Frauenministerin allein auf weiter Flur

17. Juli 2012, 16:18
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Deutlicher Rückgang an frauenzentrierter Berichterstattung, das Top-Thema des Vormonats interessiert kaum mehr

Auch für den Monat Juni kommt aus dem Haus media affairs eine Analyse der Frauenberichterstattung von fünf großen österreichischen Tageszeitungen (DER STANDARD, "Die Presse", "Kurier", "Krone" und "Österreich"). Dabei ragen folgende Ergebnisse heraus: Das Top-Thema des Monats Mai (Kinderbetreuung) beschäftigt die Redaktionen im Juni kaum mehr - im Juni war Frauenförderung am gefragtesten. Und: Außer einer Ministerin "auf Frauenmission", wie Studienautorin Maria Pernegger Frauenministerin Gabriele Henisch-Hosek (SPÖ) bezeichnet, finden sich auf der frauenpolitischen Bühne kaum AkteurInnen.

Insgesamt zeigt die Analyse einen deutlichen Rückgang in der frauenzentrierten Berichterstattung: Während im Mai knapp 27.000 Wörter in diesem Kontext erfasst wurden, waren es im Juni nur mehr 13.000. Besonders signifikant ist der Rückgang beim STANDARD: Während im Vormonat 6.000 Wörter im Frauenkontext gezählt wurden, sind es im Vergleichsmonat Juni nur mehr knapp über 1.000. Die Studienautorin erklärt sich diesen Einbruch folgendermaßen: Zum einen halte sich die Politik vergleichsweise stark im Hintergrund, zum anderen sei besonders in den Qualitätsmedien der Anteil an eigeninitiierter Berichterstattung stark gesunken. Wie im Mai wurden im "Kurier" die meisten Wörter im Kontext einer Frauenberichterstattung gezählt.

Kinderbetreuung mutiert zu Obsorge

Die höchste mediale Aufmerksamkeit erlangte die Frauenministerin mit der Broschüre zur betrieblichen Frauenförderung. Dieses Thema griffen die Qualitätsmedien stärker auf als der Boulevard. Es zeigt sich, dass Boulevard- und Qualitätsmedien in ihrer frauenaffinen Berichterstattung jeweils andere Themen rezipieren und unterschiedlich an die Themen herantreten. So wurde der Schwerpunkt "Gewalt gegen Frauen" - hier präsentierte Heinisch-Hosek eine Initiative gegen K.-o.-Tropfen - fast ausschließlich im Boulevard behandelt. Das Top-Thema des Monats Mai - Kinderbetreuung - wurde aktuell im Kontext Familienpolitik und Obsorge abgehandelt.

FPÖ und typische Klischees

"Die Frauenpolitik geht im Juni offensichtlich an der Politik vorbei. Dank der Zurückhaltung der anderen Parteien sind zirka 80 Prozent der frauenpolitischen Berichterstattung von der SPÖ besetzt. Den Löwenanteil trägt die Frauenministerin selbst", so Pernegger. Weit hinter der SPÖ liegt die FPÖ. Pernegger zufolge bedient sich die FPÖ typischer Klischees und erreicht dadurch mediale Aufmerksamkeit. Der FPÖ-Vorstoß für eine bessere Unterstützung der Mütter erbrachte etwa den Titel "Frauen an den Herd" in der Tageszeitung "Österreich".

Mehr Unterstützung für Mütter gefiel auch der "Kronen Zeitung" und brachte der FPÖ insgesamt viel Aufmerksamkeit. Die Medienanalyse ergab zudem eine zurückhaltende grüne Partei, ein Überlassen der Frauenpolitik der SPÖ vonseiten der ÖVP und ein unsichtbares BZÖ. Frauenorganisationen und -vereine konnten sich im Juni auf der medialen Bühne nicht im Ausmaß des Vergleichsmonats Mai präsentieren, auch bei der Aufklärungskampagne des Frauenministeriums zu K.-o.-Tropfen traten Frauenorganisationen medial nicht in Erscheinung. (eks, dieStandard.at, 17.7.2012)

  • Artikelbild
    foto: media affairs
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