Krebsfälle "wahrscheinlich" durch Atomtests ausgelöst

17. Juli 2012, 13:13
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Frankreich testete bis 1996 seine Atomwaffen in der Südsee, rund 150.000 zivile und militärische Mitarbeiter waren dabei

Bestimmte Krebskrankheiten bei französischen Soldaten sind "wahrscheinlich" durch die französischen Atomwaffentests in Algerien und Französisch-Polynesien ausgelöst worden. Das geht aus einem medizinischen Gutachten hervor, das der Experte Florent de Vathaire im Rahmen einer Untersuchung der Justiz erstellte, wie die Zeitung "Le Parisien" in ihrer Ausgabe von 17. Juli berichtete.

Frankreich testete Anfang der 1960er Jahre in der algerischen Sahara und bis 1996 in Französisch-Polynesien in der Südsee seine Atomwaffen. Rund 150.000 zivile und militärische Mitarbeiter nahmen an den rund 210 Tests im Laufe der Jahre teil, zudem war die Zivilbevölkerung der Strahlung ausgesetzt. 2010 trat in Frankreich ein Gesetz zur Anerkennung und Entschädigung der Opfer der Atomtests in Kraft.

Der Wissenschafter untersuchte nun 15 Krebsfälle von Soldaten, die an den Testorten stationiert waren. Für sechs der Fälle stellte er fest, dass ein Zusammenhang zwischen der Krebskrankheit und der radioaktiven Strahlung als "wahrscheinlich" anzusehen sei. Aus wissenschaftlicher Sicht könne aber nie "mit Sicherheit" gesagt werden, dass es "diese oder jene Ursache" für eine Krebskrankheit gebe, denn diese werde nicht allein durch die Strahlung ausgelöst.

Der Experte plädierte für eine rasche Untersuchung der Einwohner von Französisch-Polynesien, die zum Zeitpunkt der Tests unter fünf Jahre alt waren. Denn inzwischen sei sicher, dass schon geringe Strahlenmengen bei kleinen Kindern schwere Auswirkungen auf die Schilddrüse haben könnten. (APA, 17.7.2012)

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