Schulpflicht gehört??

Mann, das ist echt eine Kasperltruppe!

In der Schule werden halt normalerweise keine Körperteile abgetrennt

Schon armselig...

Wenn die Religiösen wenigstens nur religiös... naja... argumentieren würden... aber dann mit Quacksalbermedizin zu kommen... mei-o-mei...

schlimmer artikel - man sollte ihr die erlaubnis zu praktizieren enziehen.
ein weiterer fehler ist dass sie wie manche andere glauben es dreht sich alles um juden.
es geht um die verstümmelung von buben, egal welcher herkunft religion. bei mädchen wurde das schon eindeutig geklärt, bei knaben ist es dringen und ausständig dass geschlechtsverstümmelung verboten wird.

was erschreckt ist die Begründung, ein bisschen Kabalismus

und Herumgerede bei der Begründung, und plötzlich wäre die Zeit vor der Mitte des letzten Jahrhunderts eine Rettungsaktion gewesen.
Grauenhaft, wie da begründet wird.

vielleicht gibt es ja einen Ausweg aus dem Dilemma

laut dieser Seite kann eine Brit Mila verschoben werden, wenn die Instrumente beschädigt sind. Naja, sind sie halt alle irgendwie beschädigt, so ganz zufällig? Nur so als kleine Anregung von außen. Denn laut tethys wird ja heftig diskutiert. Und jede Religionsgemeinschaft ist auch eine lernende Gemeinschaft, die einen mehr, die anderen weniger. Und dem Lernen war das Judentum noch nie abgeneigt, wer weiß schon, wie die Diskussion ausgeht? Gesetze von "außen" bringen aber nichts. Höchstens, dass dann tatsächlich unter fragwürdigen hygienischen Bedingungen beschnitten wird. Und muss ein Mohel nicht ohnehin Arzt sein (oder Ärztin, zumindest eine gibts ja in- in Bamberg)

wenn das möglich ist - hauptsache keine verstümmelung mehr.
ich könnte mir auch eine segnung des zumpferls vorstellen - da haben die familien und geistlichen weiterhin ihr ritual, und es fliesst kein blut mehr.

Die Perversion mancher religiöser Vorschriften

muss man sich erst einmal ins Bewusstsein rufen. Das geht ja bis zu rituellen Handlungen mit Todesfolgen (keine Erfindung, Westafrika). Das mit Menschenopfern steht ja auch im alten Testament. Hoffentlich liest das keiner von denen, die das alte Testament noch ernst nehmen...

jetzt wird die Ritualmordlegende wohl auf diesem Weg beschworen

im Judentum sind Menschenopfer verboten. Steht übrigens im Alten Testament (u.a. 1. Mose 22, 12) Lesen Sies mal nach, bevor Sie so einen Unsinn verzapfen!

Aber die Geschichte von Abraham und seinem Sohn Isaac

ist eine Geschichte eines Menschenopfers. Dass es im letzten Moment vereitelt wurde, ändert an der Tatsache nichts...

Geh pudel dich nicht so auf, es will dich eh keiner beschneiden.

@baroli Und haben Sie zum Thema auch eine Meinung

oder schreiben Sie nur so vor sich hin...

Das man dagegen sein kann ist ja verständlich, bin ich auch. Aber die Aggression und unlogische Hysterie und vor allem die extrem ungustiösen und einfach nur dummen Vergleiche zwischen Beschneidung und FGM, in der Diskussion sind mir unbegreiflich, erinnert mich ein bischen daran als wir vor ein paar jahren draufgekommen sind das Tibet seit Jahrzehnten besetzt ist. Könnte mich nicht erinnern das ich von all jenen die das jetzt "schon immer" gestört hat in den letzten 10 Jahren auch nur ein Posting gesehen hab dass das bei nem "Religions"Thema anspricht.

es gibt aber auch welche, die schon in den 50er Jahren

von der Besetzung tibets und der Flcuht das DalaiLam gelesen haben und mitgefühlt haben und es gibt auch welche, die damals das schon als Unrecht empfunden haben.
insbesondere auch, als sie etwas amüsiert gelesen haben, dass Kafka sich anfänglich geniert hat, nackt aufzutreten, weil er als Beschnittener offensichtlich geworden wäre.
Und da gibt es noch einiges, die wache Menschen schon früher überlegt haben, jetzt ist halt die Zeit, darüber zu reden!

aber du und die anderen hier waren niemand davon.

Ich habe die Postings teilweise gelesen, teilweise überflogen und wundere mich, daß die Nichtbeschnittenen sich aufregen, die Beschnittenen hingegen mit ihrem Penis zufrieden sind.

@Pefo Was bleibt den Beschnittenen denn schon übrig.

Nützt es was, wenn sie sich beklagen? Sie erregen höchstens Schadenfreude...

Sich freuen, keine Dutzendmänner zu sein.

Na ja, ob das die Nachteile

der Genitalverstümmelung aufwiegt?

Willst du mal eine Genitalverstümmelung sehen?

Welche Nachteile?

WHO & Politik

Die WHO hat schon immer politische Entscheidungen getroffen.
So wurde Homosexualität bis Anfang der 90er als Krankheit geführt und dies dann revidiert.
Beide Entscheidungen wurden politisch gefällt.

Ich warte noch immer auf EINEN! Grund warum die Beschneidung der Vorhaut einen medizinischen oder Lebensqualität minderenden Faktor darstellt.

Nicht falsch verstehen, ich find es auch bescheuert.. aber die aufregung und diskussion ist purer almscher populismus und dummeheit.

Posting 1 bis 25 von 1645

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